Kirchen, Berge und ein Steinbock.

Von Parma über Spiazzi zur Madonna della Corona, nach Brentino Belluno und weiter Richtung Südtirol.

Madonna della Corona

In Spiazzi parken wir mit dem Wohnmobil auf einem Parkplatz, sichern uns ein Ecke, aus der wir auf alle Fälle wieder unbeschadet herausfahren können und warten ein bisschen, bis sich der Nebel etwas legt. Als ich aus der Türe trete, sehe ich kaum das Ende des Parkplatzes. Das Wohnmobil scheint im dichten Nebel zu verschwinden. Mir ist ein wenig mulmig wenn ich an die Kälte denke, die sich gerade über die Umgebung legt, hoffentlich kommen wir später wieder sicher und wohlbehalten nach unten. Nach einer halben Stunde verflüchtig sich der Nebel aus dem sich unter uns befindenden Tal, doch nur einen Moment später dringt die nächste Schwade zu uns heran. Trotzdem hält mich nun nichts mehr davon ab, mich auf die Suche nach der hübschen Kirche zu begeben, schließlich gibt es schlimmeres als eine schlechte Sicht. Die kühle Luft schlägt mir entgegen und ich ziehe meine warme Mütze tiefer ins Gesicht.

Madonna della Corona

Kaum liegt der nur leicht besuchte Parkplatz hinter mir, entdecke ich einen Weg, der mich zur Kirche führen sollte. Zu Anfang lasse ich zur linken Seite zwei bewohnte Häuser hinter mir, welche, bevor man an die Haustüre herantreten kann, umzäunt sind. Plötzlich bellt es furchtbar laut hinter dem Zaun und ich erschrecke mich fast zu Tode. Das Miststück hat mir doch tatsächlich den Puls vehement erhöht ☺️☺️ Anschließend begegne ich noch einer italienischen Postbotin, die ihren weißen Fiat Panda auf dem Parkplatz abstellen- und zu Fuß hinunter laufen musste. Aber etwas Bewegung tut ihr sichtlich gut..

Der Blick durch den Nebel

Dann gehe ich auch schon weiter, immer wieder einige Treppenstufen nehmend und christliche Statuen begutachtend. Ein Gebilde zeigt zum Beispiel, wie Jesus sein Kreuz auf der Schulter trägt, ein anderes wiederum, wie er ans Kreuz genagelt wird. Der Nebel taucht die gesamte Szene in ein mystisch-schauriges Unterfangen.

Jesus trägt ein Kreuz

Im Laufe der Zeit verschlagen mir immer wieder die hellen und dunklen Farbtöne der Bäume, die durch das geheimnisvolle Nebelkleid hervorgerufen werden, den Atem. Ein hübsches Zusammenspiel. Dann klettere ich die letzten gefühlt tausend Stufen herunter und stehe auf dem kleinen Vorplatz zum Tunneleingang, der durch den Fels und anschließend zur Kirche führt. Als ich fast durch den Fels gelaufen bin, entdecke ich ein Altar mit Teelichtern, die man dort anzünden darf, wenn man eine Spende zurück lässt. Ich zünde einige Kerzen an und bin in Gedanken bei meiner Familie.

In Gedanken an die Familie

Danach trete ich ins Freie und stehe plötzlich auf einem Platz mit einer Holzbank an der Seite – über mir die atemberaubende Madonna della Corona. Ich kann es nicht fassen, wie hübsch sie ist. Unzählige Treppen führen zwischen Fels und Haus auf das Plateau zur Kirche. Es ist nicht viel los. Nur eine Familie und ein paar Wanderer mit ihrem Hund sind vor Ort. Oben angekommen kann ich noch immer meinen Augen nicht trauen, zu unwirklich ist die Erscheinung im Fels, als das sie wirklich wahr sein könnte. Grau ragt die Spitze des Kirchturms in den undurchsichtigen Himmel Richtung Berg. Der Blick ins Tal zeigt mir den Dunst des regnerischen Wetters der letzten Tage und gibt nur ungern die Aussicht auf das Dorf darunter frei. Gegenüber der Kirche kann man die hohen Berge und die rar bewaldeten Felsen nur erahnen, zu verhangen ist die Umgebung.

Ich lasse das Gesamtbild auf mich wirken und genieße die Ruhe des Moments. Zur linken Hand ist ein Altar ins Gestein eingearbeitet und steht freundlich geschmückt zur Begutachtung der Besucher und Gläubigen zur Verfügung. Ehrfürchtig trete ich näher heran und öffne die Türe zur Kirche. Ein langer Gang bringt mich ins Innere. Zu beiden Seiten stehen Holzbänke, bereit um darauf Platz zu nehmen und sich zu besinnen. Der ganze Raum ist mit rot-braunen und beigen Marmorplatten gefliest. Die Felswände, in die die Kirche integriert wurde, sehen einfach spektakulär aus und geben der Kirche einen natürlichen Touch. Bunt werden die kleinen Fenster angeleuchtet und erstrahlen im Tageslicht. Ich setze mich auf eine der Bänke und halte inne.

Madonna della Corona
Madonna della Corona

Anschließend laufe ich wieder leise nach draußen und schaue mir die Kirche noch einmal von der gegenüberliegenden Seite an, als ich durch den dichten nebeligen Wald laufe. Dann spaziere ich zu Tommy und Sunny zurück, die im entfernten Wohnmobil auf mich warten.

Dichter Nebel im Wald

Ich erzähle Tommy von einem Waldweg den ich während meiner kleinen Erkundungstour entdeckte, der mich neugierig gemacht hatte. Tommy ermutigt mich zu einem erneuten Aufbruch in Richtung der Kirche und so wandere ich ein weiteres Mal über die vielen Treppenstufen hinunter, um an den Ausgangspunkt des Waldweges zu gelangen. Ein verwittertes Schild weißt auf einen Pfad hin, auf dem Vorsicht geboten ist. Ich laufe mit all meinen Sinnen in die Tiefe, durch den Nebel und kraxle alle paar Meter ein paar alte Treppen hinunter.

Treppen ins Tal

Die schmalen krummen Bäumchen, die geheimnisvoll und schemenhaft durch die Nebelwand erscheinen, verschleiern die Sicht auf die Welt darunter. Viel weiter als ein paar Meter kann ich nicht sehen, doch das macht die Aktion irgendwie spannend. Ich habe mit Tommy vereinbart, dass wir uns auf einem Wohnmobilstellplatz im nächsten Ort treffen, der am Ende meines Wanderweges liegt.

Auf dem Weg ins Tal

Nach ungefähr einer Stunde über Stock und Stein, über Hölzer, durch Nebelschwaden und über unendliche Stufen, erreiche ich wieder festen Boden unter den Füßen. Ich stehe auf dem Asphalt der Straße, marschiere durch den Ort Bretino, etwas ausserhalb auf den Stellplatz, wo ich unser Wohnmobil schon aus der Entfernung entdecke. Außer uns stehen noch ein paar weitere Camper mit deutschem Kennzeichen auf dem Platz und im Hintergrund ragt die kleine Dorfkirche, die zwischen den Bergen im Tal ruht und von leuchtend roten Wolken umschlossen wird.

Kirche von Brentino Belluno

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne in voller Pracht und lädt mich dazu ein, den Berg erneut zu erklimmen. Nach dem Frühstück kann ich meine Neugierde nicht mehr zurückhalten und es dauert nicht lange, dann ziehe ich mir eine Jacke über, schlüpfe in meine Schuhe und hüpfe die Stufen zur Madonna della Corona in die Höh. Es ist anstrengend, ich schwitze, doch ich bin einfach viel zu gespannt auf die Kirche und die Gegend bei klarer Sicht, als dass ich mich zu sehr auf die Strapazen konzentrieren würde. Ich genieße es förmlich mich weiter zu kämpfen. Wie faszinierend die Kirche erst ohne den trüben Einfluss des Wetters ist, stelle ich erst in dem Moment fest, als ich sie in den ersten Strahlen der Morgensonne erblicke. In orangen Farben funkelt die Fassade der Kirche, die im Monte Baldo verbaut wurde. Auch die Aussicht ins weitläufige Tal ist umwerfend schön und lässt mich für einige Minuten erstarren – es ist hinreißend ☺️

Felsenkirche

Ich verweile noch ein wenig in der Kirche, wandere einige Kilometer einen bisher unentdeckten Pfad entlang, stoße auf die Vorboten des Frühlings -ein paar gelbe Primeln haben sich durch das braune Laub auf dem Erdboden gekämpft- und springe anschließend wieder hinunter ins Tal, an der Kirche vorbei und zum Wohnmobilstellplatz zurück, wo Tommy einem Wohnmobilneuling lernt, wie man Wasser tankt und die Toilette entleert.

Brentino Belluno

Danach packen wir alles zusammen, verstauen und verzurren unsere lose herumliegenden Habseligkeiten und fahren ins etwa hundert Kilometer entfernte Neumarkt in Südtirol. Dort stellen wir uns für eine Woche ab, genießen die deutsch sprechende italienische Region und erfreuen uns an typisch deutschen Lebensmittel, die wir dort im Supermarkt erhalten.

Montan, Südtirol
Kleiner Wasserfall in Montan, Südtirol

Ich wandere viel in den Bergen, erkunde die Gegend und entdecke sogar noch allerlei Überreste des Winters. Sanft liegen die Almen auf den Hügeln und Bergen Südtirols und machen mich alleine mit ihrer Erscheinung glücklich. Zwischen den Wiesen glitzert gelegentlich eine schneebedeckte Fläche in der Sonne. Auf einem steilen Felsbrocken beobachte ich einen Steinbock, der sich aus seinem Versteck wagt und leichtfüßig über die schroffen Berge hinweg springt.

Steinbock im Neumarkt
Aussicht ins Tal

Die folgenden Tage verbringen wir mit der Fahrt Richtung Heimat. Zuerst landen wir in Bozen und Umgebung, es beginnt noch kälter und ungemütlicher zu werden und die Fahrt über den Brenner scheint unüberwindbar, aber ist dennoch nicht zu verschieben. Jede Menge Neuschnee ist angekündigt und es führt kein Weg mehr daran vorbei. Bei wildem Schneegestöber wagen wir die Reise über den Brenner, durch Österreich und anschließend nach Deutschland.

Mit jeder Menge Schnee über den Brenner

In tiefster Dunkelheit, völlig ausgehungert und mies gelaunt kommen wir beim McDonalds in Irschenberg an. Während ich mit Sunny vor die Türe gehe, sie ihre Geschäfte verrichtet, holt uns Tommy frische Burger und heiße Pommes aus dem beliebten Fastfood-Restaurant. Die Nacht verbringen wir in Bad Aibling auf einem Wohnmobilstellplatz. Am Morgen liegt eine dicke Schicht Raureif auf den Wiesen, es ist eiskalt und ich bin einfach nur enttäuscht. Warum genau, dass kann ich garnicht richtig sagen, alles scheint mir zu endgültig. Klar, ich bin froh, aus dem Land der Müllberge zu sein, aber bin trotz allem traurig, dass die Reiserei erstmal wieder zu Ende ist. Wir sind wieder in Deutschland. Im kalten ungemütlichen Deutschland. Ich friere, die Sonne scheint für immer abgetaucht zu sein und es gibt schon bald keine Berge mehr. Doch als wir ein paar Tage später in Nesselwang aufschlagen, könnte meine Laune nicht besser sein. Ich fasse neue Hoffnung, kämpfe mich durch den hohen Schnee der Berge, trinke mein erstes Radler seit langem in einer Hütte auf dem Berg und lasse mir mein Gesicht in den warmen Strahlen der Sonne bräunen.

Radler in der Sonne
Alpspitz Gipfel

Mittlerweile sind mehr als fünf Wochen vergangen, seit wir Nesselwang verlassen haben, wir haben mindestens den dritten Döner hinter uns, haben Familie und Freunde besucht und die ganze Welt scheint nun im Chaos auszubrechen, aber das wisst ihr ja alles schon..

Nesselwang

Wir sind gespannt, wie es dieses Jahr für uns weiter gehen wird und was- und vor allem wo wir unsere Abenteuer erleben werden. Aber die Hauptsache ist jetzt erstmal, dass wir alle samt gesund bleibe und aufeinander acht geben.

Alles Gute für Euch und bis bald,

Eure Kati 😊

Wenigstens die Tierwelt ist noch entspannt 😊

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