Das Ende naht!

Willkommen an der russischen Grenze

Angekommen 😊

Während der letzten Kilometer an die Grense Jakobselv -die Grenze zu Russland- fühle ich mich dann doch etwas ausgelaugt und kaputt. Es ist kalt. Überhaupt war es in den vergangenen Tagen einiges kälter als sonst. Ich denke die Temperaturen lagen kurz vor Nachtfrost.

Die Beine sind schwerer als normal und irgendwie gehts einfach nicht richtig vorwärts. Ist es nur die Kälte und die ungemütliche Stimmung, die der starke Gegenwind und das aufgewühlte, dunkle Wasser ausstrahlen? Ist es vielleicht der bloße Gedanke an die nahe, russische Grenze und die gefühlt ewige Einsamkeit dieser Gegend? Oder hab ich einfach Bammel davor, nun wirklich anzukommen?

Grense Jakobselv

Nach vielem Auf und Ab, über Stock und Stein, auf schlechten Straßen mit riesigen Löchern, kämpfe ich mich die letzten knapp 50km gegen den Wind. Immer wieder lugt die Sonne durch die dichte Wolkendecke am Himmel, doch warm zu werden scheint es heute nicht.

König-Oskar-II Kapelle

Um kurz vor Zwölf am Mittag erreiche ich dann aber doch noch das Schild „Grense Jakobselv“. Ich radle an der hübschen König-Oskar-II-Kapelle vorbei, die geheimnisvoll und voller Geschichten unterhalb eines Felses auf wildem Bodenbewuchs platziert wurde und trudle anschließend auf dem sandigen Parkplatz, an meinem Ziel ein.

Blick aufs Meer

Wind bläst mir ins Gesicht und rüttelt gewaltig an meiner Kleidung, doch ich scheine dessen Stärke im ersten Moment nicht zu begreifen. Angezogen von der Wildheit es Meeres, der farblosen Felsen die ins Wasser ragen und dessen schroffe und karge Erscheinung, bleibe ich augenblicklich stehen. Was ich in diesem Augenblick fühlte war ein Gemisch aus „das wars jetzt?“, aber auch aus Leichtigkeit. Ich bin vollkommen durcheinander, weiß garnicht so richtig wohin mit mir. Das Ende ist in greifbarer Nähe -es ist vorbei- doch die Tatsache kommt noch lange nicht bei mir an. Mir kommen die Tränen, ich lasse sie einfach über mein kaltes Gesicht rinnen.

Das Werk ist vollbracht! ☺️

Noch kommt es mir vor, als hätte ich eben mal ein paar kleine Tagesausflüge hinter mich gebracht und es wird sicher einige Zeit dauern, bis mir das ganze Ausmaß der vergangenen Monate klar wird.

Viel hat sich schon jetzt verändert. Alles ist irgendwie leichter geworden und vieles einfach nicht mehr Wichtig.

Abendstimmung

Ich freue mich noch viel mehr über kleine Dinge, die mir in den Momenten auf Tour, wie das Allergrößte auf der Erde vorkamen und es in Wirklichkeit auch sind!

Ich bin so unendlich dankbar für die wundervollen Begegnungen, die unendliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Norweger und auch der Deutschen, die ich während meiner über 3.500 Kilometer durch Norwegen erleben und erfahren durfte 😊

Dann reißt der Himmel auf 😊

Was für ein großes Glück ich mit all diesen zuvorkommenden und liebenswerten Menschen hatte, lässt sich nicht in Worte fassen!

Und die Natur die ich zu Beginn meiner Norge på langs Tour etwas intensiver spüren konnte, als anschließend mit dem Fahrrad, hat mich so unglaublich viel gelehrt, mir so viele wunderschöne Dinge gezeigt und mich so unbeschreiblich bereichert, dass ich vor lauter Sehnsucht am liebsten sofort wieder den Rucksack packen- und abhauen würde 😊

Ich danke Euch allen von ganzem Herzen, Euch, die mir diese Zeit zu dem intensivsten und schönsten Erlebnis gemacht habt! Danke Danke Danke! 😊😘

Noch am selben Tag nahmen mich Michael und Martin, Vater und Sohn, welche ich am Ziel kennenlernte, mit zurück nach Kirkenes 😊 Wir verbrachten noch einige Zeit bei mehreren Tassen Kafe in Kirkenes und gingen daraufhin wieder getrennte Wege. (Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste – wir werden uns bald darauf wieder sehen 😊) Danke euch beiden! 😊

Meinen letzten Abend mit Lagerfeuer, rauchiger Kleiderung, Ostepølser (Käsewürstchen) und einer kleinen, blauen „Isbjørn“ Dose (norwegisches Bier), die ich für diesen Moment schon eine Weile durch die Gegend fuhr, lasse ich schweren Herzens meinen letzten Abend in freier Natur ausklingen. Die vorerst letzte Nacht im Schlafsack.

Im Wald bei Kirkenes

Am nächsten Morgen stehe ich am Hurtigruten-Kai, gebe mein Rad auf und muss mich erst einmal neu ordnen, was mir anfangs leider nicht gelingt. Zu viele Menschen, zu viel Trubel, zu wenig Freiheit. Was für eine Schnapsidee es doch war, sich nach so einer Tour auf solch einen Gegensatz einzulassen.

Ich sitze vor dem Fenster, blicke durch die von Meerwasser- und Luft gesalzenen Scheiben und frage mich, wie ich die kommenden Stunden wohl am besten hinter mich bringen könnte. Was für ein Kontrast zu den letzten 103 Tagen.

Kurz bevor ich all meine Hoffnung auf eine nette Überfahrt nach Skjervøy aufgegeben habe, setzt sich ein nett wirkender Mann, Bernard, ein paar Tische weiter auf einen Stuhl. Wir kommen ins Gespräch, wir haben viel zu erzählen und ich lerne noch weitere seiner „Schiffskollegen“ kennen und die gesamte Reise mit der Hurtigruten, wenn auch bei anhaltendem schlechten Wetter und Geschaukel, wird zu einer ganz tollen Erinnerung 😊 Ich danke dir dafür 😊 Du hast mich davor bewahrt, vorzeitig im Meer abzutauchen 😁

Sonnenschein beim Frühstück an Bord 🤣

Wie es weiter geht, weiß ich nicht. Was jetzt kommt? Das weiß ich auch nicht. Ich weiß eigentlich garnichts. Ich weiß nur, dass es schön war – und das weiß ich mit ganz großer Sicherheit 😊😊

Bis bald,

Eure Kati 😊

Nachher/Vorher 😊

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jürgen VB sagt:

    Herzlichen Glückwunsch, Kati! Stolze Durchhalteleistung und eine tolle Erfahrung für´s ganze Leben. Das gibt Power für die kommenden Wege und Entscheidungen, bei denen du sicher die richtige Abzweigung nehmen wirst. Alles Liebe aus Hamburg, Jürgen

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  2. Kati sagt:

    Danke, lieber Jürgen für deine Glückwünsche 😊 Ja, wenn es nicht sogar DIE Erfahrung fürs Leben ist 😊 Liebe Grüße an dich 😊 Kati

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