Die fröhlich leuchtenden Häuser von Cinque Terre.

Der ewige Grat zwischen Italien und mir.

Der Blick auf Ringedalsvatnet, auf dem Weg zu Trolltunga, Norwegen

Während unserer Reise durch Italien muss ich immer öfter an Norwegen denken. An unsere Erlebnisse, an die Menschen und vor allem an die Einsamkeit- und die Ursprünglichkeit der Natur. Damals hatte ich das Gefühl angekommen zu sein. Meine Sehnsucht, zu dem Land meines Herzens, wächst von Tag zu Tag. Ich lese Bücher von zwei Deutschen die Norwegen der Länge nach gewandert sind und bin sofort Feuer und Flamme. Ich sauge die Buchseiten mit meine Augen auf wie ein Staubsauger die Fusseln auf dem Fußboden. Irgendwann werde ich das auch machen, da bin ich mir ziemlich sicher. Ganze 3.000 Kilometer vom südlichsten Punkt bis ans Nordkapp, bzw. an den Knivskjelloden. Ich bin mit sicher, dass mich der Gedanke an „Norge pa langs“ immer wieder einholen wird.

Reine in Norwegen

In Italien war ich immer auf der Suche nach Ruhe, nach dem Augenblick bei dem ich endlich aufatmen und neue Energie tanken kann, doch wie mir scheint, werde ich diesen nicht mehr erleben. Zu laut und unkontrolliert gibt sich das Land und viel zu schmutzig. Doch selbst weiter oben auf der Karte, will mich die Landschaft nicht vereinnahmen und spuckt uns mal wieder tierisch vor die Füße.

Wir fahren von Pisa aus etwa 93 Kilometer nördlich an die Küste des bekannten Wandergebietes und Nationalparks „Cinque Terre“. In Manarola angekommen, parken wir mit dem Wohnmobil auf einem schrägen Parkplatz im Hang, mit Aussicht auf kleine Häuser und eingezäunte Gartengrundstücke. Langsam traut sich sogar die Sonne hinter den Wolken hervor und reißt an manchen Stellen ein paar Löcher in die dichte Wolkendecke. Dann ziehe ich meine Schuhe an und marschiere los. Der Weg fällt steil nach unten ab und führt mich, an einem Wasserkanal, der zum Teil unterirdisch verläuft, in das Dorf Manarola, dass bekannt für seine hübsche, mit leuchtend bunten Häuser gespickte Felsenküste ist. Noch heute lebt man hier von Fischfang und vom traditionellen Wein. Ich laufe an einer Kirche vorbei und weiter hinab an die Küste.

Manarola

Links und rechts der Gasse ragen unzählige Häuserfronten empor. Kleine Restaurants und Bars verstecken sich in kleinen Durchgängen und verleihen dem Dörfchen ein geheimnisvolles Erscheinungsbild. Dann erblicke ich das Wasser, ich hatte mir zuvor ausgemalt, wie atemberaubend die Szenerie sein muss, und schaue über die Weite des türkisfarbenen Meeres. Es glitzert und flimmert in der Sonne. Trotz meiner Enttäuschung, dass an diesem Touristenspot einfach alles überlaufen ist, gefällt mir der Ausblick auf die alten Häuschen, die auf grauen Fels am Hafen gebaut wurden. Leider sieht so nahe, alles doch recht baufällig aus. Schade, dass man sich hier erst um die Erhaltung und Restaurierung kümmert, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Ich klettere weiter am Meer entlang, steige ein paar Stufen hoch, um auf einen platt getretenen Pfad zu gelangen und erkunde in einiger Höhe die Berge des Cinque Terre. Hier hat man zur Weihnachtszeit eine Krippe im ganzen Hang verteilt und aufgestellt. Es muss wunderschön aussehen, wenn die Krippe in der Dunkelheit der Nacht aus Bergen leuchtet.

Manarola, Cinque Terre

Nach einer Weile klettere ich wieder zurück auf einen breiteren Weg und genieße die Aussicht auf die bunten farbenfrohen Häuser der Stadt, deren Dächer ich von meinem Standpunkt gut überblicken kann. Die Sonne strahlt aus voller Kraft über die hügelige Landschaft und taucht sie in ein wärmendes Bad aus Fröhlichkeit. Danach mache ich mich auf den Rückweg, die Massen an Menschen hinter mir lassend und suche mir einen Weg über hundert Stufen durch einen dunklen Gang hinauf, um an die Straße zu gelangen und anschließend zum etwa ein Kilometer entfernten Parkplatz zu Tommy und Sunny. Während ich durch die schattige Gasse schlendere wird der Geräuschpegel des Wassers immer lauter und unerträglicher. Zur linken Seite, gegenüber einer Wohnungstüre, entdecke ich ein türgroßes Loch in der Wand, hinter dem im Dunkel das Wasser ins Tal rauscht. Kein Gitter, keine Sicherung. Kein Wunder verschwindet hier so manches ohne jegliche Spuren zu hinterlassen. Schwups und weg.

Aussicht auf Manarola

Auf dem Parkplatz genießen wir noch einen Moment die Sonnenstrahlen auf unseren Gesichtern, tanken Wärme und fahren über die schmalen Sträßchen weiter durch das Grün der italienischen Hügellandschaft.

Blick von den Hügel in den Ort

In der Nähe von Vernazza verflüchtigt sich die Feuchtigkeit aus den Böden der Umgebung und zeigt sich als dichter aufsteigender Nebel und schwer hängender Dunst, der uns aufzusaugen scheint. Nach einer Weile wird die Sicht wieder besser, doch die acht Kilometer mit fast leerem Tank wollen einfach nicht Enden. Kaum steigt die Straße etwas an, zeigt die Tankanzeige gegen Null, doch so bald wir wieder in die Gerade kommen, können wir wieder etwas aufatmen. Mit fortschreitender Tageszeit wird auch das Wetter wieder ungemütlicher, dann schlägt auch noch mein Hungerbarometer alarm und ich werde ungenießbar. Dazu kommt Sunnys Quengelei, die uns seit ein paar Tagen etwas verwirrt erscheint.

Durch die Berge

An dem zuvor ausgesuchten Übernachtungsplatz fahren wir einfach vorbei, zu verlassen und dreckig sah dieser aus. Wir halten auf einem freien Fleckchen, ich bringe Sunny vor die Türe, doch plötzlich weiß sie einfach nicht mehr was sie mit sich anstellen soll. Ich schleppe sie zurück, helfe ihr dabei, die Türe hinauf zu kommen und das Spiel beginnt von vor. Ich werde ärgerlich. Dann beschließe ich kurzer Hand nicht mehr auf den Hund zu achten und mich ums Essen zu kümmern. Ich paniere klein geschnittene Putenbruststreifen mit zerkleinerten Cornflakes, koche Kartoffeln und brutzle. Nach dem unsere Bäuche prall gefüllt sind und das Geschirr wieder sauber ist, machen wir uns weiter auf die Suche nach einem geeigneten Platz für die Nacht – und nach einer Tankstelle. Perfekt! Direkt an der Tankstelle gibt es einen Wohnmobilstellplatz – doch dort hat sich leider eine riesige Zigeunerfamilie mit ihren gigantischen Bauwägen breitgemacht. Nicht mal unsere volle Toilette können wir dort entleeren, alles ist belagert. Es ist mittlerweile dunkel und der vergangene Tag steckt uns in den Knochen, wir sind ausgelaugt und müde, aber der Kraftstofftank ist immerhin gefüllt. Anschließend suchen wir uns einen anderen Platz, der nächste sollte in 45 Minuten zu erreichen sein, doch Fehlanzeige. Der Platz ist mit LKWs überfüllt und das Abwassersystem ist kaputt und verstopft. Es führt kein Weg daran vorbei, uns müde weiter zu kämpfen, bis wir uns endlich zwei Stunden später zwischen zwei Lastern auf einem Rastplatz auf der Autobahn kurz vor Parma stellen können und ko ins Bett fallen.

Die müde Sunny

Am nächsten Morgen werden wir nach einer anstrengenden Nacht früh geweckt und entscheiden uns, diesen Mist schnellstmöglich hinter zu lassen und nach Norditalien und Südtirol aufzubrechen. In der Nähe des Gardasees, in Spiazzi, gibt es eine atemberaubende Felsenkirche, „Madonna della Corona“, die es mir wirklich angetan hat. Ohne sie zu Gesicht bekommen zu haben, werde ich dieses Land nicht verlassen ☺️ Der Tag beginnt so nebelig, dass wir kaum etwas sehen. Zu dem wird es immer kühler und die Fahrt in die bergige Region wird zu einem Abenteuer. Je höher wir kommen, umso öfter führen unsere Blicke auf die Thermometeranzeige am Tacho. Still und sanft legt sich der dichte Nebel auf die Umwelt, die unter ihrem Schleier alles geheimnisvoll erscheinen lässt und unsichtbar darin versteckt. Schnell kann sich die Feuchtigkeit auf der Straße zu einer rutschigen Eisschicht entwickeln. Doch wie so oft, wenn man mit einer gewissen Portion Vorsicht und Achtsamkeit durchs Leben geht, passiert auch nichts und wir kommen wohlbehalten in Spiazzi an.

Parkplatz in Nebel getaucht, Spiazzi

Wie es uns während der Erkundungstour in und um die Felsenkirche ergeht, und was wir dort erleben erfährst Du in meinem nächsten Blogbeitrag. Um keinen Beitrag mehr zu verpassen, melde dich ganz einfach mit deiner Email-Adresse an und erfahre sofort, wenn ein neuer Beitrag erscheint. (Das Bestätigen der Emailadresse nicht vergessen 😊)

Bis bald,

Eure Kati 😊😊

Madonna della Corona

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