Tag 5 – Ein Geschenk des Himmels ☺️

Wie aus Ekelwetter, schmerzender Hüfte, dicken Knien und dem vergeblichen Versuch nach einem Zeltplatz ein wunderbarer Tag wurde.

Humor 😊

So, nun habe ich schon fünf volle Tage „auf Tour“ hinter mir. Fünf! Das klingt für mich schon fast nach einer Ewigkeit!

Andauernd schleichen sich diese unliebsamen Gedanken in mein Bewusstsein. Von: „das alles ist doch sowieso viel zu groß für dich“ bis hin zu „flieg doch besser gleich zurück“, ist alles dabei. Ich kämpfe täglich, beinahe stündlich mit diesen Worten in meinem Hirn. Scheinbar liegt mein Vorhaben immer irgendwo zwischen Abbruch und Weitermachen. Jeden Tag. Jede Stunde. Jede Sekunde. Und doch komme ich mit jedem Schritt, den ich während des Gehens automatisch mehrmals vor den anderen setzte, vorwärts. Mit jedem Schritt bin ich einen Schritt näher am Nordkapp. Mit jedem einzelnen Schritt. Wobei das Nordkapp garnicht mein Ziel ist, aber das Spiel auch keine Rolle. Die Natur ist mein Ziel!

In den letzten Tagen wurde ich dauernd gefragt, ob ich „på langtur“ bin, also ob ich länger unterwegs sei . Dann antworte ich meist, dass ich Norwegen der Länge nach gehen werde. Doch das stimmt ja so nicht, denn nun bin ich doch wirklich an dem Punkt angekommen, an dem ich sagen kann: ich g e h e norge på langs! Ich gehe wirklich! ☺️ Und ich gebe mein Bestes und werde es weiterhin geben, selbst wenn ich weiterhin durch Pisswetter- und mit dicken Knien durch die Gegen watschle. So leicht kriegst du mich nicht, du Schweinehund ☺️☺️ Du wirst noch sehen, wo du dein Fressen herholst, Sauhund!

Tanke am Wegesrand ☺️

Ab morgen gehts dann endlich weiter rein in die Natur. Endlich gehts ins fjell – in die Berge 😊 Übermorgen, naja eigentlich erst Donnerstag, soll dann der Sommerausbruch nahe sein. Endlich Sonnenschein. Eeeeendlich! Doch schon jetzt, in diesem Moment, den ich gerade in einem kuscheligen Bett mit richtiger Zudecke verbringe, denke ich an mein triefend nasses Zelt, mit dem ich seit mehr als fünf Tagen liiert bin zurück und vermisse fast die feuchten Gegenstände und die kleine Wassertropfen-Ansammlung am Zelthimmel.. Naja, fast 😊

Heute kann ich mich doch wirklich nicht beschweren. Was für ein wunderbarer Tag! Was für ein Gefühl 😊🍀 Nach dem ich erstmal ein paar Kilometer über die Straße geschlappt bin, naja -schlappen- kann man das mit einem zentnerschweren Rucksack vielleicht auch nicht ganz nennen, bin ich über einen steinigen Weg in den Wald gekommen. Gefühlte Ewigkeiten suche und wühle ich mich durch den Wildwuchs, auf der Suche nach einem anständigen Pfad. Schließlich gebe ich auf, laufe querfeldein auf ein Grundstück mit Bauernhaus zu und gehe an der Straße entlang, Richtung Kvinlog. Auf so einen Mist habe ich nun wirklich keine Lust! Doch selbst bei Schlechtwetter ist das Kvinsdal eine wahre Bereicherung. Ein echt schönes Tal! Viel Grün, viel Wasser, schnucklige Höfe, jede Menge Fels und einladende Hügel.

Nach dem zu den Reibungsschmerzen an der linken Hüfte nun auch noch welche an der rechten hinzukommen, eine kurze Pause nicht weiterhilft und ich mir die elendigen Gurte am ganzen Rucksack wegwünsche, habe ich keine große Lust mehr weiter zu laufen. Doch sieben Kilometer vor Kvinlog geb ich nicht auf. Was soll der Schei…? ☺️ Ich gehe natürlich weiter und weiter… und weiter.. Auf meiner Karte entdecke ich einen geeigneten Platz am See und freue mich. Wenn schon Regen, dann wenigstens mit Aussicht. Meine Enttäuschung könnte nicht größer, aber auch nicht von kürzerer Dauer sein. Das Gelände ist für eine Schäfchen-Herde eingezäunt und ich bin nun mal keines.. Plötzlich hält ein schicker BMW an. Die Scheibe geht runter, ein Mann blickt mich an und ruft mir etwas zu, dass ich nicht auf Anhieb verstehe. „Flügel zu haben wäre besser..“ meinte er. Das schwarze Auto glänzt vor sich hin und alles sieht nach Geld aus. Auch der Mann mit seinem Hemd und seiner teuren Krawatte. Ich frage, ob sie (er und seine Frau) nicht wüssten wo ich mein Zelt aufschlagen könnte. Sie ruft: „Ja, klar! Auf dem Hof meiner Eltern. Steig ein!“ Mir wird der Kofferraumdeckel geöffnet, dann die Türe. Schon sitze ich im sauberen Auto und rieche (obwohl ich erwähnen muss, dass ich gestern schön im kalten Fluss gebadet- und mich gewaschen habe) vor mich hin. Ich bin echt platt ☺️ Als wär das alles eine Selbstverständlichkeit! Nach nicht mal einer halben Stunde sitze ich frisch geduscht am Kaffeetisch, esse leckere Torte -der Herr des Hauses hat heute Geburtstag- und lächle fröhlich vor mich hin, freue mich unendlich hier, an Ort und Stelle zu sein. Und könnte in diesem Augenblick einfach nicht glücklicher sein. Alles ist so schön normal. Hier kann man so sein wie man ist. Einfach lachen und erzählen 😊

Meine Waschstation in Store Kvinna 😊

Noch nie in meinem Leben habe ich mich von wildfremden Menschen von vornherein so wohl und akzeptiert gefühlt! 😊 Und es war nicht der leiseste Anflug eines Unwillkommenseins zu spüren, dabei wurden wir ja alle so dermaßen überrascht. So ein herzliches Aufeinandertreffen – wirklich unglaublich! 🥰 Noch dazu soll ich mich fühlen wie Zuhause, mich am Brot bedienen, den Kühlschrank leer futtern, die Kaffeemaschine benutzen und tun und lassen was ich möchte 😊 Ich bin so überwältigt, was für ein wundervolles Erlebnis! So liege ich also während der heutigen Nacht nicht im feuchten Zelt und genieße die unendliche Gastfreundschaft der beiden herzensguten Menschen! Der Tag war so koselig! 🥰

Ich danke Euch von Herzen für alles 😊🍀

Bis bald,

Eure Kati 😊😊

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Gerhard Schwarz sagt:

    ALLES RICHTIG gemacht.

    Gefällt mir

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