Leben ist Veränderung

Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl.

Ich blicke hoch zum dunklen Himmel, der von unzähligen glitzernden Sternen übersäht, zu mir herunter leuchtet. Weit entfernt am Ende des Horizonts flackert kaum merkbar ein grünes Nordlicht. Es kommt mir vor, als wollte es mich daran erinnern, weshalb ich in den Norden gekommen war. Und dann, ein paar Tage später, entdecke ich während dem Frühstück die elegante Gestalt eines Adlers, der oberhalb eines leicht schneebedeckten Berges, durch die Lüfte gleitet. Voller Vertrauen lässt er sich vom kühlen Wind immer höher und höher treiben. In diesem Augenblick merke ich, wie schnell ich vergessen hatte, was ich an Norwegen so sehr liebe. Als hätte mich der eindrucksvolle Adler, mit seinen riesigen, ausgebreiteten Flügeln in diesem Moment wieder zurück geholt.

Adler am Himmel

Oft genug und viel zu schnell verliert man den wahren Grund für eine Sache aus den Augen, während man sich, abgelenkt durch ein paar kleine Misthaufen, von Tag zu Tag weiter hangelt. Auch mir, bereits halbwegs im Land meiner Träume angekommen, scheint immer mal wieder ein stinkender Misthaufen unter die Füße zu geraten, doch man ist ja bekanntlich selbst seines Glückes Schmied. So erinnere ich mich noch einmal ganz bewusst, weshalb ich mich auf den Weg nach Norden gemacht habe.

Der Weg ist das Ziel

Es ist eindeutig die Liebe zur Natur. Noch nie hatte ich das Gefühl, so nah an etwas so Großem und Unendlichen zu sein wie hier. Nie hatte sich der Eindruck in mir erweckt, dass es das „große Ganze“ auf dieser Welt wirklich gibt. Doch so intensiv wie ich Norwegen aufgenommen- und mit all meinen Sinnen gespürt habe, musste es einfach etwas viel viel Größeres geben. Viel größer als all das, was ein Mensch sich überhaupt vorstellen konnte – was auch immer es sein mag.

Magische Stimmung

Heimat in etwas zu finden- und mich einfach fallen zu lassen, war für mich schon immer sehr schwer, denn meist war ich viel zu aufgewühlt und hatte das Gefühl irgendwie zu anders zu sein. Doch je nördlicher ich kam, umso mehr vielen diese Dinge von mir ab, als hätte mir jemand nach und nach den Inhalt eines untragbar schweren, unsichtbaren Rucksacks von den Schultern genommen. Hier konnte ich endlich „ich“ sein. Hier wühlte mich nicht der Lärm der deutschen Straßen und der unumgängliche Stress des durchschnittlichen Arbeitslebens auf. Hier genoss ich die Ruhe, die Einsamkeit in der Natur, die Unberührtheit und die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der positiven, nördlich wohnenden Menschen. Hier machte alles einen Sinn. Hier ging es für mich ausschließlich um das, was es (für mich) im Leben gehen sollte – ums leben.

Unterwegs in den Bergen

In Gedanken wandere ich noch einmal über einen erdigen, leicht ausgetretenen Pfad, der sich durch die Berge Norwegens schlängelt und betrachte völlig sprachlos die umwerfende Landschaft. Wie schön es doch im hohen Norden ist! Zwischen zwei Hügeln fließt ein kleiner sprudelnder Wasserfall hindurch in Richtung Tal, auf den Berggipfeln im Hintergrund erkennt man noch die Reste des Schnees vom nicht sehr weit zurückliegenden, vergangenen Winter und das Grün des Bodenbewuchses leuchtet in der Sonne, die für einen kurzen Moment durch die dicke, aufgerissene Wolkendecke blinzelt und die gesamte Umgebung in eine Bild aus wohliger Wärme taucht.

Friedliche Rentiere

Plötzlich beginnt es zu tröpfeln, ich bin froh, mein Zelt bereits aufgebaut zu haben, und beobachte mit offenem Mund, wie in einiger Entfernung zwei Rentiere an mir vorüber schlendern. In diesem Augenblick entdecke ich dahinter einen Regenbogen in den sattesten und strahlendsten Farben und bin mir dieses Mal ganz ganz sicher. Ich muss wirklich durch Zufall an den Anfang des Regenbogens gekommen sein, doch weit und breit ist kein verrückter Kobold zu sehen, doch genau hier steht der sagenumwobene Goldtopf bereit, und damit der wahre Grund für mein Sein in Norwegen, meine Liebe zur Natur.

Rostahytta
Sørdal

Bis bald,

Eure Kati 😊

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. katifan sagt:

    Vielen Dank für deinen Reisebericht, liebe Kati, du bist sehr mutig und lebst de

    Gefällt 1 Person

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