Zur falschen Zeit am falschen Ort.

Was mich unsere bisherige Reise durch Italien alles lehrte.

Vom unspektakulären, aber landschaftlich sehr schönen Corleone, ging unsere Reise immer weiter Richtung Festland. Am Hafen von Messina nahmen wir die Fähre nach Villa San Giovanni. Die Spannung wuchs mit jedem Meter den wir Richtung Norden hinter uns lassen. Wie wird wohl die Westküste Italiens? Werden wir hier zum ersten Mal sprachlos über die Schönheit des Landes sein, anstatt über das überdimensionale Müllproblem? Wir werden sehen.

In Caronte finden wir ein freizugängliches Schwefelbad, angrenzend an einen Parkplatz, dass von den Einheimischen gerne bis spät in den Abend hinein genutzt wird. Schon von Weitem können wir das fürchterlich stinkende Wasser riechen. Eine Mischung aus Gammel und faulen Eiern. Brr. Dem Geruch zufolge, muss hier jemand einen ganz gewaltigen Furz abgelassen haben. Es ist schon dunkel, als die letzten Italiener aus dem mit grünem Wasser gefüllten Becken verschwinden. Wir verschieben unser gemeinsames Bad auf den nächsten Morgen und machen uns einen gemütlichen Abend, gespickt mit einem leichten Hauch eines langanhaltenden Eierfurzes.

Am nächsten Morgen kramen wir unsere Badesachen aus dem Schrank, ziehen uns um und verabschieden uns von Sunny, in Richtung des grün-dampfenden Bades. Es müffelt nach Schwefel, doch wir lassen uns davon nicht beirren. Anschließend streifen wir unsere Schuhe ab und setzten vorsichtig einen Fuß vor den anderen, um nicht auf den glitschigen Steinstufen auszurutschen. Das Wasser ist kuschelig warm. Doch so richtig einladend finden wir es hier trotzdem nicht. Eimer mit Müll stehen um das Becken und ein paar leere Bierflaschen liegen am Boden. Doch wo wir schon mal da sind, wagen wir uns einfach hinein. Je näher wir ans plätschernde Wasser kommen, um so erträglich wird der Geruch. Allerdings verkroch er sich beim anschließenden Abtrocknen in den Handtüchern und auf unserer Haut. Die erhoffte schöne Dusche muss leider noch ein bisschen warten, der Wassertank im Wohnmobil ist leer. Nicht mal einen Kaffee können wir noch kochen.

Anschließend suchen wir an mindestens drei Autobahnrastplätzen vergeblich nach den ausgeschilderten Servicestationen für Wohnmobile. Entweder sie sind gesperrt, kaputt, komplett abgerissen oder einfach nicht vorhanden. Erst nach gefühlten Stunden, die wir mit dem Abklappern der Auffrischanlagen und einer befreienden Dusche verbringen, können wir aufatmen. Danach geht es ins etwa 190 Kilometer entfernte Nemoli, an den Lago Sirino, einen kleinen See in der Region Basilicata. Umringt von unzähligen Bergen und Wanderwegen, ein echter Traum für Outdoor-Freunde.

Der Wohnmobilstellplatz ist im Hang verbaut und stellt jedem Übernachter einen gepflegten und gepflasterten Platz zur Verfügung, alles kostenfrei. Mir gefällt es hier richtig gut. Noch am selben Tag springe ich in den Bergen herum und kann mein Glück kaum fassen. Die Sonne scheint, es ist für einen Deutschen angenehm in Pullover wandern zu gehen und die Aussicht auf ein bisschen Höhenluft stimmt mich fröhlich. Danach wird noch ein bisschen gearbeitet und gekocht.

Am nächsten Morgen kann ich es nicht mehr erwarten loszulaufen. Direkt nach unserem gemeinsamen Frühstück packe ich Wasser, eine Banane und ein Nutellabrötchen in meinen Rucksack und marschiere los. Zuerst geht der Weg ein paar Schritte am See entlang, dann folge ich den roten- und weißen Markierungen an der Straße Richtung Wald. Nicht immer ist es so leicht die bemalten Steine und Bäume zu sichten, die als Wegweiser dienen und mich auf den Berg bringen sollten.

Nach eineinhalb Stunden Höhenkampf habe ich zwar nicht den Gipfel erreicht, doch vor meinen Augen liegt ein wunderschönes Bergpanorama. Dunkle Bergspitzen umrandet von den unterschiedlichsten Weiß- und Blautönen, strahlend blauer Himmel und vor Wärme fliehender Nebel – es ist herrlich ☺️ Ich schäle meine Banane, den Blick immerzu auf die gegenüberliegende Bergseite gerichtet und sauge diesen zauberhaften Moment in mir auf. Dann steige ich ab und kehre gegen Mittag zu meinen zwei Liebsten zurück.

Nach mehreren Tagen am See entschließen wir uns, mittlerweile ist es trübe und regnerisch, für die Weiterfahrt an der Westküste Richtung Amalfiküste. Klar, jeden Meter den es nördlicher geht wird es kälter, doch bisher halten wir uns noch sehr verbissen an unserer kurzen Hose fest. Auf die Amalfiküste freue ich mich schon lange. Vor meinem inneren Auge flimmern die buntesten, leuchtendsten und farbenfrohsten Häuser auf einer Anhöhe oberhalb des glitzernden- und sonnengefluteten Meeres. Ich bin gespannt, was daraus wird. Zuerst müssen wir unsere leeren Gasflaschen auffüllen, ohne sie sind wir verloren. Keine Heizung, kein warmes Wasser, kein Kaffee ☺️ An einer Tankstelle werden wir fündig und werden anschließend unzählige Male von unserer Stellplatzwahl enttäuscht, kein Platz in Sicht. Bei Lidl, dem Lichtblick unseres Tages genießen wir eine Auszeit und rücken, mit jedem Meter den wir hinter uns lassen, immer näher nach Salerno. Lidl, das aus Neckarsulm stämmige Weltunternehmen, hat uns unsere Zeit in Italien wahrlich verbessert. Ging uns Italien mal wieder gehörig auf den Keks, so wurde Lidl zu einem Anfahrtspunkt, der uns für einen kurzen Moment ein lächeln ins Gesicht zaubern konnte. Fleischkäse, bayrische Weißwürste, Käseaufschnitt, Schokolade, Snickers und vieles mehr brachten uns vom einen in den nächsten Tag. Die düsteren Gedanken, die wir gegen dieses arrogante und respektlose Land hegen, scheinen für einige Minuten vergessen. Doch immer wieder werden wir aufs Neue in die Realität zurück katapultiert, denn nichts funktioniert. Ich hänge meinen Gedanken nach, knabbere nebenher an einem Snickers und versuche zum hundertsten Mal zu verstehen, wie ich lernen kann, dieses Land zu verstehen. Ganz ehrlich? Es funktioniert nicht.

Erst ab der Toskana werden wir den, seit tausenden Kilometer gesuchten Quantensprung erleben. Vor fast zwei Jahren erkundeten wir die große britische Insel. Wir hatten schlimme Vorurteile, wie zum Beispiel das Essen, den andauernden Regen und den Alkoholkonsum der Engländer. Alle gehegten Vorurteile lösten sich in Luft auf, naja, außer vielleicht deren Drang zum Saufen 😁 Was ich damit sagen möchte ist, es kann gute wie auch schlechte Vorurteile geben. Ein Vorurteil zu haben bedeutet nicht gleich, dass man nur von der düsteren Seiten, den Schattenseiten, eines Landes voreingenommen sein kann. In unserem Fall mit Italien, war ich, wie wohl die Überzahl der Menschen in Europa, davon überzeugt, dass Italien ein Hammer werden würde.

Naja, weit gefehlt, nicht immer werden unsere Vorstellungen erfüllt, wie wir es gerne hätten. Doch für mich sind es nicht die Großstädte, die die meisten über ein verlängertes Wochenende oder einen Kurzurlaub entdecken, komplett abgeschottet vom eigentlichen italienischen Leben. Wem würde es denn nicht gefallen, von vorne bis hinten bedient zu werden? Doch das ist für mich nicht ehrlich. Alles was für ein „typisch“ italienisch in Touristen-Gegenden gegen Bezahlung erbracht wird, fühlt sich für mich nicht authentisch an. Das leuchtet ein, oder? Sie müssen eben nett sein, sonst schlürfen die Besucher in Zukunft beim Nachbarrestaurant ihren prickelnden Aperol Spritz. Italien ist eben viel Show. Meine Art, ein Land über die Natur zu entdecken, klar gab es auch hier landschaftlich schöne Punkte, funktioniert auf dem Land italienischen Stiefels leider nicht so recht, schließlich wurden- und werden wir tagtäglich damit konfrontiert. Erst sonntags oder zu speziellen Anlässen wird sich herausgeputzt und angegeben, an allen anderen Tagen ist Gammel und Schlabberhose angesagt. Ich könnte mich noch ewig darüber aufregen, aber das bringt ja auch nichts. Meine guten Vorurteile wurden einfach nicht erfüllt, auch wenn es wahnsinnig schöne Momente in den vergangenen Wochen gab.

Nach all dem Ärger geht es erstmal nach Eboli zu McDonalds. Es ist uns eine wahre Freude. Hier bekommen wir genau das, was wir uns vorstellen. Das erleben wir sonst nur bei Lidl ☺️ Genüsslich beißen wir in unsere Burger, stopfen uns die salzigen Pommes in den Mund und spüren, wie die Freude in unser Leben zurück kommt. Wir sind zum Scherzen aufgelegt, machen Quatsch und lachen bis uns der Bauch weh tut. Anschließend, in Salerno, bekommen wir erneut einen Dämpfer.

Es ist nicht möglich wie geplant, auf dem großen angesicherten Stellplatz zu parken, ein Auto zu mieten und die Gegend um die Amalfiküste zu erkunden. Leider ist der Platz geschlossen, wie uns ein grimmig drein schauender und unfreundlicher Mann erzählt. Wie es scheint, wird auch so schnell nicht mehr geöffnet. Unsere Pläne sind dahin, mal wieder war alles für die Katz. Weitere gesicherte Stellplätze sind in der näheren Umgebung nicht ausfindig zu machen und ohne Kameras und Tor, ist uns das zurücklassen unseres Wohnmobils einfach zu unsicher. Bisher hatten wir immer Glück, keiner hat sich an unser Zuhause herangewagt. Die schmalen und engen Straßen der Amalfiküste sind zum Befahren für Wohnmobile nur nachts gestattet, was uns auf die Idee mit einem Mietwagen brachte. Aber so, muss der Trip leider ausfallen.

Am Abend laufe ich mit Sunny am Strand entlang und beobachte einen atemberaubenden Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen fahren wir nach Trevignano Romano an einen großen See. Eigentlich hatte ich vor, diesen am Mittag zu umrunden, doch es gestalte sich als schwierig, weshalb ich mich für eine kurze Strecke am Wasser entscheide. Dabei darf ich einem Italiener mit heruntergelassener Hose, lautem angestrengten Stöhnen, über einem kleinen Wasserzulauf beobachten, der sich beim Kacken scheinbar ziemlich verausgaben muss. Mir fehlen die Worte – ich bin einfach nur sprachlos und sehr sehr angewidert. Mir reicht es. Wie oft muss ich denn noch miterleben, wie abstoßend und abartig hier alles ist? Wie oft noch? Ich brauche jetzt erstmal Zeit für mich – mit diesen leider etwas weniger tollen Zeilen endet mein heutiger Beitrag.

Täglich wird mir vor Augen geführt, dass ich zur falschen Zeit am falschen Ort bin. Ob sich das noch ändern wird? Wer weiß das schon?

Bis bald,

Eure Kati 😊

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