Sonne, Regen, Strand und Meer – „Strand-Hopping“ im Dello Zingaro Nature Reserve.

Dello Zingaro ist dort, wo im italienischen Hochsommer die Menschen übereinander, am Strand gestapelt- und ich im Winter, als Allwetter-Abenteurer, in der Salzluft, gegerbt werde. Wie der ausgemergelte Totenschädel damit in Verbindung steht, verrät Euch mein folgender Beitrag.

Wie durch Zufall kommen wir mit unserem doch recht breiten Wohnmobil über viele schmalverlaufende Serpentinen auf das Ende der Straße, dass auf dem Parkplatz des Dello Zingaro Naturreservates mündet. Was für eine rasante Fahrt ☺️ Es ist sauber und echt steil, doch der Platz ist, bis auf ein paar vereinzelte Autos, menschenleer. Wir stellen Miss Liberty, unser Wohnmobil, auf die Seite, wodurch wir beim Blick aus dem „Esszimmerfenster“, eine Aussicht aufs Meer erhalten. Tommy entdeckt natürlich sofort ein gigantischen Fisch (oder was auch immer), den er am liebsten angeln würde, und der sich, einen kurzen Augenblick später, auch meine Augen preisgibt. Was für ein wahnsinns Teil! 😄 Wir können unseren Augen kaum trauen – der muss ja wirklich riesengroß sein. Doch aus dieser Höhe, auf der wir uns gerade befinden, gibt es keine Möglichkeit um dieses Monster aus nächster Nähe zu begutachten. Direkt unter uns geht es geradewegs in die Tiefe. Hunderte Meter Richtung Meer.

Um kurz nach 12 werde ich von der Leine gelassen. Mit festgeschnürten Wanderschuhen spaziere ich aufgeregt zur Ticketstelle, wo ich eine Tageskarte erstehe und kurz darauf die steinernen Treppenstufen ins Tal hüpfe. Eine gelbe Regenjacke dient mir als Schutz vor Regen, der auch nicht lange auf sich warten lässt. Trotz des trüben und wolkenbedeckten Himmels ist es sehr mild und angenehm. Auf schmalen und sehr durchnässten Pfaden stapfe ich an einem kleinen Museum vorbei; positiv fallen mir überall die Abfallbehälter aus, die sogar in drei verschiedene Arten von Müll unterschieden werden; über wacklige Steine, die Treppe hinunter und an der linken Seite vorbei, und runter ans Meer. Hier erwartet mich eine unglaubliche Bucht mit klarem türkisfarbenen Wasser, dass mit leisem Rauschen an den Kieselstein-Strand gespült wird. Ist das nicht wundervoll? Ist das nicht der absolute Hammer? ☺️☺️ Und es ist um diese Jahreszeit – also im tiefsten italienischen Winter – menschenleer. Auf meiner ganzen Wanderung (ca. 14 Kilometer) treffe ich nur auf fünf Leute, zwei davon erst ganz zum Schluss, als ich den Parkplatz fast schon wieder erreicht habe.

Ich kann kaum meinen Fokus von diesem Prachtexemplar nehmen, es ist einfach zu schön, um wahr zu sein. Sogar ein paar Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die grauen Wolken, nach dem es wieder etwas geregnet hat. Ab und zu schaue ich zu den hohen Bergen, die sich auf der Rückseite befinden. Dann verabschiede ich mich von Cala Tonnarella dell‘Uzzo und springe die regennassen Sandsteintreppen nach oben, zurück auf den schmutzigen Wanderweg.

Bevor ich die nächste atemberaubend schöne Bucht entdecke, die wirklich nicht lange auf sich warten lässt, kehre ich erneut einer kleinen Museumsanlage den Rücken zu und stoße auf eine weitläufige große Grotta (Höhle), als ich den Berg hinauf steige. Diese Höhle ist eine der wichtigsten prähistorischen Stätten auf ganz Sizilien. Hier fand man Überreste von Löwen, Nashörnern und Mammuts und Spuren, die auf menschliche Wesen, vor mehr als 10.000 Jahre zurück führen lassen.

Anschließend bewege ich mich weiter über den schlammigen Untergrund fort, der mich, mit einigen penetranten Farbspritzern, schon bis an die Waden eingenommen hat. Ich werfe einen Blick zurück auf den ersten Ausläufer der, ins Meer ragenden Landzungen, und werde am Horizont mit einem kleinen Regenbogen belohnt. Was für ein schöner Zufall 😊

Nun kämpfe ich mich weiter durch die Palmwedel und den Dreck, den der Regen der vergangenen Tage hinterlassen- und aufgeweicht hat. Jetzt bin ich doch sehr froh, dass ich mich für die hohen Wanderstiefel entschieden habe. Nach etwa einer Stunde über kleine- und grobe Steine, ergattere ich ein weiteres Mal, eine unglaublich hübsche Aussicht auf ein hinreißendes Fleckchen Erde (Fleckchen Bucht 😊).

Dieser Traumplatz nennt sich „Cala Beretta“ und hat eine noch viiiiiel entzückendere Schwester, die den Namen „Cala della Disa“, die man nur ein paar Meter weiter zu Gesicht bekommt. Ich bin hin und weg, wirklich. So viele umwerfende Buchten hätte ich hier echt nicht erwartet. Was für ein Glück es ist, diese faszinierende Gegend entdeckt zu haben. Im Sommer möchte ich mir kein Bild davon machen, wieviel Trubel dort stattfindet. Doch jetzt, zu dieser Jahreszeit, ein wahrer Traumort.

Ich bin begeistert. Cala della Disa, von mehr als handflächengroßen Kakteenblättern umgeben, und meine absolute Lieblingsbucht in der Umgebung des Naturschutzgebiets.

Ich klettere auf der einen Seite über mehr oder weniger professionelle Stufen ans Meer und beobachte neugierig das Kommen und Gehen der Wellen. Leuchtendes klares Wasser in den schönsten grün- und blau Tönen die man sich vorstellen kann. Dann marschiere ich zurück auf den Weg und trete, nach dem ich an Punta Leone angelangt bin, meinen Rückweg an. (Was Punta Leone ist, habe ich leider nicht herausfinden können 😄 Es stand auf einem Schild, doch mir blieb dieses Ereignis bedauerlicher Weise verborgen ☺️.

Ich eile im Laufschritt durch den tröpfelnden Regen, über Gesteinsbrocken auf der Erde, und durch tiefe Schlammpfützen. Und das aus nur einem einfachen Grund, dem Grund meiner übergroßen Freude daran, durch diesen naturbelassenen Hindernisparkur zu rennen ☺️ Um mich die Weite und die malerische Kulisse des tyrrhenischen Meeres. Beinahe haut es mich um, doch im letzten Moment kann ich mich zum Glück noch fangen. Puuh ☺️ Doch auch so sehe ich aus, als hätte ich hüftabwärts in Schlamm gebadet ☺️

Jede Menge schwarze abgebrannte- und verkohlte Bäumchen und Palmen kreuzen meine Wege, während ich von Strand zu Strand hüpfe. Dies ist vermutlich den glühend heißen Sommern Siziliens geschuldet. Einige Tage später erfahre ich allerdings den wahren Grund, in Italien brennen sie in riesigen Höllenfeuern, die auch gerne mal auf das umliegende Gebüsch übergreifen, ihren Baumverschnitt. (Ganz ohne Rücksicht auf die Natur und die Tiere)

Dann treffe ich abermals auf die Grotta, die ich allerdings umgehe, um die idyllisch gelegene Bucht, die ich zuvor nur aus dem Berg erspäht hatte, ausfindig zu machen. Dafür stiefle ich linksherum (ja, einfach weil ichs kann 😄) durch einen „Kreisverkehr“ und nehme die nächste Ausfahrt, um kurz darauf die märchenhafte Bucht zu erkunden. Gerade als ich ein Foto schießen möchte, treten zwei nackte Gestalten aus dem Meerwasser ☺️ Das kann aber auch nur mir passieren. Nun aber schnell weg hier 😄

Keine zwei Sekunden später, als sich die Zwei in Adams- und Evakostüm anziehen wollen, kommen zwei weitere Spaziergänger (ich glaube es waren Deutsche, sie hatten Schwierigkeiten mit dem Betonen von Ciao – man hört es einfach sofort 😊) vorbei. Hihi ☺️ Die wohl einzigen Menschen im Naturreservat treffen gerade dann aufeinander, als sich zwei Nackte am Strand tummeln ☺️☺️☺️ (ich denke Lottospielen wäre langsam wirklich eine Option ☺️)

Dann hab ich es fast geschafft, denn mittlerweile hängt mein leerer brummender Magen am Boden. Ich habe einen riesen Hunger. Mannoman ☺️ (oke, wann hab ich das mal nicht.. ☺️) Auf meinen letzten Metern, die über hunderte Treppenstufen gen Himmel führen, grüße ich einen alten Mann mit Krücke, an dem ich vorüber gehe, warte taktvoll bis er außer Sichtweite ist und springe entspannt die letzten Stiegen nach oben. Ich sehe zu Boden und schaue direkt auf einen hässlichen Totenschädel. Hm, was hat das nun wieder zu bedeuten. Vor meinen Füßen am Boden, die Fratze des Todes. Als müsste ich es auch noch herausfordern, trample ich darüber hinweg. Mal sehen was mich in der nächstem Zeit noch so erwartet ☺️ Ich bin auf alles gefasst.

Ein letztes Augenzwinkern zur darunter liegenden ruhenden Bucht am Horizont, dann verschwinde ich schlammverspritzt im Wohnmobil. Es gibt Pasta. Genau genommen Spaghetti, Pesto und viel viel Parmesan 😊😊

Ciao und bis bald,

Eure Kati 😊😊

Ps: Am nächsten Morgen gibts ein lachendes Gesicht in meiner Brotscheibe ☺️ Die fiese Fratze scheint damit wohl ausgeglichen. Puuuh, nochmal Glück gehabt ☺️

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