Das Tal der Tempel.

Eine Reise ins letzte Jahrtausend und wohin mich die schneeweißen Treppen der Türken brachten.

Pistazie, Maroni oder Nutella, das ist hier die Frage. Ich sitze ratlos und unbeholfen vor meinem Teller, auf dem sich natürlich schon eine Scheibe des frisch herunter geschnittenen Brotes aus der italienischen Paneficio um die Ecke, befindet.

Hier zu gibt es einen kleinen Hinweis. Paneficio bedeutet Bäckerei. Panetteria bedeutet auch Bäckerei, (zumindest sagt uns das google) aber es gibt da einen kleinen Unterschied. Paneficio ist die Bäckerei, in der das Brot selbst von Hand hergestellt wird. In der Panetteria dagegen, wird dieses Brot ausschließlich verkauft. Und dann gibt es noch die Pasticceria, die Konditorei, in der die süßesten und klebrigstem Gebäcke und Kuchen in der Auslage stehen ☺️

Oft kann man auch einfach beim Metzger ein Brot mitnehmen ☺️ Wie schon sooft in Italien lernen wir: wo Italien drauf steht, muss noch lange kein Italien drin sein. Ein, mit Werbeplakaten versehenes Geschäft, dass von außen renoviert und gepflegt erscheint, kann für immer geschlossen sein. Das selbe Spiel funktioniert natürlich auch andersrum. Man weiß eben nie was man bekommt. Das geht hier permanent so. Außen hui innen pfui oder außen Pfui innen hui -oder so 😊

Aber jetzt zurück zu meinem Aufstrich-Problem. Hm. Ich entscheide mich einfach für eine Scheibe Brot, bestrichen in der obig genannten Reihenfolge ☺️ Die zuckersüße Maronenmasse ist leider nicht zu empfehlen. Brr. Kaum Eigengeschmack und purer Zucker. Pistaccio finde ich garnicht soo schlecht. Sie erinnert mich an das leckere Pistazien-Eis aus der Eisdiele. Augenblicklich sehe ich mich, wie ich -in jungen Jahren ☺️- ungeduldig vor dem geöffneten Fenster der Eisdiele darauf warte endlich mit meiner Bestellung an der Reihe zu sein ☺️ Danach landet ein großer Haufen Nutella auf dem Brot, denn Nutella geht immer. Egal wo, selbst in Italien ☺️ So viel dazu 😊

Wie gesagt, unser Tag fängt heute relativ entspannt an. Gemütlich Kaffee trinken, frühstücken, und anschließend nach Agrigento tingeln, wo wir gegen Mittag die bekannte archäologische Stätte erkunden. Zuerst suchen wir einen geeigneten Parkplatz, danach geht es zu einem Kontrolleur, der mich durch einen Durchgang leitet. Ähnlich wie am Flughafen, nur ohne Passkontrolle und ohne durchleuchten der mitgebrachten Gegenstände, aber mit Schale für Handy etc. ☺️. Ich darf erfreulicherweise, eintreten ☺️ Anschließend kaufe ich ein Ticket und schlendere über die Weite des archäologischen Anwesens.

Hier gibt es viele alte- und teilweise gut erhaltene griechische Tempel. Alles glänzt in einem sandigen Gelbton. Die Sonne lacht und versüßt mir den Weg durch die antike Zeit. Leider sind die Info Tafeln sehr ausgeblichen und ich kann auf ihnen kaum etwas englisches Erkennen, schade. Deshalb informiere ich mich im Nachhinein selbst über Valle dei Templi.

Valle dei Templi, bezeichnet man das Ganze Anwesen. Das Tal der Tempel – Hört sich irgendwie schön an 😊 Agrigento ist eine der bedeutendsten griechischen Tempel der damaligen Zeit. Hauptbestandteil der Tempel ist Kalkstein, der zum Ende der Bauarbeiten mit einer Schicht Stuck überzogen wurde, sodass sie dieses marmorartige Aussehen erhielten. 1997 wurde das archäologische Gebiet auf die „World Heritage List“ gesetzt und gehörte somit zum geschützten Weltkulturerbe. Diese griechischen Kunstwerke erzählen von einer über tausendjährigen Geschichte, die im 6. Jahrhundert vor Christi Geburt mit der Gründung der antiken griechischen Siedlung Akragas (heute Agrigento) beginnt. Diese Stadt hatte im 5. Jahrhundert vor Christus ihre „Sturmzeit“. Zwei Jahrhunderte nach dem die Stadt von Karthagern während der Schlacht bei Himara besiegt wurden, wurde sie von den Römer erobert.

Ich schaue mir die verschiedenen Überreste der Tempel an, die aber durch Zäune und Kameras vor neugierigen Menschen wie mich geschützt sind 😊 Trotz allem bekomme ich eine kleine Kostprobe der italienischen Geschichte. Eine Zeitreise in das griechische Italien. Irgendwann reicht es mir dann mit den alten „Kamellen“ aus den vergangenen Jahrtausenden und ich mache mich auf den Weg, zurück in die heutige- gegenwärtige Zeit, mit der ich doch einiges mehr anzufangen weiß, als mit der Vergangenheit.

Ob ich im Nachhinein die vergangen Stunden hier für ein paar schöne Fotos verbracht hätte weiß ich nicht, es ist wahnsinnig spannend und wirklich bemerkenswert, aber mich hat diese Touristen Attraktion leider nur wenig gerührt.

Was ich so vermisst habe, war das großartige Gefühl das mich spüren lässt, wie sich die Leute dort wirklich gefühlt haben müssen, wie es zu dieser Zeit wirklich war, und nichts Arrangiertes, sondern eben etwas Echtes. Doch das kommt bei mir leider nicht an. (Auch wenn mir klar ist, dass die Dinge die es hier zu bestaunen gibt aus dieser alten Zeit sind 😊 und an diesem Ort standen.)

Ich bin allerdings auch wirklich nicht der Massstab was Kulturelles und Geschichtliches angeht. Ich springe dann doch lieber in der freien Wildbahn umher und suche nach meinen eigenen Abenteuern. Ich bin eben ein kleiner Kulturbanause 😊😊 Aber mein Blog dient ja auch nicht als Grundlage für wissbegierig Museumsgänger ☺️ Mit diesen Gedanken verlasse ich das Tal der Tempel. Das Tal, das auf einer Kuppe liegt.

Am späten Nachmittag starten wir ungewollt eine Erkundungstour durch den Küstenort Realmonte. Doch arg weit kommen wir nicht, denn das Wohnmobil ist einfach zu lang. Da biegt man einmal falsch ab, schon ist man im italienischen Straßennetz gefangen und wird nur ungern wieder freigegeben. Endlich finden wir einen geeigneten Parkplatz, in Mitten einer wahnsinnig breiten Kurve, und können die Aussicht auf die Scala dei Turchi, die „Treppe der Türken“ genießen. Die weißen, aus Mergel bestehenden Felsen, die auf das Meer hinausragen, leuchten in einem wohligen Abendrot. Es ist bezaubernd.

Nun dauert es keine 10 Minuten und ich stehe mit beiden Schuhen im feuchten Sand am Meer. Natürlich kann ich nicht einfach nur hier stehen und nach unten blicken -völlig unmöglich bei einem Menschen wie mir ☺️

Wie die türkischen Eroberer einst, einer Legende zufolge, über diese von den Gezeiten bearbeiteten Felsformation nach Sizilien kamen, trete auch ich auf diesen bleichweißen Stufen nach oben. Dies scheint am heutigen Tag, mein perfekter Moment zu sein, mein heutiger Lieblingsmoment.

Eigentlich schon während ich den Strand überquere, um die weißen Klippen noch vor Sonnenuntergang zu erreichen. Ein wunderbares Geschenk. Es ist unschlagbar und kaum nachvollziehbar wie ich mich entspannen kann, während die letzten leuchtenden Sonnenstrahlen des Tages zwischen kleinen Menschengrüppchen auf der weißen Schönheit und einer schmalen Wolkenwand verabschiedet und langsam untergeht. Ein letztes Mal blitzt der orange Feuerball auf und verschwindet hinter dem abgerundeten Fels, dessen Hülle in den vergangenen Sekunden, in ein Bad voller Blautöne eingetaucht ist.

Schnell springe ich über den Strand, an den nach Hause spazierenden Sonnenuntergangs-Beobachter vorbei und den Hügel hinauf, zu unserem Zuhause 😊

Tommy hat in der Zwischenzeit ein nettes Plätzchen für die Nacht gefunden, gleich im Nebenort. In Punta Grande. Anschließend koche ich uns ein paar frische Pasta mit Champignons in irischer Whiskeysoße ☺️ (Ein Wein zum Ablöschen war nicht zur Hand) Der Whiskey ist von Bushmills und durfte viele Jahre im Fass reifen.

Naja, wie gesagt, dass Essen ist gleich bereit, gegessen zu werden. Und ich habe einen Bärenhunger.. ☺️☺️

Ciao und bis bald,

Eure Kati 😊

Ps: Sunny, unser alter Dackel (eigentlich Bernersennen-Border Collie-Schäferhundmix) muss heute Nacht bestimmt tausendmal vor die Türe, um ihren grummelnden Magen Gehör zu verschaffen, aber das weiß ich in diesem Moment zum Glück noch nicht. Da wäre der Abend bestimmt versaut gewesen, denn die Freude auf eine ruhige und erholsame Nacht ist gerade wirklich groß ☺️.

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