Ein heißes Date mit Etna 😊

Wie mich das stürmische Verhältnis mit Etna auf 2.600 Meter fast umhaut.

Was für eine unmenschliche Zeit! Es ist 3.20 Uhr und Tommy hat seit gefühlten Stunden das grelle Licht angeschaltet, um wie angestochen durch das „Schlafzimmer“ unseres Wohnmobils zu jagen. Ja, er wurde wirklich gestochen und noch dazu von einer kleinen, ganz ganz fiesen italienischen Stechmücke. Und vermutlich wissen das auch mittlerweile alle, um uns herum stehenden Wohnmobile. Ihr fragt euch, wieso das jetzt so wichtig ist? Na, dass ist der Beginn meines Tages. Wer kann schon nachts stundenlang in die warme Zudecke eingekuschelt, darauf warten, dass das Theater von der anderen (grell erleuchteten) Bettseite endlich wieder aufhört? Niemand. Eben. Also stehe ich an diesem heutigen, wunderschönen Morgen um 3.20 Uhr auf. Für heute habe ich mir vorgenommen auf dem Mount Ever.. -äh- auf Etna, dem Vulkan, herum zu klettern. Ich bin schon ganz durcheinander wegen der viel zu frühen Uhrzeit, wer kann mir das schon krumm nehmen. Ich koche (es ist immer noch seeeeehr früh – vielleicht 3.40 Uhr) unsere Brote für den Tag und schmiere Kaffee. Äh nein – andersrum. Ihr könnt euch sicher vorstellen, zu was das noch führen kann.. Ja, schon klar, schlimmstenfalls zu Etna ☺️

Die Mittagsration ist gerichtet und kann nun im Rucksack verstaut werden. Es gibt Brote mit gekochtem Ei und Remoulade, Salami, Käse oder mit Nutella. Ich hocke mich auf den gedrehten Beifahrersitz, lehne mich zurück und trinke einen kräftigen Schluck aus meiner Kaffeetasse. Dann fängt auch schon mein Magen an zu grummeln und plötzlich verspüre ich einen wahnsinnigen Drang, mein Hinterteil augenblicklich – und zwar, sehr sehr sehr schnell, aufs Töpfchen zu bewegen.

….

Puuuh, dass wäre geschafft. Was das wohl war..? Der Zorn des Etna? ☺️☺️ Ich möchte da aber doch heute hin! Und ich beschließe, dass werde ich auch. Egal was kommt – mit solchen Spielchen und Gemeinheiten wird mich Etna nicht los werden! Von mir aus packe ich drei Rollen Toilettenpapier mit in den Rucksack! Punkt. Schluss. Aus. Ende. Oder basta ☺️- wie der Italiener so gerne sagt (oder herum brüllt ☺️) ☺️☺️

Schon gestern haben wir versucht bei Etna anzuklopfen, doch das Wetter auf dem Gipfel war angeblich zu schlecht, um eine geführte Excursion starten zu können. (Vielleicht war es auch einfach der irre südländische Arbeitstrieb, der die Wetterverhältnisse auf so schwerwiegende Weise beeinträchtigt hat ☺️😄 Wir wären also ein Weiteres mal vor Ort. Los gehts mit Versuch Numero Due.

Während wir gemeinsam in unserem Fiat Panda den Berg hinauf rasen, stellen wir sofort fest, dass es am heutigen Tag glücklicherweise etwas milder ist. Tags zuvor war ich alleine vom Aussteigen schon halb erfroren ☺️ Ich schlüpfe in meine Winterjacke, ziehe mir die Wintermütze über den Kopf und laufe zur Anmeldung. Mist. Wieder nichts. Der nette Mann von der Excursionstruppe erklärt mir, dass es leider nicht möglich sei. Das Wetter würde nicht mitspielen und es sei viel zu viel Schnee auf dem Berg, in der Nähe des Kraters. Hm, na gut.

An der obersten erreichbaren Stelle sei es zu gefährlich, denn die Kälte des Schnees und die Hitze des Vulkans würden zu Explosionen führen. Dabei könnte man eben auch verletzt werden. Doch so schnell wird er mich nicht los. Ich frage nach einer weiteren Erkundungstour durch die weiße Landschaft, doch leider gab es hierfür zu wenige Interessenten. Naja, woher soll er es auch wissen? Ich bin schließlich verabredet. Etna und ich -wir haben ein Date! Leider trotzdem nichts zu machen. Schade.

Ich spaziere an der Ticketausgabe für die Seilbahn vorbei und finde sofort den schwarzen plattgetrampelten Weg nach Oben, den mir der Mann vom Exkursions-Team beschrieben hat. Wie gesagt, Etna wird mich noch kennenlernen. Schließlich kennen wir uns bisher nur aus einiger Entfernung und das werden wir heute ändern. Jetzt. Sofort. Das „Cable-Car“ zu nehmen erscheint mir zu langweilig, deshalb stapfe ich zu Anfang, über grobes Geröll und feinen schwarzen Vulkan-Dreck. Die Umgebung schaut sehr mystisch aus. Eben mal was ganz anderes, als ich es sonst schon so erlebt habe. Über mir schweben ein paar Lauf-Faule- oder Fuß-Lahme hinweg, während ich, zusammen mit meinem olivgrün geschulterten Rucksack, über den aufgeweichten und zum Teil schneebedeckten Weg laufe.

Ein kräftiger Wind kühlt mein Gesicht und meine Hände. Doch je weiter ich komme, desto wärmer wird mir vom Laufen. Einmal führt die Straße nach links, dann wieder nach rechts und so weiter und so fort. Serpentinen wie aus dem Bilderbuch. Hübsche, dunkle und meist stark gezuckerte Serpentinen. Eine Pracht, wie aus einem Schwarz-Weiß-Film, aus dem ab und an mal ein türkiser- und roter Farbtupfer der Seilbahn, heraussticht. Irgendwann bricht der Himmel auf und es zeigt sich ein strahlendes freundliches Blau. Ein tiefes blau in einer großartigen Mondlandschaft. (Das mit der Mondlandschaft ist lediglich eine Vermutung – ganz so weit oben war ich bisher noch nicht 😄😄)

Vom Besucherparkplatz konnte man Etna leider nicht erkennen, zu wolkenverhangen war der Gipfel. Deshalb freue ich mich um so mehr, als ich endlich die Sonne auf der Haut spüren- und genießen kann. Gut gelaunt lasse ich die dicke weiße Wolkendecke, die sooo kuschelig weich aussieht, ab einer gewissen Höhenmeterzahl zurück. Nach einer Stunde bin ich an der Stelle, an der auch die Seilbahn endet.

Mir ist warm und ich schwitze. Der Blick ins Tal bleibt uns leider verwehrt, aber das ist nicht schlimm, denn ich bin nur wegen Etna hier. Meinem weißverpackten Etna mit gräulichem Ausstoß. In einer Hütte, direkt neben der Bahn, kann man sich einen Sitzplatz in einem der „Snowcats“ ergattern. Doch auch hier passe ich. Lieber erkunde ich die Gegend einwenig zu Fuß und erfreue mich an den freien- und uneingeschränkten Fortbewegungsmöglichkeiten 😊.

Liebevoll steigen von Etna ein paar Rauchzeichen in den Himmel. An den oberen Stellen, dort wo es am Wärmsten ist, bleibt auch der Schnee nicht liegen. Es ist erstaunlich, wie glatt und unberührt die zwei „Berge“ nebeneinander liegen. Zwischen ihnen hindurch schlängelt sich ein Weg, mit der Hoffnung auf eine bessere Sicht auf den rauchenden Etna. Ich steige zu allererst auf der anderen Seite hinauf, dort schätze ich, erhält man einen schönen Blick auf das Tal dahinter, doch Fehlanzeige. (Eventuell die Gegend wo ich gestern hoch gekraxelt bin.) Alles weiß und undurchsichtig. Keine Chance durch den dichten Nebel zu sehen. Zudem ist der Wind so stark, dass meine Mütze kaum auf dem Kopf sitzen bleibt. Fast ein wenig beängstigend. Während die Sonne auf die Eisfläche rechts von mir brennt, und diese zunehmend glatter werden lässt, klettere ich auf der anderen Seite wieder vorsichtig herunter. Der Abstieg ist anstrengender als der Aufstieg. Zu stürmisch ist der Wind.

Anschließend stehe ich mit beiden Schuhen wieder fest im Schnee. Herrlich 😊 Ich verschnaufe etwas durch und Ruhe kehrt ein. Der vor mir liegende samtene Weg führt mich zwischen den Bergen hindurch und meterweit auf der anderen Seite herum, und auf eine erneute, ewig- und nicht enden wollende Strecke. Ich werde so langsam müde und verliere die Lust mich weiter zu schleppen. Dann fällt mir schlagartig wieder ein, dass ich sowieso nicht näher an Etna herankommen werde und trete den Rückweg an. Ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung und freue mich unglaublich, diesen verschneiten Vulkan kennengelernt haben zu dürfen. Ich bin sehr sehr dankbar dafür 😊

Auf dem Heimweg entdecke ich einen jungen Mann mit seiner Freundin -bestückt mit Schlabberhose, Selfie-Stick und Rapper-Schuhen (oder was auch immer das fr Schuhe sind 😄) mit glatter Sohle. Im Hintergrund scheint die Sonne auf eine Fläche Schnee am Boden, die mittlerweile zu Eis geworden ist und leicht nach unten führt. Nun stellt sich dieser Typ auf genau diese Fläche. Er geht Stück für Stück nach hinten, so dass seine Freundin das perfekte Foto von ihm schießen kann. Irgendwann möchte er zurück auf den Weg, doch er rutscht einfach, ohne sein Zutun, zurück. Wie Micheal Jackson im Moonwalk. Das hatte ich schon vorher gesehen. Man sieht ihm sein Unwohlsein an, während er immer weiter zurück schlittert, doch seine Freundin bemerkt es erst garnicht. Stück für Stück rutscht er nach unten. Wie kann man nur so unvorsichtig sein – so etwas kann ganz schnell, ganz schön übel enden. Naja, nach dem er seine Lektion -natürlich nicht- gelernt hat und erneut festen Boden unter den Füßen hat, schießen sie die nächsten waghalsigen Fotos.

Gegen Mittag erreiche ich meinen Ausgangspunkt, weshalb ich -müde und glücklich- ein letztes Mal meine ganze Kraft und Energie zusammen nehme, um die Krater zu erkunden. Dann setzte meinen Rucksack ab und öffne zuallererst eine kalte Dose Fanta. Der erste Schluck rinnt mir über Hand und Jacke -der Wind ist selbst hier unten viel stärker als ich erwartet hatte, doch der zweite Schluck sitzt und läuft mir erfrischend in den Mund. Was für eine Wohltat.

Aus einiger Höhe schau ich über die Krater-Landschaft hinweg und bewundere die gigantischen Ausmaße, die diese übergroßen Löcher haben. Alles glänzt in einem rötlich-schwarzen Ton. Nur ab und zu entdecke ich am Rand ein paar Büschel grüner Pflänzchen, die sich durch das massive Gestein- und Geröll, nach oben gekämpft haben. Die Sonne erleuchtet den einst vor Lava triefenden, finsteren Trichter, für den nun so viele Menschen kommen, um ihn besuchen zu können.

Nur von Weitem erkennt man, wie imposant und mächtig dieses gewaltige Vertiefung ist. Wirklich außergewöhnlich. Die erdige Farbgestaltung, die natürlich nur von der Natur so wunderbar ausgewählt- und gestaltet werden konnte, passt großartig zu Etna- und seinem Einzugsgebiet. Ehemals flüssiges Gestein; man kann es sich kaum vorstellen, wie das gewesen sein mag; rannte hier vor langer Zeit heraus. Irre. Ein Krater ist von 1991, dass kann ich mir natürlich merken, schließlich ist das mein Geburtsjahr ☺️

Jetzt mal noch einige wissenswerte Dinge über Etna. Er entstand vor mehr als 600.000 Jahren an der Ostküste Siziliens, wo bereits Millionen Jahre zuvor unterseeische Aktivitäten festgestellt werden konnten. Die Höhe des Vulkans kann man nicht genau bestimmen, denn je nach Aktivität, schwankt sie so um die 3200 Meter. Mal mehr, mal weniger. So ein Vulkan hat auch seine Vorteile, denn die Landwirtschaft kann durchaus davon profitieren. Durch die verwitterte Lava hat die Gegend um Etna, einen bemerkenswert ausgeglichenen ph-Wert, der sich sehr fruchtbar zeigt. Unterhalb, auf ca. 1.500 Metern wachsen Orangen-, Zitronen-, Pistazien-, Feigen- und Olivenbäume, und ja, sogar Ess-Kastanienbäume ☺️ Die habe ich tagszuvor sogar gesammelt. In jeder stacheligen Igel-Kastanie sind im Inneren so um die drei Kastanien versteckt. Die hab ich dann anschließend am Abend mit einem scharfen Messer überkreuz eingeritzt und im Ofen gebacken. Das war wirklich ein schönes Erlebnis und lecker noch dazu ☺️

Zurück zu Etna. 2013 wurde er auf die Liste des Weltnaturerbes gesetzt. Etna ist- und bleibt der höchste aktive Vulkan Europas. Ja, Etna ist noch aktiv und kann beinahe zu jeder Zeit erneut ausbrechen. Etna ist vermutlich das einzig Aktive überhaupt in Italien 😄☺️☺️ So viel dazu ☺️

Ich ziehe meine Mütze etwas tiefer ins Gesicht und wage mich an den höchsten Krater, den ich in der humaneren- schneelosen- Umgebung finde. Es sieht aus, als spiele ein Kind mit seinen Legomännchen im roten Sand, in dem es die vielen kleinen „Lego“-Männchen über einen Abgrund laufen lässt, immer in der Hoffnung, das sie nicht hinein purzeln. Naja, so schlimm ist es nicht, wenn man davor steht. Zwar ungeheuer groß, aber man hat überhaupt kein schlechtes- oder gar mulmiges Gefühl beim Aufstieg. Nur der Wind weht vielleicht ein bisschen zu kräftig, doch diese unsichtbare Kraft verschwindet, als ich mit beiden Beinen, wieder fest auf dem Boden stehe 😊.

Zum Schluss, ein allerletztes Foto 😊 Dann sage ich Etna, nach unserem zweiten Date adieu. Zu tief ist der Krater, der zwischen uns liegt. Zu kalt ist die Hitze, die du heute leider vor mir verborgen gehalten hast. Etna? Trotz dieser Tatsache, habe ich jede Sekunde mit dir genossen und noch immer erfreue ich mich an unserem Aufeinandertreffen. Ich bin sehr froh, dich kennengelernt zu haben. Doch jetzt ist es an der Zeit zu gehen. Arrivederci!

Ciao und bis bald,

Eure Kati 😊😊

Ps: Heute Abend gibts Lasagne ☺️☺️

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