Etna, lets meet again.

am

Etna, eine weiße Languste und ich.

Prächtiger Sonnenschein erhellt den Gipfel, während wir, gemeinsam mit den bitter bitter kalten Temperaturen, die Serpentinenstraße, in unserem kleinen silbrigen Fiat Panda in die Höhe fahren. Je näher wir an den Bereich direkt unterhalb des Etna fahren, umso trüber und dichter wir der Wolkenschleier und das Grau des Himmels. Es hat nur noch drei Grad und ganz oben angekommen, fängt es sogar an zu schneien. Brrrr. Und das im metertiefer liegenden deutschen „Hochsommer“ ☺️ Wahnsinn.. Die eisige Brise, die mich beim Aussteigen erwartet, versetzt mich nicht gerade in Ekstase.

Einwenig enttäuscht bin ich schon, als mir dann auch noch der, in Winterjacke, Schal und Handschuh gepackte Mann erklärt, dass wir nicht auf die oberste Ebene zu Etna können. Damit ist die Excursion abgesagt und findet leider nicht statt. Schade. Aber es ist auch echt ungemütlich hier oben. Brrr.. Der kalte Wind weht mir schlagartig die Lust auf Etna aus den Gliedern. Tommy meint daraufhin im Auto, dass wir am morgigen Tag einen erneuten Versuch starten werden.

Jetzt beginne ich, einwenig entmutigt eine kleine Wanderung, einige Höhenmeter unterhalb des Etna-Besucher-Plateaus. Die Laubbäume leuchten mir unendlich fröhlich- und in den buntesten und hübschesten Farben entgegen. Also wer da keine gute Laune bekommt, dem kann man wirklich nicht mehr helfen 😊 Das ist der absolute Wahnsinn ☺️ Was für eine Farbenpracht.

Ein weißes Schild am Straßenrand macht mich auf einen Wanderweg aufmerksam. Wohin es geht, weiß ich nicht. Noch immer ist die italienische Sprache weit entfernt davon, meine Muttersprache zu sein -und zu werden. Ich ziehe meine festen Stiefel an und laufe los.

Ein schmaler sandiger Pfad bringt mich an einem zerfallenen Bau vorbei, in den Wald hinein. Ich kann meine Augen nicht von den leuchtenden Bäumen wenden, so wunderschön sind sie. Danach verläuft die Strecke auf einem holprigen Weg nach oben. Ein kleines, halb eingestürztes Brücklein ebnet mir den Weg über eine schmale Schneise. Ich steige über knorrige alte Wurzeln und feuchte Erde; trete auf, in das Erdreich eingelassene Stufen und zwischen Bäumen hindurch. Permanent gewinne ich an Höhe. Nach einiger Zeit erreiche ich eine Lichtung – im Hintergrund die atemberaubende- und malerische Aussicht auf den Wald und die Welt darunter. Dann kämpfe ich mich mühsam weiter durch das Dickicht und schaufle mich durch Meter hohe Erdfurchen hindurch.

Jeder Schritt ist anstrengend. Anschließend wird es immer schlimmer. Der Boden gibt beim leichtesten Auftreten unter meinen Füßen nach und irgendwann ist es so steil, dass ich kaum mehr vorwärts komme. Nach dem Motto, ein Schritt vor und zwei zurück. Es kommt mir vor, als würde ich durch tiefen, sehr feinen Sand laufen. Oder gleich durch Treibsand. Fast wollte ich aufgeben – denn noch immer weiß ich nicht, was mich am Ende der Strecke erwartet – oder ob mich überhaupt etwas erwartet. Ich blicke in die Höhe und sehe nichts. Ich stelle fest, dass ich das folgende Stück der Strecke nicht überblicken kann..

…ich bin wie erschlagen. Ehrlich. Ich bin sprachlos. Total sprachlos. Sicher hätte man in diesem Moment von weitem das glitzern einer Träne in meinen Augenwinkeln erkennen können. Ich bin verzaubert. Mannoman, jetzt hats mich echt erwischt und so richtig umgehauen. Aber so was von positiv ☺️☺️

Ich stehe da, als hätte man mich im Boden verankert. Ich stehe da und glotze. Es vergehen ein paar Minuten, bis ich mich wieder gefasst habe. Da komme ich diesen wirklich besch…. Weg nach oben, fange schon an etwas ärgerlich- und ja, auch ein wenig sauer zu werden, und dann haut mich dieser affengeile Ausblick total um. Der absolute- und ultimative Checkpott nach so eine Kacktour durch die Erdwand 😄 Irre. Ich bin sooo erfüllt mit Freude, dass kann man sich nicht vorstellen. Strahlend über alle Backen die ich habe, erkunde ich die Gegend. Zwei Sekunden zuvor habe ich noch geschimpft und jetzt – ☺️☺️ kann ich meinen Augen kaum trauen. (Das ist wie ein besch.. Tag, der mit einem riesengroßen Betthupferl endet ☺️.)

Was ich zuerst entdecke ist Etna. Der fröhlich qualmende Etna, auf der gegenüberliegenden Seite. Von der Sonne hell erleuchtet, winkt Etna- und eine wolkengewordene Languste, zu mir herüber. Ja, Etna, morgen werden wir uns ganz sicher wieder sehen 😊 Es ist bezaubernd hier.

Ich genieße die entspannte Atmosphäre in vollen Zügen und sauge diesen wundervollen Moment tief in mich auf. Meine Sinne sind geschärft und ich bin glücklich. Ich achte aufmerksam auf meine Umgebung, doch ich höre nichts. Ich höre garnichts. Null. Als wäre ich vom Rest der Welt komplett abgeschnitten. Als wäre das laute Italien nicht auf dieser Erde. Es ist still, mucksmäuschenstill 😊

Auf dem Rückweg hüpfe ich beschwingt in die Tiefe – schließlich kenne ich ja jetzt den Weg. Was mir auffällt ist, ich fühle mich, als hätte ich frisch getankt. Als wäre mein Innerstes randgefüllt mit Berg – als hätte er mir einen Teil seiner unbändigen- und unvorstellbaren Kraft abgegeben. Ich fühle mich wunderbar. Und erneut lerne ich etwas über mich selbst. Ich brauche die Berge noch mehr als die Küste und das Meer. Ich liebe die Berge wirklich -ihre Kraft tut mir unglaublich gut.

Bei Tommy und unserem verrückten Hund angekommen, springe ich ins Auto, wir essen gemeinsam unsere „Brotzeit“ und fahren ohne weitere Zwischenfälle (Metertiefe Schlaglöcher sind wirklich nicht mehr nennenswert.) nach Hause, wo Miss Liberty (unser Wohnmobil) schon auf uns wartet.

Während den letzten Strahlen der untergehenden Sonne, stutze ich Tommys Haarpracht und trinke mit ihm, im Anschluss eine Tasse heißen Kaffee. (In diesem Moment bin ich vermutlich die einzige Person in Italien, die so richtig arbeitet. 😄😄)

Für unser Abendessen backe ich ein saftiges Kartoffelbrot aus italienischem Weizenmehl und deutschen Kartoffeln. Also eigentlich das Multiculti-Brot schlecht hin ☺️ Es wird richtig lecker 😊

Ciao und bis bald,

Eure Kati 😊😊

Ps: Zum heutigen 20.15 Uhr Film gibt es das erste Mal Chips aus Italien ☺️

PPs: Morgen gehts nochmal zum Etna, juhuu 😊😊

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