Ciao Matera, ich hab mich in dich verguckt 😊

Ciao Matera, ich hab mich in dich verguckt 😊

An einem sonnigen Mittag verlassen wir Apulien und reisen, über holprige Straßen weiter in die südliche Region Basilikata, genau dort hin, wo es angeblich die Kulturhauptstadt Europas zu erkunden gibt. Matera. Sassi di Matera. Mit Sassi sind übersetzt, die in Fels eigeschlagenen Höhlenwohnungen gemeint, die bis in die 1960er sogar noch bewohnt waren. Irre, oder? Ich habe schon jetzt das Gefühl, eine Zeitreise zu machen.

Vor der Abfahrt am Morgen, genieße ich bei einem Spaziergang, die wunderbar warmen Strahlen meiner allzeit geliebten Sonne. Ich sauge sie regelrecht in mir auf, während ich barfuß durch den Sand laufe und ab und an mal eine kühle Dusche Salzwasser abbekomme. Anschließend kehre ich zu unserem Zuhause zurück und richte das Frühstück.

Kurz darauf bemerke ich einen riesigen Berg in der Mitte meines Schienbeins. Mannoman, hier hat aber wirklich eine richtig fiese Mücke zugeschlagen, oder, naja, eben zugesaugt ☺️. Als erhebe sich der Mount Everest, mit seinen 8848 Metern genau auf Südafrika. Südafrika, auf der Weltkarte oberhalb meines Beines. Ich kann dich schon verstehen, liebe Mücke, wer kann man mir schon widerstehen? 😄

Und falls die Frage aufkommen sollte, ja, da – nach Afrika- möchte ich natürlich auch noch hin. Irgendwann.. 😊 Zu den wilden Tieren. Zu den, in sich ruhenden Elefanten, den brüllenden Löwen, den flinken Zebras, den riesigen Giraffen, und und und.. Ich wünschte, ich wäre schon da. Mit den Füßen, fest auf dem rotbraunen Sand stehend, in mitten dieser königlichen Landschaft. Ohne Müll und ohne diese tägliche Hektik. Mit viel Ruhe und dem Gefühl- und der Achtsamkeit den Lebewesen- und der Natur gegenüber. Als ich daran denke, füllt sich mein Körper innerlich mit einer unbeschreiblichen Ruhe. Ich glaube, was mir an diesem Land- an Italien-, so fehlt, ist die Ruhe. Die Ruhe- und das Bewusstsein für die Natur, welche wir Menschen, ihr wirklich schuldig sind. Täglich trampeln wir auf ihr herum und nutzen sie, als gäbe es noch eine weitere, auf der wir bisher, so unbeschwert leben können. Wir sollten ihr, Muttererde, Respekt zollen und uns so verhalten, als sei sie das Größte, denn das ist sie.

Erneut braut sich eine kleinere düstere Gewitterwolke über uns zusammen. Genau genommen über mir. Gefühlt. Immer wieder spüre ich, dass ich einfach nicht hier gehöre. Zumindest nicht in den östlich gelegenen Teil des Landes. Noch immer habe ich das Gefühl, nicht angekommen zu sein. Es ist so schwer für mich zu begreifen, wie dieser laute, schroffe- und vermüllte Stiefel funktioniert. Ich finde mich nicht ein – ich werde kein Teil davon. (Eigentlich muss ich das ja auch nicht. Aber ich möchte, denn das ist Teil unserer Reise.) Bisher konnte ich mich jedes Mal in das Land einfinden -ein Schlupfloch finden, in das ich hindurch klettern- und hinein schlüpfen konnte. Aber hier, hier ist alles anders und es ist so wichtig für mich, meinen Platz zu finden – mich damit zu identifizieren, doch mittlerweile glaube ich, dieser Zustand – die Leichtigkeit- wird erst Anfang des neuen Jahres einsetzen, dann wenn wir an der Westküste wieder nach „oben“ tingeln 😊

Wär hätte noch vor einer Woche gedacht, dass wir so schnell im Süden -beinahe an der Ferse des Stiefels sind? Wohl keiner ☺️ Aber jetzt fahren wir erstmal nach Matera und erkunden die Gegend. Nach einem Einkauf bei Conad, lässt mich Tommy am Besucherzentrum, im Regionalpark (gegenüberliegend von Matera) springen. Ich bin ja schon so aufgeregt und gespannt auf diese, in Fels gebauten Höhlen, in denen einst die Menschen lebten.

Ich laufe auf einer Teerstraße, auf der an Wochenenden und im Sommer Touristen, zu Haufe, mit Bussen auf die Plattform gekarrt werden. Heute ist es eher ruhig, den Italienern ist es vermutlich zu kalt, während wir Deutsche -unglaublicherweise- bei Sonnenschein und 19 Grad, in kurzen Shorts herumspazieren ☺️

Dann wird mir der besagte Weg zu langweilig und ich beschließe einwenig durch die Pampa zu streifen. Abenteuerlustig wie ich bin, stiefle ich Querfeldein, an unzähligen Büschen und Sträuchern vorbei, den Berg entlang, und verspüre endlich ein klein wenig aufkeimende Freude. Den Blick auf die Felswände am Horizont, gen Matera gerichtet. Gut gelaunt hüpfe ich ins Tal, während ich meine Finger kaum noch vom Foto bekomme ☺️ Es ist magisch 😊 Unbeschreiblich magisch ☺️

Rauer Stein in Erdfarben. Lauter Braun- und Gelbtöne, die einem, wo man auch hin sieht, ins Auge springen und doch sprüht dieser Ort vor einer derartigen Lebendigkeit. Mir gefällt es so gut ☺️

Ich kraxle die Felsen herunter in die Schlucht. Ein kleiner Wasserfall plätschert, an den bewaldeten Hängen in den Bach. Ich höre dem Fließen des Wasser zu und schau nach vorn, auf eine gigantische Felsmauer aus massivem Gestein, gespickt mit etwas Grünzeug. Im Hintergrund erstreckt sich die wunderbar hügelige Landschaft Materas.

Das erste, was mir auffällt: Es riecht penetrant nach Weichspüler und Abgestandenem. Schon komisch, da ist man umgeben von einer solch berauschenden Kulisse, und doch wird man immer wieder von den Müll- und Entsorgungsproblemen Italiens verfolgt. Es ist jammerschade. Der kleine Bach blubbert- und schäumt bedächtig an meiner Seite und erinnert mich an eine alte, in die Jahre gekommene Waschmaschine, die durch das Tal – Gravina di Matera – gurgelt. Der Duft. Tja, dieser Duft, der entfernt an frisch gewaschene Wäsche erinnert, zieht sich durch die gesamte Schlucht, um sich in den Höhen Materas zu verflüchtigen..

Heute zählt Matera mehr als 60.000 Einwohner. Seit 1993 gehören die „Sassi“ – die Altstadt mit ihren hübschen – und einzigartigen Höhlensiedlungen, zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es überrascht mich positiv, dass trotz dieser Tatsache (Weltkulturerbe), um diese Zeit – also im tiefsten „Winter“ 😉 – so wenig los zu sein scheint. Einfach herrlich 😊 Man hat richtig Zeit sich vorzustellen, wie hier einst die Bewohner in ihren Höhlen gelebt haben müssen. Man verschmilzt beinahe mit seiner Umgebung und hat wirklich das Glück, auf einmal auch ein Teil davon zu sein 😊

Aus einiger Entfernung entdecke ich beim Aufstieg eine Hängebrücke, die zur anderen Seite hinüber führt. Augenblicklich habe ich den Drang, dorthin zu müssen. Seine magische Anziehungskraft zieht mich sofort in den Bann, doch von meinem derzeitigen Standpunkt, gelange ich leider nicht zur Brücke. Aber morgen ist auch noch ein Tag ☺️ Wer weiß schon, was ich am morgigen Tag noch alles erleben werde.

Erhaben schaue ich zu den beidem Felsenkirchen, die links– und rechts vom Berg, den komplettem Matera-Komplex, zu behüten scheinen. Herzlich Willkommen in einem längst vergangenen Jahrhundert 😊 Die Sonne beginnt langsam hinter dem alten antiken Kirchturm zu verschwinden, als ich die unbefestigte Hügellandschaft hinauf steige. Von weit oben winkt- und pfeift mir mein, über alles geliebter Tommy. Wie schön es doch ist, ihm entgegen winken zu können 😊😊

Oben angekommen, überschauen wir gemeinsam den stimmungsvollen Abendhimmel entgegen und genießen das Untergehen der Sonne. Es schwebt ein gewisser Glanz in er Luft, der sich mit dem Blau- und Rosa der Wolken vermischt, um sich, vereint mit den grellen Sonnenstrahlen, vom Tageslicht verabschiedet, und sich wie ein Schleier, über die lichtdurchtränkte Altstadt legt. Atemberaubender könnte dieser Moment nicht sein 😊 Gänsehaut pur ☺️

Jetzt fängt für mich die Arbeit allerdings erst so richtig an. Heute gibt es Rigatoni mit Käsesoße – aus vier original-italienischen Käsesorten. Es wird köstlich 😊😊

Also dann, ciao und bis bald,

Eure Kati 😊😊

Ps: Morgen suche ich den Pfad zur Brücke und trete auf die anderen Seite hinüber ☺️

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