Irgendwann, ist „irgendwann“ vielleicht zu spät.

Auf einmal sind wir in Schweden und der Schotter des Wanderweges knirscht unter meinen Füßen, leise und bedächtig. Vor mir liegt eine wunderschöne Sommerwiese. Weißes Wiesenschaumkraut, hunderte von zarten gelben Butterblumen und viele verschiedene Gräser, machen die Wiese zu einem kuscheligen Bettchen. Dahinter verbirgt sich das blaue Meer. Kleine Boote schaukeln im Wasser. Rotgestrichene Holzhäuschen schmücken das Ufer und laden mich dazu ein, ein wenig zu verweilen. Ich blicke auf ein buntes Meer aus Lupinen, die die warmen Sonnenstrahlen in sich aufzusaugen scheinen. Diese filigranen Pflänzchen leuchten in lila, rosa und hellgelb. Sie gefallen mir so gut, sie bilden gemeinsam eine wunderschöne Einheit.

Vor mehr als drei Tagen fuhren wir über die finnische Grenze, um uns nach einer langen und anstrengenden Fahrt auf der Autobahn, die eher einem Feldweg mit Schlaglöchern glich, zu erholen. Wir stellen unser gemütliches Zuhause in Muonio ab. Wohin wir schauen, Wald. Nichts als Wald. Die Vorfreude auf eine Begegnung mit einem Elch steigt. Mitten im Nirgendwo muss sich doch so eine große- und schlaksige Schönheit mal wieder aus ihrem Versteck trauen. Doch noch bevor wir überhaupt etwas anderes als unsere Zudecke sehen, schlafen wir friedlich ein. (Nebenbei: In Finnland ist es eine Stunde später als in Norwegen oder Schweden, oder Deutschland 😊).

Eine Stunde lang. Ganz genau eine Stunde, die wir nächtigen dürfen. Dann jagt uns eine Horde Stechmücken durch das Wohnmobil. Hilfeee! Gruselig. Es ist sooo gruselig ☺️ Ich verstecke schützend meinen Kopf unter der Decke und höre, wie Tommy den mühseligen Kampf gegen die Schnacken weiter führt. Die Blutsauger gewinnen. Wir ziehen weiter. Nachts um kurz vor vier, finnischer Zeit, stelle ich einen Topf voll Wasser auf den Herd und bestücke unseren Kaffeefilter mit Kaffeepulver. Während Tommy aufgewühlt durch das Wohnmobil hüpft, die Mücken verscheucht und nach der Ursache dieser Invasion sucht, lass ich das heiße Wasser durch den Filter rinnen.

Die Viecher dringen vermutlich durch die beiden Dachluken und wahrscheinlich auch durch die Heckgarage ins Wohnmobil. Wenn es eine oder zwei sind, oke. Aber es sind wirklich!! mindestens fünfzig oder mehr. Irre.. Nach der heißen- und frischgebrühten Tasse Kaffee, fahren wir weiter. Zu gut riecht anscheinend unser junges Blut, naja zumindest meines ☺️☺️, und wir düsen weiter.

Dann sind wir auch schon an der Grenze zu Nordschweden. Das ging jetzt aber flott. Morgens legen wir uns wieder für ein-, zwei Stündchen hin und werden erneut überfallen und aufgefressen. Fluchtartig brechen wir auf. So langsam bekomme ich Hunger, doch ich traue mich im Augenblick nicht, diese Tatsache zu äußern ☺️

Auf der weiteren Strecke entdecken wir zur frühen Morgenstunde viele Rentiere am Rand der Fahrbahn. Diese Momente lassen mich die Scherereien der letzten Nacht vergessen. Komplett. Diese wunderschönen Rentiere, egal ob weiß oder braun, mit großem oder kleinem Geweih- alle zusammen, erfreuen mich tief im Herzen, mit ihrem Anblick. Es sind so hübsche Tiere 😊

Mir machen die Biester, also die Schnacken, eigentlich nichts aus, deren Ton vielleicht ein bisschen, aber den gibt Tommy ja nachts auch von sich ☺️ Ich kuschle mich einfach in mein Kopfkissen und Decke drüber. Augen zu und gut ist. Unter der Zudecke sticht mich dann meistens auch nichts. Tommy ist da anders. Für ihn ist das total schlimm. Da findet er keine Ruhe mehr und nach zwei Stunden Theater bin ich dann natürlich auch mal wach ☺️ Aber das macht nichts. Ich bin ja schön genug 😄😄 und brauche meinen Schönheitsschlaf nicht ganz so dringend 😊

Gegen Mittag erreichen wir einen Campingplatz bei Lulea und es regnet. Die Freude über das Wetter ist riesig, es prasselt in Eimern auf das Dach, als sei der Weltuntergang schon vorprogrammiert. Im Ernst wir freuen uns wirklich ☺️ denn bei Regen fliegen keine lästigen Mücken durch die Luft ☺️

Sunny ist verwirrt und hat keine Ahnung, ob sie nun Frühstück, Abendessen oder seit neuestem sogar noch eine Zwischenmahlzeit vorgesetzt bekommt 😄 Verschlafen schaut sie mir in die Augen. Auch sie hat eine harte und unruhige Nacht hinter sich und hat einwenig Schlaf dringend nötig. Zwischendurch, während der Fahrt, ist sie einfach in ihrem Nest im Schrank verschwunden. Ich dachte etwas wie, ihr habt sie doch nicht mehr alle und geht mir nicht auf den Keks, aus ihrer Schnauze gehört zu haben. ☺️☺️ Das Bett ist bereit, um uns erschöpft hinein zu begeben. Unsere geliebte Ruhestätte ganz für uns alleine. Endlich.

Der kommende Tag verläuft recht unspektakulär. Wir sind viel am Fahren, schauen uns die vorbei fliegende Landschaft durch die Scheibe an und tauschen uns untereinander aus. Das köstliche Mittagessen wird heute von Max gekocht. Max Burgers. 😊 Wir sitzen im Freien und haben vergleichsweise hitzige Temperaturen. 14 Grad, Sonne und ein kleines bisschen Wind. Die letzten Wochen verbrachten wir meist bei weniger als 10 Grad ☺️ Was für eine wahnsinnige Steigerung 😄 Vor mir liegt ein saftiger und soßenüberschwemmter Burger, den ich zusätzlich noch mit den coolen Max-Burger Pommes belege, um darauf genüsslich hinein zubeißen. Nach so langer Zeit. Ein echter Glücksmoment ☺️☺️

Danach geht die Reise schon wieder weiter nach Lövånger, ein Ort an der Ostküste Schwedens. Auf der Karte ist Lövanger ungefähr am Ende des obersten Viertels von Schweden zu finden. Als wir dort ankommen, scheint die Sonne. Die letzten Kilometer, um den Stellplatz zu erreichen, müssen wir über eine Schlagloch übersäte und geschotterte Fahrbahn schleichen. Einen kleinen Hügel am Boden übersehen wir und das ganze Wohnmobil hopst gen Himmel ☺️ Huuuui. .. Nichts passiert 😄

Aus meinem Bewegungsmangel heraus erkunde ich anschließend die Umgebung. Ich entdecke einen einladenden Sandstrand am Meer, doch ein großer Schwarm aus Stechmücken lässt nicht lange auf sich warten. Augenblicklich bin ich verschwunden. Den Abend lassen wir am offenen Feuer sitzend, mit zwei Dänen und kaltem Bier ausklingen. Ein gerieben mit Autan überhaupt kein Problem.

Autan hat einen so wunderbaren Geruch. Als ich noch recht klein war, naja, dann eben jung war, fuhr ich mit meiner Mama irgendwo in der Pampa herum, auf der Suche nach dem richtigen Weg und nach einem kurzen Besuch bei ihrer besten Freundin, in der Nähe von Idar-Oberstein. Um sich, bei einem Mann nach dem Weg zu erkundigen, öffnet sie das Autofenster und dann war da dieser Geruch, den dieser hilfsbereite Mensch verströmte. Nach so vielen Jahren erinnert mich dieser Geruch genau an diese Situation. Das ist doch der Wahnsinn ☺️☺️ Es hat einfach so gut gerochen 😊 (Vergleichbar gerne rieche ich auch den Duft der Nadelbäume im Wald oder den Geruch der Sonne auf der Haut, oder den weichen und nicht stinkenden Duft unseres Hundes an der einen Stelle auf ihrem schwarzen Köpfchen ☺️ Sunny riecht wirklich nicht nach Hund und wenn man sie streichelt, oder eben streicheln darf😄, da hat man auch nicht das für Hunde typische Talg-Gedöns an der Hand.☺️)

Nach meiner Tasse Kaffee am Morgen, laufe ich mit Sunny durch den Wald. Ein flinkes rotbraunes ultrasüßes Eichhörnchen ruft uns an der Rinde hängend entgegen und flitzt schnell Richtung Baumwipfel ☺️ Das kleine Eichhörnchen versüßt mir den Start in den Tag und zaubert mir ein großartiges Lächeln auf das Gesicht. Etwas verstörend war dann der freundliche Gruß einer netten, Rad fahrenden Frau, die mir anschließend etwas wie, „..will du fika..“, zugerufen hat. 😄😄 Ich verstehe zwar kein schwedisch, aber glücklicherweise weiß ich, dass Fika eine kleine Kaffeepause ist. Weshalb ich wirklich erheblich beruhigt ☺️☺️

In den vergangenen Tagen habe ich gemerkt, dass Finnland und Schweden beinahe ausschließlich aus Wald und Seen besteht. (Wobei in Finnland selbstverständlich noch die goldigen kleinen Holzsaunen dazu kommen😊 und in Schweden die süßen kleinen Gärtchen und und und ☺️☺️) Ich gebe zu, ich vermisse Norwegen schon ein bisschen. Seine abwechslungsreiche Natur, die Felsen und Berge, das weite Meer und ja, auch die Wanderungen durch die Wasserpfützen mit den immer nassen- und schmutzüberzogenen Schuhen. Wo man auch hinsieht, entdeckt man eine weitere atemberaubend schöne Ecke in der Umgebung. War man in Norwegen unterwegs, kann vermutlich so schnell kein anderes Land durch neue Eindrücke punkten. Keine Frage, Schweden ist schön, die Menschen die dort leben sind unendlich freundlich und sehr aufgeschlossen (und die süßen Häuschen mit der liebevollen Dekoration), doch die wundervollen Landschaftsimpressionen in Norwegen sind einfach schwer zu topen. Einfach einzigartig 😊

Das ich das Land meiner eigenen Grenzen mal vermissen werde, habe ich nicht erwartet ☺️ Naja, ein bisschen vielleicht. Wenn nicht alles nach Plan läuft, unvorhersehbar bleibt und eine gewisse Herausforderung vorhanden ist, dann ist es auch interessant. Und das war es. Tagtäglich und beinahe in jeder Sekunde 😊

Es gab so unendlich viele Dinge zu entdecken, die ich vorher nie geglaubt hätte, dort finden zu können. Dinge, die so unerwartet und unangekündigt hinter jeder Ecke auf mich warteten. Immer und überall 😊

Ich bin so unendlich dankbar und glücklich für die Erfahrungen, Eindrücke und Begegnungen in diesem Land. Ich bin über mich hinausgewachsen und habe auch neue Seiten an mir selbst entdecken dürfen, ich habe erfahren, zu was ich allem fähig bin, wenn ich etwas wirklich möchte 😊 Täglich lernt man ein Stückchen dazu und man lebt. Ja, das Schönste daran ist, man lebt. 😊

Wir ziehen weiter und sind sehr gespannt, was die Welt noch alles für uns bereit hält 😊

Bis bald,

Eure Kati 😊😊

Ps: Was ich noch nicht weiß, morgen gibts nochmal Essen von Max Burgers 😄 Juhuuu ☺️ Und wir stehen danach das erste Mal in Skandinavien im Stau, bis wir am Abend, endlich mit einem leckeren Eis- und einem kalten Bier in der Hand, der Sonne entgegen, auf die längste Hängebrücke Schwedens blicken. Die Hängebrücke befindet bei Hornön, an der Höga Kusten. Es ist nett, aber sehr viel los. Unendlich Mengen an Wohnmobilen mit Rentnern, die kaum noch alleine aussteigen können 😉 Nach Gleichaltrigen suchen wir auf diesem Platz vergeblich ☺️

PPs: Mit großem Erschrecken stelle ich fest: der Himmel wird dunkel. Orange, mit lila Farbtupfern, leuchtend farbig 😊 Was ist nur mit der Sonne los? 😊 Ist sie kaputt? Wir erleben seit sehr langer Zeit, mal wieder eine dunklere Nacht. Das ist ein echt komisches Gefühl. Fast werde ich deshalb ein bisschen traurig, war das Tageslicht doch in dem vergangenen Wochen unser ständiger Begleiter. (So richtig dunkel wird es aber trotzdem nicht. Sonnenuntergang um kurz nach 11 und der Aufgang schon kurze Zeit später ☺️)

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