Es ist egal, wie teuer deine Uhr war. Mehr Zeit hast du deshalb trotzdem nicht.

Die Eier kochen im sprudelnden Wasser. Der Rucksack ist weitestgehend gerichtet, nur noch das Vesper muss hineingepackt werden. Vor mir liegt eine 18 Kilometer lange Wanderung. Es ist kühl und ungemütlich.

Als ich vor der „Haustüre“ stehe, ziehe ich reflexartig meine Schultern tief in den Nacken und schließe den Reißverschluss meiner Jacke bis zum Anschlag. Es ist bitterkalt. Wolken verhängen den blauen Himmel und hindern die Sonne daran, mich aufzuwärmen. Während ich, mit dem Rucksack auf dem Rücken überlege, wie kuschelig es doch im Wohnmobil gewesen wäre, stapfe ich weiter durch den Dreck.

Zunehmend wird mir wärmer und meine gute Laune kehrt langsam zurück. Lange Holzlatten verhindern im Schlamm zu versinken. Trotz des passablen Wetters in den vergangenen Tagen, trieft und tropft es aus allen Nähten. Schuhschmatzend laufe ich durch kleine, vom Regen angestaute Bächlein. Mit der Zeit scheint der Weg etwas besser zu werden, zwar stolpere ich noch über aller Hand Steine, aber je höher ich komme, desto trockener und fester wird die Erde am Boden. Große Steine, bemalt mit einem roten T, wie es hier zur Wegweisung so üblich ist, zeigen mir den Weg.

Gleich am Anfang überhole ich ein junges Pärchen, danach zwei Ladys und ganz zum Schluss noch ein französisches Ehepaar. Doch dazu später mehr. Ungefähr bei der Hälfte der Strecke angekommen, bin ich froh das ich doch auf Tommy gehört- und seinen Ratschlag, heute mal feste Schuhe anzuziehen, gefolgt bin. Schnee? Schnee! Ich kämpfe mich durch das vom Winter übriggebliebene Schneefeld und steige weiter bergauf. Nach einer Weile entdecke ich am Ende meiner Sicht ein paar vereinzelte Felsbrocken im Meer. Total mystisch. Die grauen Wolken über dem Meer tragen, zu dieser geheimnisvollen Gegend, hervorragend dazu bei. Ich mag das Unentdeckte sehr und genieße den Einblick, in diese so anderes wirkende Welt. Wie ein kleines Kind auf Entdeckungsreise, verschlinge ich diese Momente und bekomme garnicht genug davon.

Seit fast vierzig Minuten bin ich jetzt unterwegs, da kommt das erste Schild, dass mich weiter zum „Knivskjelodden“ weist. Immer wieder tauchen ein paar Schneefleckchen am Wegesrand auf, die letzten Zeichnen des Winters. Bald traut sich auch hier die Sonne hervor und weckt die Lebensgeister der, doch noch etwas trist wirkenden Natur.

Trotz allem gibt es viel zu sehen und zu bestaunen. Die Felsformation, das Nordkap, sticht mir vom Horizont aus ins Auge. Graue schwere Felsbrocken und Steine erschweren das Vorankommen auf dem Pfad. Meine Winterjacke habe ich ausgezogen und trage sie mittlerweile unter dem Arm. Ich hüpfe und springe über einzelne Steine im angestauten Wasser, um trockenen Schuhes die andere Seite zu erreichen. Geschafft. Der darauffolgende dunkle Schlamm erwartet mich schon. Vom einen Chaos zum Nächsten. Das sind ja tolle Aussichten ☺️

Hinter einer Kuppe, im Tal liegend schlüpft die Sonne kurzzeitig hinter einer dunklen Wolke hervor und streichelt mit ihren grellen Strahlen über den darin eingebetteten See. Es sieht so hübsch aus. Ich setzte meinen Rucksack ab und verstaue meine Jacke darin. Der Pfad wird etwas angenehmer und leichter und führt über plattgetretenen Erdboden an die Küste.

Ich wandere einen steilen Abhang hinunter, der mich auf Meereshöhe bringt, von wo aus ich mir einen Überblick verschaffen kann. Ein blauer Kanister, eine orangene- und eine weiße Bojenkugel leuchten von weitem herüber. Aufgeregt stolpere ich hin und überquere die damit ausgezeichnete kleine Brücke aus Latten. Ein kleiner Bach plätschert unten hindurch. Zur linken Hand entdecke ich einige lilafarbene Blümchen und einen Berg, auf dessen Landzunge der nördlichste Punkt Europas sein soll. In der gegenüberliegenden Richtung sehe ich auf das gigantische Bergmassiv des Nordkaps.

Den großen Globus kann ich sogar noch aus dieser weiten Entfernung erkennen. Der Himmel ist noch immer sehr dunkel, doch bis ich mein Ziel erreiche, hat er sicher noch etwas Zeit um zu „erleuchten“. Ich biege nach links ab, um weiter den T-Wegmarkierungen zu folgen. Hier wird es schon ein bisschen kniffliger. Die Strecke am Berg ist sehr schräg und rutschig. In den kleinen schattigen Schluchten, über- und durch die man klettern muss, wenn man zum nördlichsten Punkt möchte, steht das Wasser. Dicke Schichten aus Dreck und Schlamm werden durch ein paar Bretter passierbar.

Oberhalb des Berges klettert ein Franzosen-Ehepaar, wie ich später herausfinde. Auf allen Vieren versuchen die beiden den Fels in der Höhe zu bezwingen. Ich wundere mich einwenig, aber ich folge einfach weiter der Beschilderung. Dann höre ich sie auf einmal laut diskutieren. Sie schimpft, er schimpft. Beide schimpfen ☺️☺️ Da glaubten die Zwei doch wirklich den nördlichsten Punk auf dem Berg zu finden. Hihi ☺️ Wie wäre das wohl ausgegangen? ☺️

Dann stehe ich vor dem Steinblock. Ich bin am nördlichsten Punkt Europas 😊

Nach einer halben Stunde stoßen sie zu mir. Meine Fotos sind ich geknipst, mich selbst habe ich auch irgendwie versucht abzulichten (mit Hand und Fuß 😄), ins Buch habe ich mich auch eingetragen, also kann ich jetzt endlich vespern. Juhuu. Auf das was ich mich während einer Wanderung am meisten freue, ist das Essen danach. Wirklich. Das Schönste ist einfach die Brotzeit ☺️ Wieso sollte man denn sonst wandern gehen? 😄

Voller Genuss entledige ich, einem Ei nach dem anderen, seiner Schale. Sogar Salz hab ich eingepackt. Was ist so ein gekochtes Ei schon ohne ein paar Salzkörnchen? Drei Eier verschwinden innerhalb von Sekunden in meinem Bauch. Lecker ☺️ Den Blick dabei starr auf das Nordkap gerichtet. Es sieht echt toll aus. Ein graues Boot fährt durch das blaue Meer.

Anschließend futtere ich noch ein Paar Würstchen, trinke einen Schluck und schnalle mir den Rucksack wieder auf den Rücken. Und immer schön den Müll wieder mitnehmen! 😊 Sonst ist es bald vorbei mir der Schönheit.

Gestärkt trete ich den Rückweg an. Eine Sekunde später rutsche ich über den schlammbedeckten Fels und lande am Boden. Dreckverschmiert laufe ich weiter, als ob nichts gewesen wäre ☺️ (Immerhin schauen mir dabei vier Leute zu ☺️ Später schaue ich an mir herunter und sehe das schmierige Kunstwerk☺️) Sowas passiert wieder nur mir 😄 Typisch. Ich alter Schussel ☺️

Keine Minute später stecke ich mit meinem rechten Schuh im tiefsten Schlamm. Der hohe Wanderschuh löst sich mit einem lauten Schmatzgeräusch aus dem Morast und ist voll gefüllt mit Wasser. Naja, solange mein Fuß noch darin steckt, gehts ja. ☺️ Ich lache mich kaputt. Da hab ich meinen Fuß zwei Millimeter neben den Holzlatten abgesetzt, schon erhalte ich die Rechnung dafür 😄

Nach einer Weile entdecke ich am Boden tausende Felsbrocken, die sich dort zu einem riesigen Haufen angesammelt haben. Das obere Stück des Berges hat sich anscheinend vor einiger Zeit herausgelöst und ist in Tal gerauscht. Da überkommt einen schon ein komisches Gefühl. Schiefer ist eben doch nicht so massiv und stabil wie anderes Gestein.

Auf dem Rückweg begegnen mir viele Leute, die sich zu dieser schönen- und norwegisch-typischen Wanderung entschlossen haben. Ein älterer Mann bleibt mir bis heute in Erinnerung. Er strahlt eine wahnsinnige Freude aus, als sei es das Größte, heute hier zu sein. Seine Glückseligkeit springt auf mich über und ich genieße diese Begegnung. Seinen Mitstreitern scheint es allerdings nicht so zu ergehen. Der alte Mann rennt den beiden einfach vorne weg ☺️ Der junge Mann dahinter schnauft und schaut Brotfertig drein. Eine deutschstämmige Familie erkenne ich schon aus weiter Entfernung. Wieso genau, kann ich nicht sagen, wie schon erwähnt, man merkt das einfach ☺️☺️

Die Sonne strahlt in ihrer vollsten Pracht, als ich den Parkplatz erreiche 😄 So, jetzt erstmal Kaffee kochen 😊

Gegen Nachmittag verlassen wir die Gegend Nordkap und übernachten, nach einigen Fahrstunden, in Stabbursnes auf einem Campingplatz. Dort verbringen wir mit einem über achtzig jährigen Mann aus der Hamburger Gegend, der alleine unterwegs ist (hat einfach seine Frau Zuhause gelassen ☺️) und einem Gläschen Wein, ein paar schöne Stunden am Abend 😊

Die Burger sind fertig, ich muss los ☺️

Bis bald,

Eure Kati 😊😊

Ps: Den Wein haben wir uns bis dort aufgehoben. Ein Geschenk unserer Freunde vom Schützenverein ☺️

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Immer wieder schön und spannend, Dich auf Deinen Abenteuern zu begleiten! 🙂
    Danke fürs mitnehmen!

    Liebe Grüße,
    Werner

    Gefällt 1 Person

  2. Kati sagt:

    Guten Morgen 😊
    vielen lieben Dank 😊 Und gern geschehen 😉 Schönen Sonntag 😊
    Liebe Grüße, Kati 😊

    Gefällt 1 Person

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