Es ist, wie es ist. Aber es wird was du daraus machst.

Jetzt stehe ich hier. Kurz vor dem Abgrund. Ein leichter Wind weht mir durch das Haar. Ich richte meinen Blick auf die Welt unter mir und erkenne, wie klein sie doch eigentlich ist. Es ist wirklich erstaunlich, wie etwas, nur durch die Entfernung, so winzig aussehen- und dennoch so riesig sein kann. Da merkt man wieder, wie unendlich viel es auf unsere Welt zu sehen und zu entdecken gibt 😊

Natürlich habe ich nicht vor vom Berg zu springen. Das wärs ja noch ☺️ Ich genieße lediglich diesen wunderbaren Ausblick, der mir hier vor meinen nassen Füßen, geboten wird. Die Sonne scheint mir warm auf den Rücken und trocknet mein leicht verschwitztes T-Shirt. Mein lachsfarbenes T-Shirt. Das T-Shirt, dass ich komischerweise immer an habe, wenn ich eine ungeplante Höhentour absolviere. Meine Mutproben. Mutproben, die ich zwar so nie wollte, aber trotzdem gerne annahm und zugegebenermaßen allesamt mit Bravour absolvierte ☺️ Meine eigene Komfortzone zu verlassen und über mich hinauszuwachsen, machte ein stärkerer Mensch aus mir. Und wenn es ein Berg oder ein Wasserfall ist, dann auch dieser 😊

Manchmal glaube ich, ich sollte das Shirt einfach in der hintersten und dunkelsten Ecke im Schrank verstecken, doch wahrscheinlich lässt mich seine ungewollte magische Anziehungskraft, nach kürzester Zeit eh wieder danach greifen. Oder ist es vielleicht die Farbe, die eine unvernünftige Wirkung auf mich ausübt? Wie eine üble Allergie oder eine hässliche Krankheit? 😄 Ich weiß es nicht. Spaß beiseite, ich werde das verwunschene T-Shirt in Zukunft besser im Auge behalten und einfach mal abwarten in welcher Situation es erneut zuschlägt. Lachsfarbenes T-Shirt, sei wachsam! Ich habe dich im Blick! ☺️☺️

Jetzt erkläre ich erstmal wie ich überhaupt hier hochgelangt bin. Denn vor etwa einer Stunde saß ich noch überaus gemütlich und sehr nah mit dem Hinterteil auf der weichen Sitzbank, im Wohnmobil und habe mich, nach der langen Fahrt ausgeruht. Kaum ein Wimpernschlag später stehe ich nun auf einmal, in Mitten eines lauten Wasserfalls. Irre oder? ☺️

Ich steige weiter über eine große Anzahl an wackeligen- und glitschigen Gesteinsbrocken und werde vom herunter platschenden Wasser berieselt, dass der Wasserfall neben mir frei setzt. Den Wasserfall habe ich bereits von einer kleinen Hütte etwas unterhalb, begutachtet.

Meine Beine werden einwenig weich und ungelenkig, als ich in die Tiefe schaue. Ich kann es einfach nicht lassen diese Handlung zu unterbinden. Es fällt mir total schwer und ich weiß, dass der Blick nach unten auch beim nächsten Mal nicht ausbleiben wird. Meine Neugierde ist einfach zu groß ☺️ Um trockenen Schuhes über das fließende Wasser des Wasserfalls zu kommen, gibt es eine Holzleiter, die aus verschiedenen Ästen und Brettern zusammen genagelt und zur Hilfe bereit liegt. Meine Beine zittern noch einwenig. Bloß nicht ausrutschen und baden gehen. Bitte nicht! Der erste Schritte sitzt. Puuh. Dann bin ich auch schon darüber hinweg gehüpft.

Kleinere Steinbrocken säumen den erdigen Pfad und ersetzen ein paar Treppenstufen. Nach dem der Wasserfall hinter mir liegt und fürs Erste gemeistert ist, bringt mich der schlammige Untergrund, entlang des Gerölls und der am Rand gesetzten Steine, zum Schnaufen. Es ist anstrengend sich permanent durch diesen Dreck zu wühlen. Wie schön doch der trockene und geschotterte Weg anfangs war, als ich vom Parkplatz aus losgegangen bin.

Da glaubte ich bereits siegessicher, den Gipfel erreicht zu haben, schon werde ich entmutigt und zu einer weiteren Klettereinlage animiert, denn die platt getretene Strecke ist noch lange nicht zu Ende. Vertrocknetes Gras schmiegt sich dicht an den steinigen Boden und lässt mich drüber hinweg wandern.

Kalte Schneefelder verstecken sich zwischen den dunklen Felsspalten und in den Senken verfängt sich der kühle Wind, dort wo die Sonne kaum eine Chance hat, ihre Strahlen zu verteilen. Umgeben von der wilden Natur fühle ich mich wirklich unendlich wohl.

Auch wenn sich der Farbenreichtum in Grenzen hält, gefällt es mir hier sehr gut. Schönheit liegt eben im Auge des Betrachters oder der Betrachterin 😊 Noch im selben Augenblick entdecke ich ein kleines Nest aus lilafarbenen Blümchen. Eine Weite und Tiefe erstreckt sich über die Berge und berauscht mich mit einer Klarheit, die nur in den Höhen zu fühlen ist. Ich liebe die Berge. Nur manchmal, wenn es sehr steil aufwärts geht, so wie in diesem Moment, dann nicht so ganz, aber sonst eigentlich schon 😄

Nach einer gefühlten Ewigkeit stehe ich dann endlich vor einem Turm, aus kleinen zusammen gesetzten Steinen, der wohl das bei uns Deutschen (und anderen Länder natürlich auch), gewohnte Gipfelkreuz ersetzt. Im Hintergrund grüßt freundlich das schneeweiße Gipfelpanorama und der dunkelblaue Fjord im Tal. Eingebettet zwischen den beiden Schönheiten befindet sich das Dorf Sorkjosen. Was für ein herrlicher Anblick. Eine wahre Belohnung nach diesem qualvollen Aufstieg. Naja, ganz so schlimm war es dann doch nicht 😊

Ein weiterer Blick auf den Turm der Bergspitze verrät mir, ein darin befindliches „Gipfelbuch“. Das Buch ist in einem Holzkistchen versteckt, welches in einer schmalen Spalte zwischen den aufgestapelten Steinen eingelassen wurde und das Buch, mit einem sichernden Stein davor, vor Wind- und Wettereinflüssen schützen soll.

Nun ist mein Name, unter den vielen anderen, auch darin verewigt. Ich klappe das Buch zu, verstaue es wieder in seiner kleinen Kammer und lege den Stein davor.

Vom Tal zieht der Nebel über die Anhöhe und legt sich, wie ein naher Vertrauter, über die hügelige Ebene. Eine feine kuschelige Decke aus Dunst, deckt den Berg für ein kleines Mittagsschläfchen zu. Wie schnell sich die Landschaft verändern kann ist wirklich erstaunlich. Doch kaum fünf Sekunden später ist das Schauspiel auch schon wieder vorüber. Heute hat sich die Sonne durchgesetzt und glücklicherweise gewonnen 😊

Joggend mache ich mich auf den Rückweg. Wo es der Pfad zulässt gebe ich Gas, doch es gibt ein paar vereinzelte Stellen, bei denen ich einen Gang zurück schalten muss.

Vor der erneuten Durchquerung des Wasserfalls und dem folgenden Abstieg, über die aneinander hängenden- und nur mit dünne Drahtseilen befestigten Holzstufen, hatte ich, zugegebener Maßen ein bisschen Bammel, doch ich habe mir zuvor viel zu viele Gedanken gemacht. Unnötig, wie immer ☺️

Fröhlich und gut gelaunt laufe ich die restlichen Treppenstufen und Felsbrocken herunter und komme unversehrt am tiefer gelegenen Berg an. Kurze Zeit später, als ich die Pfützen und Matschfelder überwunden habe, erkenne ich bereits von Weitem die verwitterte Berghütte, mit dem riesengroßen Stein im Rücken.

Beim Aufstieg habe ich hinein gespickt und den Raum erkundet. Ich mag solche Hütten total. Einfach das Flair und die Stimmung, die die Berghütten verströmen ist mystisch und grandios. Der Boden ist zwar schmutzig und das restliche Inventar hat auch schon seine besten Zeiten hinter sich, doch das ist genau mein Ding ☺️ Ein echtes Traumhaus in den Bergen ☺️ (zumindest für ein paar Tage 😉) Abenteuerlich schön, dieses kleine geheimnisvolle Häuschen in der Einsamkeit.

Als ich durch die quetschende Holztüre trete und sich beim Auftreten mein Gewicht auf die Holzdielen verlagert, knarzt der Boden, mich willkommen-heißend, unter den Füßen. Schlagartig füllt sich mein Körper mit Geborgenheit. Links steht ein alter Tisch, um den am Rand ein paar Bänke gebaut sind und als Tischbein dient ein großer Felsbrocken. Das ist so cool, ich bin kurz vor‘m Einziehen 😄

Gegenüber der Haustüre steht ein alter Herd fest auf dem Boden. Darüber hängt eine gusseiserne Pfanne an einem Nagel. Etwas Holz liegt auch bereit und wartet nur darauf angezündet zu werden. Auf der Platte stehen zwei eingedellte Töpfe und ein kleiner Wasserkocher ist auch zur Stelle. Das Ofenrohr führt nach oben zur Decke und vom außerhalb kann man den kleinen Abzug erkennen, der mit einem Dächlein besetzt ist. Im Regal neben dem Ofen, über der Ablage liegen zwei Kaffeepäckchen.

Auf der rechten Seite ist ein Brett mit eingehämmerten Nägeln angebracht, an denen eine bunte Auswahl an Tassen hängen. Auf dem Tisch darunter steht ein schwarzer Feldstecher dessen linkes Glas zerbrochen ist. Alles erinnert mich an das Holzhäuschen meiner Großmutter im Waldviertel, in Niederösterreich. Liebevoll denke ich an dieses kleine Haus, dass schon immer ein wertvolles Stück Heimat für mich war.

Wenige Minuten später verlasse ich diesen heimeligen Ort und schließe die Türe hinter mir. Als ich nach rechts schaue, entdecke ich die „Pisseria“, welche auf einem Holzbrettchen geschrieben, angekündigt wird. Ich lache mich kaputt ☺️ Hinter einem, aus Holzstöcken gezimmerten Zaun, mit dem besagten Schild, darf man also die Beine krumm machen ☺️ und zur anschließenden Abkühlung, nach dem anstrengenden Geschäft, darf man sich dann rücklings in den Schnee fallen lassen. Hihi ☺️ Ja, ist schon gut, ich hör ja auf.. ☺️

Glücklich und ausgelastet komme ich bei Tommy und Sunny am Wohnmobil an. Eine schlechte Nachricht gibt es aber doch, der Wasserhahn ist kaputt. Nicht schon wieder. Diesmal ist der im Bad dran. Mist. Und die zweite schlechte Nachricht ist: die Süßigkeiten-Tüte mit dem kompletten Inhalt, den Colafläschchen und der Schokolade, die darin eingepackt waren, hat sich in den vergangenen Stunden, ohne mich, in Luft aufgelöst. Na toll. Wie soll das nur weiter gehen ☺️☺️ Nie kann man die Zwei alleine lassen 😄

Jetzt muss ich aber wirklich was kochen ☺️ Wir haben alle drei einen Bärenhunger 😊

Bis bald,

Eure Kati 😊

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