Und all das was zählt ist unbezahlbar.

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Wusstet ihr, dass in Norwegen nur 5 Millionen Menschen leben? Das sind fast 78 Millionen Menschen weniger als in unserem Heimatland. Auf einem Quadratkilometer auf deutschem Boden, leben durchschnittlich 230 Menschen, in Norwegen dagegen nur 13. Ja, im Ernst. Dreizehn..

Der reine Wahnsinn, oder? 😄 In Schweden wohnen immerhin schon 23 Stück auf dieser Fläche. Zu dem kommt, dass die Norweger 28.000 Quadratkilometer mehr Land ihr eigen nennen dürfen, im Vergleich zu uns Deutschen. Jetzt, da ich persönlich in diesem abwechslungsreichen und überaus interessanten Land bin, begreife ich erst richtig, was das zu bedeuten hat.

Ich bin wirklich beeindruckt, wie dünnbesiedelt dieses Land ist.

Heute Morgen sind wir zu den Lofoten aufgebrochen. Die letzte Nacht verbrachten wir noch auf dem „Festland“. Ein sehr ruhiger Parkplatz in der Einsamkeit. Durchschnittlich kam vielleicht ein Auto in vier Stunden vorbei 😊 Zum Übernachten war dieser Platz in Ordnung, doch ansonsten auch nicht weiter nennenswert.

Die vorherige Übernachtungsmöglichkeit war da schon etwas spektakulärer. Nach dem wir in Bodo harte Arbeit am Wohnmobil geleistet hatten, es war großer Putztag, suchten wir nach einem geeigneten Parkplatz für die Nacht.

Wir erreichen den kostenlosen Wohnmobilstellplatz bei dichten Nebel. Mittlerweile sind wir schon auf diese schlagartigen Wetterwechsel gefasst. Es ist trotz allem jedesmal erstaunlich, wie schnell sich ein solcher Wechsel vollzieht. Und kurze Zeit später blinzelt auch schon wieder die Sonne durch die Wolken und gibt den Blick auf das blaue Meer frei, dass wir zuvor überhaupt nicht bemerkt hatten.

Am nächsten Morgen erwache ich sehr früh. Hell ist es ja eh immer. Der Polartag ist schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Da erwacht man mitten am „Tag“, dann ist es erst 1.55 Uhr 😄 Wie soll man da noch durchblicken? 😊

Während ich am Morgen schlaftrunken unseren Kaffee koche, beobachte ich zwei Raben, die sich an den Fischresten unseres französischen Nachbars zu schaffen machen. Da pickt die Krähe dem Fisch doch einfach die Äuglein aus ☺️ Danach frühstücken wir gemütlich, mit selbstgebackenen Brot, Eiern, Käse, Nugatti und einem riesen Eimer Blaubeer-Marmelade (Blabär☺️) und ich bewege mich anschließend, auf den Spuren von Kaiser Wilhelm II und seinem, nach ihm benannten „Keiservarden“-Wanderweges.

Manche Stellen sind etwas unbefestigt, doch zumeist führt mich der Weg über einen angenehm zu laufenden Untergrund. Zwischendurch klettere ich über ein paar Stufen aus Stein und Fels, um vorwärts zu kommen. Wo ich auch hinsehe: Menschenleere.

Die Gegend gefällt mir total gut. Die Sonne kommt durch und verschönert die Welt mit ihren warmen Strahlen. Die doch etwas größere Stadt Bodo, wird mit jedem Meter immer kleiner und verschwindet nach einer Weile komplett aus meinem Blickfeld. Das zum Teil sonnengeflutete Panorama, dass mich auf dem Berg erwartet, teile ich kurzzeitig mit einem einzelnen Fahrradfahrer.

Es ist herrlich 😊 Anschließend bin ich wieder alleine. Ich schieße einige Fotos mit Tommys Kamera, die er mir anvertraut hat. (ich nehm sie nicht so gerne mit, was meiner Tollpatschigkeit geschuldet ist. Nicht das ich sie mal in Einzelteilen zurückbringe ☺️ Vielleicht sagt man in Norwegen auch TROLLpatschigkeit dazu 😄) Ich hüpfe über einen weiten Hang, der mit winzigen lilafarbenen Blümchen bespickt ist und erkunde wissbegierig die tolle Gegend 😊

Als ich mich an dieser wunderhübschen Landschaft satt gesehen habe, wandere ich die drei Kilometer ins Tal zurück. Seit einigen Minuten strömen Massen an Radlern und Spaziergängern hinauf auf den Berg, dass ist nicht mehr normal. Schnell weg hier ☺️

Eine kleine Information: Kaiser Wilhelm der Zweite spazierte am 19. Juli 1891 den, nach ihm benannten Weg, um diese tolle Aussicht zu genießen. Und nur wegen dem Jahr 1891, war dieser Pfad so interessant für mich. Schließlich bin ich ganze hundert Jahre (nicht auf den Tag genau) später geboren ☺️

So, zurück zu den Lofoten. Mit Hilfe einer einstündigen Fahrt auf einer Fähre, wir starten von Skognes, erreichen wir Lodingen. Sunny darf aus nur einem Grund, nicht an Deck. Und dieser ist ganz banal: Sie ist eben ein Hund (sie rafft das nur oft nicht😄) Das war das erste Mal, dass wir sie nicht mit nach oben, an Deck, nehmen durften. Spaßeshalber stecke ich sie in einen Käfig 😄 Hihi. Unser Hund findet das dann aber nicht ganz so lustig ☺️ Sunny schaut bedröppelt drein. Unser gutes Herz und unser schlechtes Gewissen (ja, wir haben eins ☺️) bringt uns anschließend dazu, dass arme Tier wieder aus dem Gitter-Kasten zu lassen 😊

Gerade mal vier weitere Fahrzeuge, unter anderem auch ein LKW, fahren von der Fähre. Der verhangene dunkle Himmel, die Nebelschwaden und das unfreundliche Wetter im Allgemeinen, tut sein Übriges. Gefühlte Stunden fahren wir jetzt schon durch die Inseln und keine hat uns so richtig angemacht.

Liegt es nur an dem fehlenden geliebten Sonnenschein, oder gefällt uns diese Medien- und Tourismus aufgebauschte Gegend von Natur aus nicht? Für mich bestätigt sich noch am selben Abend: Es war wieder mal die Sonne 😊 Denn als ich auf einen Berg in Ballstad klettere, bin ich so begeistert, erstaunt und sprachlos. Die Sicht auf die Welt unter mir ist nicht-, wirklich niemals, in Worte zu fassen. Es ist wundervoll. Der „kleine“ Hafen, die „kleinen“ Boote und Schiffe, die „Mini“-Häuschen, alles ist unendlich winzig und eigentlich doch so riesig 😊 Und natürlich unbeschreiblich schön.

Oben auf dem Berg ist es sehr flach und die Natur zeigt sich in vielen Brauntönen und nacktem grauen Fels, während unterhalb das satte Grün der Wiesen und Pflanzen hervorsticht. Kurz gesagt, einfach atemberaubend 😊😊 Später nimmt der Wind gewaltig zu und ich bewege mich in die Richtung des sicheren Bodens. Kaum unten angelangt, meldet sich auch schon der hungrige Tommy ☺️ Das erste Mal seit langem, dass er sich mit diesem, täglich mehrmalig aufkommenden Thema, noch vor mir, auseinandersetzen muss 😄 Das gibts ja nicht. Das ist ja fast Prämiere ☺️

Während sich die Pommes noch im Ofen sonnen und sich die Wienerpolser (Würstchen😊) im Wasserbad warm schwimmen, nutze ich die Zeit, um einige wissenswerte- und wie ich finde nennenswerte Dinge, über die hübschen Lofoten, zu erzählen.

Die 24.000 Bewohner der Lofoten, einer Inselgruppe aus ungefähr 80 Inseln, haben in den Monaten zwischen Juni und August, kaum etwas zulachen. Fast bekomme ich ein schlechtes Gewissen, zu groß ist mein Mitgefühl für dieses Volk. In dieser angegebenen Zeit drängen sich fast eine Millionen Touristen durch die schmalen und engen Sträßchen, dieser wundervollen Inseln.

Welche jährliche Belastung den, in dieser „Idylle“ lebenden Menschen, hier abverlangt wird, kann ich mir im Traum nicht vorstellen. Es muss schon furchtbar anstrengend sein. Keine Ruhe. Kein Platz. Massen an Menschen, die aus hunderten wartenden Bussen strömen. Fahrradfahrer, die die Autos behindern. Autos, die, wie alle anderen, die Straßen verstopfen und komplett lahmlegen. Diese einschneidenden Veränderungen kann in dieser Gegend wohl kaum jemand verdrängen oder ignorieren. Hinzukommen die (wie auch wir) unzählige Menge an Wohnmobilen und Motorrädern. Das ist nicht mehr normal. Selbst wir, die hier auch mit einem herum düsen, sind erschrocken über diese Massen. Doch anstatt zu winken (das unterschreibt man anscheinend mit dem Kauf einer Wohnmobils😄), sollten manche (und es sind nicht wenige) besser auf den Streckenverlauf achten und vermeiden, dass der Entgegenkommende nicht nur auf einer halben Fahrbahn weiter zu fahren hat. Danke, dass wäre echt super 😊😊

Die umliegenden Dörfer und Gemeinden sind für diesen Massentourismus nicht ausgelegt. Die schmalen Straßen werden durch den vielen Verkehr unüberwindbar, ein riesiges Problem, weshalb in einem lebenswichtigen und entscheidenden Moment, selbst Rettungskräfte keine Chance mehr haben. Das hat dann auch nichts mehr mit einsamer Unberührtheit zu tun. Ein Geheimtipp, den jeder kennt. Leider.

Zudem gibt es, laut meinen Recherchen, keine ausreichenden Camping- und Übernachtungsmöglichkeiten. Es mangelt an vernünftigen Parkplätzen und der Müll kann nicht ausreichend entsorgt werden und ladet, durch Touristenhand, einfach auf der Straße. Manche werden in der Hauptsaison sogar richtig frech und verwenden kurzer Hand, einen fremden Garten zur Verrichtung ihre Notdurft. Das es hier nur Tote durch wilde- und unbedachte Klettereien gab, wundert mich schon sehr ☺️ Spaß bei Seite. Die Menschen, die die Lofoten ihre Heimat nennen, sind in diesem Fall nun echt nicht zu beneiden. Landschaftlich aber natürlich schon 😊

So. Schluss mit dieser, eher pessimistischen Art der Erzählung, doch ansprechen musste ich dieses Thema trotzdem, denn die Natur ist nur so lange schön, wie man auch achtsam mit ihr umgeht. Und ich finde, die Anwohner der Lofoten sollten dadurch nicht in Vergessenheit geraten, auch diese sind angemessen zu respektieren und zu achten. Mit mitfühlenden Gedanken an die Menschen, die uns Reisende ertragen müssen, führen wir unsere Reise, durch die Inselgruppe fort. Ich bin sehr dankbar dafür, hier sein zu können. Was für eine unbändige Schönheit. Und ich hoffe sie bleibt noch lange so erhalten 😊

Das Essen ist fertig 😊 Tommy ruft mich zu Tisch ☺️

Bis bald,

Eure Kati 😊😊

Ps: Stockfisch stinkt auch auf den wunderschönen Lofoten wie die Sau 😄

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