Sei der Mensch, den du selbst gerne treffen würdest.

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Nach einer gefühlten Ewigkeit fahren wir endlich weiter Richtung Norden.

Die letzten Tage haben wir auf einem wenig spektakulären und eher ruhigen Campingplatz verbracht, da Miss Liberty (unser Zuhause) leider ein kleines „Aua“ hatte. Der Wasserhahn, besser gesagt die Wasserpumpe, hat den Geist aufgegeben. Es war anfangs etwas umständlich, aber wir arrangierten uns trotz der Umstände, ganz gut mit dieser kurzfristigen Einschränkung. Das Frischwasser für den Abwasch und alles was so mit Wasser zu tun hat, holten wir uns über die Dusche oder das Bad. Im großen und ganzen eine lustige Angelegenheit ☺️

Und das Wetter enttäuscht uns auch diesmal nicht. Vorhersehbar wie immer: Regen, wenig Sonne, das Übliche eben 😄

Unsere erste Nacht, die wir nun glücklicherweise wieder in „Freiheit“ (also außerhalb eines festen Campingplatzes) verbringen, schlafen wir auf einem hübschen Rastplatz an der E6 bei Namsskogan. Tommy geht viel angeln und Sunny muss mal wieder zum Spazieren herhalten ☺️

Ein schmaler erdiger Weg führt uns über eine kleine Holzbrücke, zu Tommys favorisierter Angelstelle, welche einige hundert Meter vom Wohnmobil entfernt ist. Wir kommen durch ein winziges Birkenwäldchen, dass meine Augen mit seinen kräftigen Farben erfreut. Die Sonne scheint durch die Wolkendecke auf das strömende Wasser und bringt es zum Funkeln. Der Fluss, dessen Bett eine unendliche Zahl an Felsbrocken und großen Steinen birgt, ist übersät mit tausend kleinen Glitzerperlen. Was für eine schöne Gegend 😊 Der restliche Abend verläuft dann aber relativ uninteressant.

Noch immer hatte Tommy kein Glück beim Angeln. Mittlerweile vermute ich, wir werden durch seinen neuentdeckten Sport, noch arm werden. Das böse Ungeheuer, egal ob es sich im Meer oder See versteckt, verschlingt massenweise schmackhafte, Angel-Köder. Wählerisch ist das freche Ungeheuer allerdings nicht. Es nimmt (alles), was es kriegen kann.

Oder vielleicht haben sich auch alle Fische weit und breit, gegen meinen ehrgeizigen Freund verschworen und machen aus diesem Grund, einen kilometerlangen Bogen um ihn und seinen Angelhaken. Wer isst schon gerne solche komischen schwabbeligen Gummifische? Außer dem böse Ungeheuer, dass jedesmal die Köder von der Schnur reißt ☺️ Da muss man schon was anderes dranhängen, dass hab ich ihm aber gleich gesagt ☺️ Vielleicht ein paniertes Schnitzel oder eine leckere Portion Fish and Chips, aber da sind wir ja erneut beim Ursprung des eigentlichen Problems gelandet..

Am nächsten Morgen laufe ich, mit unserem alten Dackel (nein, nicht mit Tommy 😄) am Fluss entlang, weit bis nach der Touristeninformation und auf dem selben Weg wieder zurück.

Der Kaffee ist gemacht, das frisch gebackene Brot aufgeschnitten und die kochenden Eier müssten auch gleich fertig sein. Nach dem Frühstück genieße ich noch kurz die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut, schließe die Augen und konzentriere mich nur noch auf meinen Atem, während Tommy sich mit seiner geliebten- und untreuen Angel im Schlepptau, zum wilden Gewässer aufmacht.

Meine Gedanken schweifen ab und sie führen mich, zu mir nahestehenden Menschen, in Deutschland. Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell sich ein Mensch an eine neue Situation gewöhnen kann.

Aber der Alltag in Deutschland nimmt ja auch weiter seinen Lauf, auch ohne uns „Ausreißer“ 😊 Und wir, die Personen, die in Norwegen herumgurken, haben ihren ganz eigenen Trott. Ich freue mich trotzdem unendlich, Neuigkeiten aus der Heimat zu erhalten, um einwenig „mitzuerleben“.

Einen kleinen Stich versetzt es mir dann aber doch, das muss ich leider zugeben, denn es bewahrheitet sich mal wieder das alte Sprichwort, dass ich nicht so mag. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ja, es stimmt. Leider. Auch wenn man selbst das Beste dafür gibt, manchmal-, gerade wenn man die Entscheidung zu Reisen getroffen hat, reicht das einfach nicht aus. Menschen kommen und Menschen gehen. So ist das Leben. Manche laufen für eine Weile mit, andere schauen nur eben mal kurz vorbei, und wieder andere bleiben sogar für immer 😊

Für mich hatte eine freundschaftliche Zuneigung noch nie etwas mit Raum und Zeit zu tun gehabt, denn Menschen die man liebt, trage ich ganz nah bei mir, in meinem Herzen.

Irgendwie ist die heutige Welt in diesen Angelegenheiten etwas komplizierter geworden. Man hat die Möglichkeit, mit Hilfe des Internets, mit aller Welt in Kontakt zu treten und schon funktioniert irgendwie garnichts mehr 😊

Wie schön es früher war, als wir uns, wie doof auf eine langersehnte Antwort, auf einem handgeschriebenen Brief gefreut haben. Das erscheint in der heutigen schnelllebigen und stressigen Zeit, fast unmöglich. Oft geht es wieder mal nur um das liebe Geld und nicht mehr um die so wichtigen und wertvollen Zwischenmenschlichenbeziehungen. Ich finde, wir sollten alle zusammen anfangen, ein bisschen umzudenken und uns wieder auf das Wesentliche besinnen. Freude und Momente des Glücks, die man teilen kann, sind doch so kostbar.

Kein Follower auf Instagram (oder sonst wo) interessiert sich wirklich persönlich für dich, nein, den kümmert nur die Show, die um dich veranstaltet wird. Und auch kein Selfie mit Millionen von „Likes“ hilft da weiter. Zuneigung hat nichts mit dem Äußeren zutun. Echte Zuneigung kommt aus dem im Inneren. Man fühlt sie.

Menschenleben sind unendlich mal wertvoller, als es jedes Geld auf dieser Welt je sein könnte. Eine netten Geste oder ein paar liebe Worte erfreuen doch jeden und zeigen gleichzeitig deine eigene Wertschätzung, ihm gegenüber 😊 Ein freundlicher Umgang gehört einfach zu einem zufriedenen und glücklichen Miteinander dazu 😊

Die Entscheidung zu Reisen, ist und bleibt die beste 😊😊 Oft heißt es zwar Abschied nehmen, aber nach jedem Abschied, kommt ein wahnsinnig schöner Neubeginn 😊

Das laute Wasser holt mich aus den Gedanken und reißt sie mit sich, ins unendliche Nass. Mein Kopf ist wieder klar und frei.

Tommy kommt enttäuscht und mit leeren Händen vom Fischen zurück. (Ich habe auch nichts anderes erwartet ☺️) Entweder gibt es in Norwegen wirklich keine Fische mehr oder der Mann von gestern hat allen ernstes die allerletzten Lachse auf dieser Welt, aus dem Wasser gezogen. Ich glaubs einfach nicht 😄

Kein Fisch. No fish. Ingen fisk. Aber immerhin sind wir drei weitere (leckere) Köder los ☺️ Juhuu ☺️☺️

Um 11.08 Uhr überfahren wir, in Namsskogan, die „Grenze“ nach Nord-Norwegen 😊

Nord Norge wir kommeeeeen ☺️☺️

Bis Bald,

Eure Kati 😊😊

Ps: Am Abend fängt Tommy WIRKLICH zwei ECHTE Fische ☺️☺️ im Leirfjord. Frischer norwegischer Seelachs 😊 Irre. Wer hätte damit noch gerechnet ☺️

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