Persönlichkeit fängt da an, wo Vergleich aufhört.

Nach einer erholsamen Nacht und einem leckeren Frühstück, mit Rührei und selbst gebackenen Brot (das Rezept dazu gibt es in der nächsten Ausgabe von „Besser Backen“ im August) mache ich mich, gemeinsam mit Sunny, auf die Suche nach einer schönen Gassi-Runde.

Wir laufen über eine wenig befahrene, jedoch sehr schmale Straße und schlendern vergnügt durch zwei winzige Dörfchen. An einem weißen Holzhaus, direkt an der Straßenecke, duftet es wunderbar nach Zimt und Pfannkuchen. Mir läuft schon wieder das Wasser im Mund zusammen ☺️ Am liebsten möchte ich ins Haus spazieren und mich, wie selbstverständlich, zu ihnen an den köstlich gedeckten Tisch setzten. Schließlich gilt doch in Norwegen das Jedermanns-Recht. Das heißt doch auch Pfannkuchen für Jedermann und Jederfrau ☺️

Während ich im Weitergehen noch immer den Geruch der runden und flachen Köstlichkeit in der Nase habe, beschließe ich noch im selben Moment, diese Woche auf jeden Fall einen solchen Turm, in der Pfanne auszubacken.

Hochgewachsener leuchtender Farn sprießt aus einer Steinmauer, die entlang der Straße gebaut ist. Hundert verschiedene Gräser stehen auf einer Wiese, in Mitten einer rosafarbene Pracht aus blühenden knorrigen Apfelbäumen. Das dichte Blätterdach, der hübsch anzusehenden Bäume, glitzert voller kleiner Wasserperlen im Tageslicht.

Sogar die asphaltierten Straßen, über die wir in den vergangenen Tagen durch eine Unendlichkeit aus Tunneln gefolgt sind, haben etwas besonderes an sich. Mal führen sie stark nach oben, eine Sekunde später schon wieder in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt keine geraden- und perfekten Wege, doch genau das, macht sie so speziell. Ein Wirrwarr aus Schlangenlinien, dass nicht zu bändigen scheint. Es schaut aus, als hätte man ein Stoffband, an Stelle einer Straße, über Hügel und Berge gelegt. Einfach perfekt un-perfekt 😊

Im Tal entdecke ich drei kleine verwitterte Holzhütten am regengefüllten Bach, der leise vor sich hin gurgelt. Das Dach der Hütten ist moosbewachsen und macht die ganze Situation total heimelig und urig. Ich möchte am liebsten gleich einziehen ☺️ An einem Häuschen ist ein Holzrad angebracht, das früher bestimmt durch das plätschernde Bächlein angetrieben wurde. Die kleinen Gebäude gehörten einst vermutlich zu eine winzigen alten Mühle die Getreide gemahlen haben muss. Als ich meinen Blick endlich lösen kann, spazieren wir zu Miss Libertys Stellplatz zurück.

Eine herrliche Stimmung begleitet mich, trotz des Regens, durch diesen wunderbaren Tag. Wahrscheinlich machen gerade der Regen und die dunklen Wolken, am trüben Himmel, diese besondere Atmosphäre aus 😊

Der Sognefjords, dessen türkises Wasser wir durch unsere Fenster sehen, ist der tiefste und längste Fjord Europas. (Der längste und tiefste Fjord der Welt, mit ungefähr 3.500 Metern Länge und ca. 1,5 Kilometern Wassertiefe, ist in Grönland zu finden.) Der Sognefjord ist 204 Kilometer lang und beeindruckt mit einer Tiefe von 1.308 Metern. Der Wahnsinn, oder?

Gestern wurde Wäsche gewaschen, nicht im Fjord, nein, ganz altmodisch in einer Waschmaschine. Danach haben wir das Wohnmobil hübschi (gesaugt, durchgewischt und und und..) gemacht und unglaublich viel gebacken.

Unter anderem zwei wunderschöne Kastenbrote aus norwegischem Mehl, (das gab es heute morgen zum Frühstück) ein Marmorkuchen, schließlich ist ja Wochenende und eine Lasagne in einer runden Backform, allerdings nicht mit Teigblättern geschichtet, sondern mit Spiralnudeln (wie auch immer die heißen, Nudel ist Nudel, naja außer Spaghetti und Spätzle..☺️).

Nach dem ich dann noch einen Dinkelteig für unseren Vorrat an Brötchen hergestellt habe, bin ich endlich fertig mit der Hausarbeit ☺️

Schnell raus, aus Küche- und Backstube, und ab auf den Liegestuhl in die Sonne. Ich bin äußerst verwundert, denn sogar meine Leine reicht heute vom Herd bis auf den Stuhl, was für ein Glück 😄

Noch kurz eine kleine Information zu unseren letzten Arbeitstagen: Am Mittwoch backten wir mit einem super netten Norweger, namens Petter, er ist einer der fünf stolzen Besitzer der Hardanger Handbryggeri, ein ganz besonderes Brot.

Jeden Arbeitsschritt, den die Jungs in ihrer Brauerei befolgen, muss (!!) von Hand ausgeführt werden. Wirklich, den andernfalls darf das gebraute Bier nicht als handgebraut gekennzeichnet werden. Wobei es mit dem bewerben des eigenen Bieres-, oder Alkohol im allgemeinen, in Norwegen sehr schwierig ist, denn dies ist im ganzen Land untersagt. Die Bekanntheit des Bieres erfolgt also nur mit einer gewieften Marketing Idee, ohne das eigentliche Produkt, das Bier, anzupreisen oder eben herkömmlich, dadurch das man mit anderen, über dieses Geschmackserlebnis erzählt und die Qualität und Zufriedenheit weiter trägt. Das dauert zwar lange Zeit, doch es gibt der ganzen Sache irgendwie einen echten Charakter.

Das ist etwas, dass in Deutschland mal wieder undenkbar ist. Dort gilt ja meist: Werbung Werbung Werbung, ein billig herzustellendes Produkt und natürlich eine schnelle Gewinnbringung. Doch dieses Umdenken, so finde ich, hat etwas. Das Produkt bekommt dadurch einen ganz anderen Stellenwert, als eine billige viel beworbene Ware. So viel dazu.

Ein Ausflug zu Petter nach Hovland ist auf alle Fälle eine Bereicherung. Es gibt gutes Bier und nette Leute 😊 Wenn ihr schon mal in der Nähe seit, zum Beispiel um Trolltunga (ca. 20 Minuten entfernt) zu erklettern, besucht ihn unbedingt. Er erklärt euch die Vorgehensweisen des Brauens, die darauffolgenden Handgriffe, lässt euch Bier proBIERen und spricht (wenn ihr wollt) über Gott und die Welt.

Den folgenden Tag, den Donnerstag, verbrachten wir mit zwei freundlichen Norwegern von „Hardangergutane“. Apfelsaft und Cider, mit und ohne Bubbles, sind deren Spezialgebiet. Wirklich gutes Zeug ☺️ Mehr dazu findet ihr in der nächsten Ausgabe von „Besser Backen“. Ich hoffe, ich konnte euch “hungrig“ machen 😊

Den restlichen Tag werde ich in Ruhe genießen, dass nehme ich mir schon seit Tagen vor, und heute um so mehr. Die übermenschliche Verausgabung der Trolltunga-Wanderung (44 Kilometer..) steckt mir noch immer in den Knochen. Als ich noch vor kurzem davon ausgegangen bin, dass geschwollene Knie, Hüftschmerzen und Rückenschmerzen nur ein Alter-Menschen-Leiden ist, wurde ich nun eines besseren belehrt 😄 (ich möchte wirklich niemanden persönlich angreifen, wer sich alt und angesprochen fühlt ist selbst schuld ☺️☺️ Gell, Tommy? 😄)

Tommy schmeißt heute allerdings auch mit überaus „netten“ Komplimenten, bezüglich meines Zustandes, um sich. Schließlich sei ich mit meinen dreißig (Hallo? Da fehlen mir noch 2 Jahre und 75 Tage! 😄 -heute ist der 25.5.) auch schon ziemlich alt und dann fühle man sich angeblich tagtäglich so.. Zum Glück gebe ich nicht viel auf diese Aussage, schaue aber vorsichtshalber trotzdem mal kurz in den Spiegel im Bad 😄

Puuh! Mir blickt ein junges braungebranntes Gesicht entgegen, bei dem der Alterungsprozess vermutlich erst in den nächsten hundert Jahren einsetzt. Jetzt bin ich aber froh 😄 Danke! Ich schicke ein Stoßgebet zum Himmel und danke, in Gedanken, vielmals meinen Eltern, für meine jugendlichen Gene, die sie mir vererbt haben ☺️

So, mein Kaffee ist fertig. Er köchelt leise, im Espressokocher, auf dem Herd vor sich hin und wartet geduldig auf mich.

Bis bald,

Eure Kati 😊😊

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