Der ideale Tag wird nie kommen. Er ist heute, wenn wir ihn dazu machen.

Nach dem wir unsere Zeit, in den letzten zwei Tagen, beinahe nur mit Wäsche waschen auf einem Campingplatz in Seljord verbracht haben, freuen wir uns nun, auf eine ruhigere Phase.

Trotz des Waschstresses, gehe ich zu Mittag durch den Wald spazieren. Alleine. Nur ich, mit mir selbst ☺️ Der blaue Weg soll es werden. Es gibt noch einen rotmarkierten, doch ich entscheide mich für den anderen, für die kleinere Runde mit ausgewiesenem Aussichtspunkt.

Über eine befahrene Straße, sehe ich das Schild, das den Beginn des Wanderweges, angibt. Eilig laufe ich hinüber und schlage in den schmutzigen dunkelbraunen Waldweg ein. Zu Anfang wandere ich über allerlei Wurzeln, herumliegende Stöcke und Matsch, doch nach einiger Zeit, wird es etwas angenehmer. Vertrocknete Blätter, vom vergangenen Jahr, liegen verstreut am Boden. Der Wald ist sehr ruhig und ich beginne leise, eine Melodie vor mich hin zu summen. Seit Tagen geht mir dieses Lied nicht mehr aus dem Kopf. Auf der linken Seite begleitet mich eine Wand aus grauem Massiv. Rechts der Route geht es steil nach unten und durch die Bäume winkt immer wieder der blaue See, aus dem Tal herauf. Der selbe See, an dem auch unser Wohnmobil, Miss Liberty, geparkt ist. Der Weg wird zunehmend steiler und ich blicke jede Menge Steinen hinterher, als sie unter meinen Füßen, die Böschung herunter kullern. Zwei hochgewachsene schiefe Nadelbäume knarzen schaurig, als sie sich, durch den Wind, am Wipfel berühren und gefährlich aneinander reiben. Es hört sich zum Fürchten an. Als würden sie jeden Moment umstürzen. Doch davon lasse ich mich nicht weiter beeindrucken 😊 Ich denke lieber an die bösartigen norwegischen Trolle und die freche Waldgeister, die überall lauern könnten ☺️ Übrigens machen sich die Trolle untereinander, über uns Menschen lustig, denn, die für uns so bewundernswerten Wasserfälle, entstehen, wenn die Trolle mal für kleine Troll-Jungs müssen und sich deshalb auf einem Vorsprung erleichtern ☺️

Der Weg führt mich, gefühlt, nur noch berghoch, über abgebrochene Äste und abgekrachte Stämme, riesiger Bäume. Mal klettere ich unter ihnen durch, mal darüber hinweg. Noch immer keine Spur von dem angeblichen Aussichtspunkt. Dennoch muss ich auf dem richtigen Weg sein, denn die Bäume, die an mir vorüberziehen, sind alle mit einem blauen Streifen bemalt und ab und zu hängt sogar ein blauer Anhänger an einem Ast. Zu meiner Rechten entdecke ich ein Schild, das auf eine Gjetargrotta in 700 Metern, hin weißt. Ich bin augenblicklich Feuer und Flamme. Das lass ich mir nicht entgehen, diese Höhle muss ich unbedingt gesehen haben! Also wandere ich beschwerlichst, einen sehr steinigen und unbefestigten Wanderweg, nach oben. Vor lauter Wassergeplätscher, weiß ich nicht mehr wo ich hinschauen soll. Ich bin begeistert. Alles ist so lebendig. Das Wasser rauscht auf den unterschiedlichsten Wegen nach unten. Und fließende Wasserbächlein, kreuzen meinen Weg nach oben. Es ist sehr anstrengend und der Untergrund macht den Aufstieg nicht gerade einfacher.

Zum Fotografieren, gehe ich vor dem kleinen Wasserfall, in die Hocke, um nicht herunter zu fallen. Überall findet man etwas anderes, das einen in seinen Bann zieht. Das Geräusch des Wassers, ein Laut, eines Vogels, ganz egal, es ist wahnsinnig schön. Die Höhle ist längst vergessen. Leider komme ich nach einiger Zeit nicht mehr über die Felsbrocken, denn mehrere umgekippte, riesige Bäume versperren die Umgebung. Hier ist Schluss. Keine Chance. Schade, doch hier geht es wirklich nicht mehr vorwärts. Nichts zu machen.

Ich spüre meine Muskeln. Ich merke, wieviel Kraft ich habe und zu was ich allem fähig bin. Irre, dass ich dort überhaupt unbeschadet hoch kam, ist Leistung genug. Auf keinem Foto, dass ich schieße, sieht es annähernd so spektakulär aus, wie es in Wahrheit ist. In unserem Heimatland, Deutschland, wäre dies, zu hundert Prozent, kein ausgewiesener Wanderweg. Niemals. Vermutlich stünden hier etliche Verbotsschilder, die einen vor dem Tod bewahren sollten.

Mir passiert schon nichts, denke ich mir und genau in diesem Augenblick, löst sich ein lockersitzender Stein unter meinem Schuh, doch ich halte mich reflexartig mit einer Hand, an einem dünnen Birkenstamm fest. Glück gehabt ☺️ Angst habe ich vor einem Absturz keine, ich bin wirklich vorsichtig unterwegs (einschlafen möchte ich natürlich auch nicht..). Ich bin vorsichtig wegen meinen zwei Mitbewohnern im Wohnmobil, die kämen ohne mich nämlich so garnicht mehr klar. Wer soll denn dann in Zukunft das ganze Geschirr spülen? ☺️

Jetzt soll ich also den ganzen Weg wieder, auf den glitschigen, grün bewachsenen und feuchten Felsen herunter gehen und über tausend herumliegende Äste fallen? Nein, dazu habe ich überhaupt keine Lust, da brech ich mir allerhöchstens ein Bein oder meinen Arm. Oder beide Beine und beide Arme. Meine Entscheidung fällt schließlich auf einen platt getretenen (wahrscheinlich von Elchen) Pfad. Weicher Untergrund und jede Menge Geäst vor meinem Gesicht, machen mich, auf diesem, selbst gewählten Pfad, so langsam sauer. Ich kämpfe mich weiter. Leider merke ich relativ schnell, dass diese Vorgehensweise, einfach nicht die schlauste ist (dumm, sooo dumm 😄😄). Fast bereue ich meine Entscheidung, nicht zurück gegangen zu sein, doch ich bleibe tapfer. Irgendwann macht mir das ganze dann wirklich keinen Spaß mehr.

Am liebsten würde ich die riesengroßen Felsen herunterspringen und über die Bäume hinweg fliegen. Doch leider kann ich nicht fliegen. Das hat mir früher, in der Schule, natürlich wieder niemand, beigebracht. So viel zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben 😄 Fliegen wäre eine große Bereicherung gewesen! Ich denke mehrmals le** mich am Ar***, als ich ein Stück Abhang herunter rutsche und an einem Dornenzweig hängen bleibe. Meine Jeans ist verkratzt und nimmt einwenig rote Farbe an, die von meinem Knie darunter komm, doch halb so schlimm. Nochmals denke ich die verschiedensten (nicht jugendfreien) Ausdrücke und auf einmal geht es mir besser. Ich reiße mich zusammen und kraxle sehr sehr langsam und mit meiner unendlichen Geduld (haha☺️) einen Schritt nach dem anderen, nach unten. Ihr könnt Euch das wahrscheinlich nicht so richtig vorstellen, aber es ist irre steil, überall sind Wurzeln, Dreck, Matsch, alles sackt ab und alle möglichen Sachen brechen unter den Füßen weg..

Nach gefühlten hundert Stunden, kann ich meinen Augen kaum trauen. Ich sehe den Weg. Ich bin zurück! Jiihaaah 😄 Voller Freude springe ich weiter. Nach ein paar Minuten bemerke ich das heiß ersehnte Schild, mit Hinweis, auf den Panoramablick. Endlich bin ich da. Eeeendlich. Ich gehe über mehrere große Steine, (oder Trollrücken ☺️) bis ich freie Sicht auf die wunderschöne Landschaft habe und genieße einfach. Eine Holzbank läd mich zum Sitzen ein. An einem Baum ist ein dunkelgrüner Metallbriefkasten befestigt. Meine Neugierde siegt und bringt mich dazu, ihn zu öffnen. Kurz darauf fische ich ein hellblaues Buch heraus und entdecke darin mehrere Einträge, von Wanderern die sich vor mir, hier her getraut hatten. Auf dem Cover steht: After The Rain Comes The Sunshine. Ja, dass passt mal wieder 😊 Ich trage meinen Namen, mit dem heutigen Datum, zu den andren dazu und verlasse den Platz, mit dem sonnige Blick mit dem strahlenden blauen See, der von unendlich vielen Bäumen und hohen Felsen umrandet ist.

Der Rest des Weges, verläuft zwar bergab, über Wurzelwerk, dreckige Wasserlöcher und etwas Geröll, aber niemals so anstrengend wie zuvor durch den dichten wilden und überwucherten Wald. Ich hab es dennoch geschafft. Die Prozedur hat sich trotz dieser Unannehmlichkeiten gelohnt.

Als ich unser Wohnmobil und meine zwei süßen Mäuse sehe, mache ich drei Kreuze ☺️☺️

Dann gibts auch noch Fish without Chips, mit gekochten Kartoffeln. Heute ist mein Glückstag ☺️

Bis Bald,

Eure Kati 😊

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