Ich geh leben, kommst du mit? 😊

am

Nur noch sieben Tage bis zu unserem neuen Leben. Zum anderen neuen Leben.

Wie man sich da fühlt? Komisch. Es fühlt sich anders an, anders komisch. Undefinierbar.

Am Anfang konnte die Freude kaum größer sein. Informieren, planen, einfach was so anfällt, bevor man freiwillig ins Ungewisse hüpft. Eben die Vorarbeit leisten.

Tag X kommt immer näher. Der tägliche Weg zur Arbeit bleibt auf einmal erspart und ich erwische mich meist nur noch dabei Kartons einzuräumen und Unwichtiges auszusortieren. Kisten von A nach B schleppen, gefühlte millionenmal die Treppenstufen unseres bisherigen Zuhauses herunter rennen, um alles im Bus zu verstauen. In meinem Hinterkopf läuft die Szene unserer Abfahrt aus dem Film meines eigenen Lebens. Ich kann es wirklich nicht erwarten endlich ins Wohnmobil zu steigen. Doch es schleicht sich schon wieder dieses komische “anders“ in meine innere Gefühlswelt. Anders, weil es dieses mal ja wirklich anders ist. Es gibt kein Zurück mehr. (Ja ich weiß, klar gibt es das, ich meine einfach, dass kein Job, keine eingerichtete Wohnung und keine Waschmaschine mehr auf uns wartet.) Es ist kein Urlaub mehr, es ist eine Lebensweise. Vor uns liegt eine Reise. Vor uns liegt das Leben. Etwas, dass wir auf diese Weise noch nicht erlebt haben. Eine Ungewissheit, die Platz für so viel Spannendes, Aufregendes und Neues gibt.

Die Wohnung, in der wir viele Jahre, viele schöne Momente erleben durften, ist fast leer. Nur vereinzelt steht noch ein brauner Karton in der Ecke. Es sieht einsam aus. Nicht einsam, dass ich hier bleiben möchte, sondern irgendwie anders. Dieser Zwischenzustand ist sehr merkwürdig. Nicht zuhause und doch zuhause. Noch nicht weg, aber doch nicht mehr ganz da.

Die Möbel verkauft- und die vielen Besitztümer eingelagert zu haben wirkt auf mich total befreiend. Es tut richtig gut, sich von Sachen zu trennen und zu wissen, dass man ab sofort nur noch Verantwortung für ein Wohnmobil, ein paar lebensnotwendige Dinge, einen Hund und sich selbst zu tragen hat. Man hat wirklich viel zu viel bedeutungslosen Kram im Keller..

Es scheint, als würde die Vorfreude zur Nachfreude werden. Man sagt, Vorfreude sei die größte Freude. Ich glaube im Falle einer so langen Reise gilt dieser Spruch nicht. Bei einem solchen Abenteuer, liegt die Freude im Danach. Es zählt das was kommt. Es wartet so vieles auf uns, wozu wir im jetzigen Augenblick überhaupt noch nicht im Stande sind uns vorzustellen. Etwas, dass größer und weitreichender ist, als eine Ladung Vorfreude, die meistens zu schnell abklingt.

Der Abschied in ein paar Tagen wird mir wirklich schwer fallen, dass weiß ich. Schließlich gibt es doch ein paar liebe Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. (Glücklicherweise gibt es beinahe überall Telefonempfang und Internetzugang 😊)

Es werden mir warme, salzige Tränen über die Backe fließen. Doch wenn dieser Schritt hinter mir liegt und ich im Wohnmobil auf dem Beifahrersitz Platz nehmen kann, dann ist die Welt wieder in Ordnung.

Das ist doch schließlich nicht das Ende der Welt 😊

Heute ist Tag 0.

In ein paar Stunden übergeben wir die bis dahin hoffentlich leere Wohnung wieder an unseren Vermieter. Die Massen an Scheißdreck (Entschuldigung!😊) wachsen mir gerade über den Kopf. Am liebsten würde ich einfach schreiend davon laufen.

In der Zwischenzeit habe ich mir zur Beruhigung eine letzte Tasse Kaffee gemacht (ich meine natürlich einen letzten Kaffee in dieser Wohnung), atme tief ein und höre der Spülmaschine zu, die mir vermutlich in den nächsten zehn Minuten aus meiner kleinen Pause zurückholt. Bin ich froh, wenn dieses Umräumen endlich ein Ende hat.

Wir lesen uns 😊

Bis bald,

Deine Kati 😊

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich wünsche Dir eine schöne Zeit, viel nette Menschen und wunderbare neue Erfahrungen! 🙂
    Es würde mich sehr freuen, wenn Du Deine Erlebnisse hier mit uns teilst!

    Liebe Grüße, Werner

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  2. Kati sagt:

    Hallo Werner 🙂
    vielen lieben Dank 🙂 ich bin schon so auf die kommende Zeit gespannt und teile Euch natürlich gerne mit, was wir so erleben dürfen 🙂
    Liebe Grüße, Kati

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  3. Ilse Benz sagt:

    Liebe Katrin, wie schön du doch deine Gefühle beschreiben kannst! Hast so viel Tiefe! Man kann das so nachfühlen, was du schreibst. Danke, dass es dich gibt und danke, deine Mutter sein zu dürfen. Mach weiter so. Von Herzen deine Mama

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  4. Kati sagt:

    Danke, liebe Mama 😊 das ich dein Kind bin 😘

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  5. marionwurst sagt:

    Hallo Kati,

    auf deiner/eurer Reise wünsche ich ganz viele unvergessliche Erlebnisse! Hier kann man wohl sagen: “Der Weg ist das Ziel.“
    Bin auf deine Texte gespannt.
    Passt gut auf euch auf.

    Glg Marion

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  6. Kati sagt:

    Hallo Marion 😊
    tausend Dank 😊😊 Da hast du recht! Das machen wir auf jeden Fall 😊 Liebe Grüße Kati

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