Want to be happy? Stop buying things and go travel.

Wir sind zurück. Zurück von unserer 6-wöchigen Reise. Diese Erkenntnis hallt lange in mir nach. Es wird mich wohl noch eine ganze Weile beschäftigen. Ich mag es einfach nicht wahr haben.

Schön, dass ihr wieder da seit, hören wir aus aller Munde. Ich stehe neben mir und kann die Rücker nicht fassen.. Für mich endet dieses atemberaubende Abenteuer mit zwei traurigen Augen. Alle wieder zu sehen ist toll, keine Frage. Es ist schön, wieder gemeinsam zu lachen, sich austauschen und Zeit miteinander zu verbringen, doch die permanente (quälende) Sehnsucht nach Reisen schmerzt. Unsere Bekannten dürfen unzähligen Geschichten lauschen und tausende Fotos betrachten. (Vermutlich auch nicht immer so angenehm 🙂 ) Doch für mich ist die Erinnerung daran, der letzte kleine Zipfel, der mich vor der Realität bewahrt und mich vor dem schnell anrückenden Arbeitsleben nochmal etwas entfliehen lässt. Konkret heißt es, dass sich der Alltag viel zu schnell zurückmeldet. Viel zu früh. Ohne Vorbereitung. Einfach gnadenlos.

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Schon als wir die deutsche Grenze erreichen, ist die aggressivere und drängelnde Fahrweise und die gestresste und zum Teil ungemütliche Stimmung fühlbar. Die Uhr tickt hier um so vieles schneller. Es fühlt sich an wie in einem Traum. Weit entfernt in einer anderen Galaxy. Wie in einer großen Blase, die vom Wind, schneller und immer schneller durch die Luft getragen wird. Und am Ende zerplatzt.

Bei der Arbeit werde ich von den Paketmassen buchstäblich erschlagen. Heut zu Tage werden leider oft mehr als hundert Prozent verlangt. Wie soll ein Mensch das noch ertragen? Wieso lässt sich da nichts daran ändern? Nur weil wir mehr und immer mehr möchten, verlieren wir noch unser ganzes kostbares Leben. Wir setzen unsere Gesundheit aufs Spiel, um zum Beispiel ein tolles und schnelles Auto fahren zu können, was uns aber im Großen und Ganzen aus menschlicher Sicht nicht weiterbringt-so meine Meinung. So viel dazu. Ob ich vom Urlaub komme oder nicht, das Rad dreht sich weiter wie zuvor. Ich fühle mich, als säße ich in einem Karussell. Es dreht sich stundenlang im Kreis, mir wird schwindelig, ich komme kein Stück vorwärts, machtlos es anzuhalten. Gepeitscht von dieser Erkenntnis, gehe ich nun wieder täglich zu meiner Arbeitsstelle. In der Hand, die Freikarte fürs Karussell.

Nichts scheint wie zuvor. Doch alles ist gleich. Alles ist wie vor unserer kleinen „Auszeit“. Die Arbeit hat sich nicht verändert und sonst auch nichts, als wäre die Zeit einfach stehen geblieben. Nichts hatte sich verändert. Wirklich nichts? Doch. Ich selbst. Eine (Ver-)Wandlung passierte in mir. Hab ich mich so grundlegend verändert? Merkt das denn keiner?

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Wie unwichtig alles erscheint. Sinnlos. Trostlos. Das soll das Leben sein? Nein! Ich hatte es doch gespürt! Das aufregende Abenteuer. Ich hab die Freiheit geschnuppert. Die wilde Luft des Lebens. Ich vermisse das leichte und unbeschwerte Leben, dass es in Deutschland vermutlich nie so richtig geben wird. Jede Sicherheit, jede Versicherung, die das Leben einfacher und leichter machen sollte, birgt doch wieder eine Verpflichtung, oder? Und ist das nicht das Ende der Freiheit?

Meine Gedanken wirbeln schwindelerregend in meinem reizüberfluteten Hirn. Ich fühle mich fehl am Platz. Verstoßen aus dem „herkömmlichen“ Leben. Als hätte ich für diesen Teil einfach keinen passenden Schlüssel mehr, der reibungslos in den Zylinder passt.

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Ich sehe mich in unserer Wohnung um und bin erschlagen. Erschlagen von unwichtigen und mir mittlerweile sinnlos vorkommenden Dingen. Vollgestopfte Schränke und Regale, die wohl mein Dasein verschönen- und mit leben füllen sollten.

Mit vier Rädern am „Heim“, fühlen wir uns einfach am wohlsten.

Um meine Last, als die ich es im Moment empfinde, zu lindern, schnappe ich mir zwei Kisten, packe diese mit bereits gelesenen Büchern und herumliegenden Filmen voll. Schnell zugeklebt, mit einem Etikett versehen, an einen Onlinehändler verschickt und weg damit. Ein kleines bisschen Ballast abzuwerfen tut gut. Am liebsten würde ich aber zur Haustüre raus und spurlos verschwinden 🙂 Doch wir rennen nicht vor dieser mal etwas schwereren Zeit davon! Brust raus und auf in den „Kampf“! 🙂

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Gelernt habe ich unterwegs vieles. Zum Beispiel, dass man nichts Materielles zum Glücklichsein braucht. (Das war mir vorher schon klar, doch als Mensch brauchen wir ja meistens eine lehrreiche Erfahrung, um es wirklich zu begreifen und auch zu verinnerlichen.) Eine Reise führt einen automatisch zum „Kern“ zurück, habe ich das Gefühl. Man entfernt sich von alleine von Kommerz und co. Reisen verändert wirklich. Die Denkweise, die Empfindungen, man macht Erfahrungen, das prägt einfach. Und wie ich finde, bekommt man nochmal ein Stück mehr Mitgefühl für Andere. Höhen und Tiefen liegen ziemlich nah beinander, näher als vermutet. Doch in jedem Tiefschlag, so erfuhr ich, versteckte sich oft ein wundervoller atemberaubender Moment oder sogar ein ganzer unvergesslicher Tag. Draußen in der Natur ist alles so viel besser. Ein Waldspaziergang löst bei mir so manches schlechte Gefühl einfach in Luft auf. Was das Leben lebenswert macht, sind doch die Menschen, die Zeit, die man miteinander verbringt, den Respekt und die Zuneigung zueinander. Wer möchte denn nicht geliebt und geachtet werden? Sind wir respekt- und rücksichtsvoll im Umgang miteinander, fühlen wir uns doch alle viel besser, oder? 🙂

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Auch wenn es mir unendlich schwer fällt, zurück in mein Backförmchen gepresst zu werden, wie eine Masse die man zurück füllen möchte, obwohl sie schon durchgebacken ist, erkenne ich mit der Zeit auch die positiven Aspekte daran. Ist es nicht toll, dass mein Durst an Erlebnissen, aufregenden Erkundungstouren und Erfahrungen noch lange nicht gestillt ist? Ich spüre es mit allen Sinnen. Ich fühle mich wie ein kleines Kind an der Hand seiner Eltern, dass am liebsten in jede Richtung gleichzeitig springen möchte, um ja kein Käferlein, keinen Schmetterling oder Blümchen unentdeckt zu lassen. Würde ich etwas ändern (wollen), wenn ich trotz alle dem blendender Laune wäre? Vermutlich nicht. Mein Leben würde verlaufen wie bisher. Ich würde tatsächlich jeden Morgen mit dem kleinen Murmeltier an der Hand zur Arbeit fahren und am Ende die ganze große Welt verpassen!!

Diese Erkenntnis ist ein großes Geschenk. Ich bin dankbar dafür. Jetzt müssen wir nur noch bis Ende Dezember durchhalten, auch wenn es unendlich schwer fällt.

Bis bald,

liebe Grüße Eure Kati

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