Fall in love with moments.

Oxfords Bakery? Wow! Wir sind sofort Feuer und Flamme. Ein alter, weißer, verbeulter Lieferwagen steht in der Einfahrt vor der Bäckerei, bereit zum Beladen. Das traumhafte Flair zieht uns magisch in seinen Bann. Eine wundervolle alte traditionelle Bäckerei in einem Backsteinhäuschen. Durch die großen in kleinere, viereckig geteilten Fenster erhaschen wir einen Blick auf einige werkelnde Bäcker. Mehl liegt in der Luft. Unsere Leidenschaft ist geweckt. Wir wagen einen Schritt über die Schwelle in Richtung der Backstube. Eine Frau Mitte vierzig grüßt uns freundlich. Als wir ihr mit Händen und Füßen zu verstehen geben, dass auch wir zwei Leidensgenossen sind, werden wir sogar dazu eingeladen, die Backstube zu erkunden. Unsere Begeisterung steht uns wahrlich ins Gesicht geschrieben. Wir sind sehr dankbar für diese tollen Einblicke.

Im Hinterhof lädt uns eine kleine Bank auf der Wiese zum Verweilen ein. Was für eine tolle Atmosphäre. Wir lassen uns so manche Leckereien schmecken. Sour-dough-bread, lardy cake und Chelsea-buns. Trotz des verregneten und ungemütlichen Wetters ist der Moment perfekt.

Mir geht es so gut unterwegs. Ich möchte das Leben spüren, an jedem Grashalm, der durch meine Hand streift, an jedem Windhauch in meinem Gesicht, an jedem warmen Sonnenstrahl auf meiner Haut und an den Steinchen und dem Sand unter meinen Füßen!

Zu Mittag stopfe ich Pommes (chips) zwischen meinen Burger, wie meistens und beiße genussvoll hinein. Beim Kauen fällt mir ein, ich hatte gelesen, dass die Briten das tatsächlich auch so machen würden. Ich gehöre halt doch hierher.

Wir erkunden eine verträumte Mühle mit naturreichem Anwesen, in ‚Cann‚. Es ist wunderschön. Außenrum ein schöner naturbelassener großer See, der das Wasserrad antreibt, um Strom zu erzeugen, viel Grün, eben in mitten einer prächtigen Natur. Der Besitzer heißt uns freundlich willkommen und gemeinsam vespern wir frisch gebackenes Brot mit frischer Butter und richtig gutem Cheddar. Das herrliche Brot wird neben an in einer Backschule hergestellt. Es ist köstlich.

Am Abend erreichen wir endlich wieder die Küste. Wir haben sie so vermisst. Wie wir leider schnell bemerken, sind im Moment Schulferien und scharenweise Kinder unterwegs. Fürchterliches Geschrei und lautes Gebrüll dringen uns bis spät in der Nacht ans Ohr. West Bay hatten wir ruhiger in Erinnerung.

Am nächsten Morgen, als sich unsere Enttäuschung vom Vorabend etwas gelegt hat, ziehen wir nach Seatown um, in der Hoffnung auf weniger Lärm (im Nachhinein war es das Beste, dass uns passieren konnte, denn es wird der schönste Campingplatz der ganzen sechs Wochen). Die Anfahrt ist das reinste Abenteuer. Schmale und engste Straßen, mit himmelhohem Gebüsch an den Rändern, führen uns ins fünf Kilometer entfernte Seatown. Crazy! Irgendwie gewöhnt man sich schon daran. Es gehört einfach zu diesen Straßenabenteuern dazu. Muss man doch noch kurz vor Schluss einen Kilometer rückwärts fahren oder kommt ausnahmsweise mal kein Gegenverkehr? Man weiß es vorher nie. Es bleibt immer spannend.

Vor uns mündet die kleine befestigte Straße nach links in die Einfahrt des Campingplatzes „Golden Cap„, wo wir allerdings erst nach fünfzehn Uhr aufschlagen dürfen, und zur rechten Hand führt der Weg geschwungen bergab über eine sehr sehr seeehr schmale hölzerne Brücke, zu ungefähr zwei Zentimetern Abstand zum Wohnmobil an jeder Seite, auf einen sandig-gelben Parkplatz. Alles heil und ohne Kratzer. Ein älterer Herr kassiert die Parkgebühr und verschwindet wieder in seiner kleinen Bude. Der erste Eindruck? Liebevollste Perfektion bis ins letzte Detail. Unübertrefflich. Den Strand und das tiefblaue Meer, dass uns innerhalb von einer Sekunde auf die andere den Atem verschlägt, lässt uns aus tiefstem Herzen über alle vier Backen grinsen. Ich fühle diese unendliche, nicht nachlassende Zufriedenheit in mir. Mit keinem Menschen auf der Welt würde ich jetzt tauschen. Im Hintergrund erheben sich die riesigen, Gras bedeckten Klippen, die alles drumherum liegende mütterlich zu bewachen scheinen. Die hohen sanften Hügel winken mir verlockend entgegen.

Dieses Schauspiel: der Himmel ist klar und sonnig, ich blicke auf die grünen Hügel, die Schäfchen, wie weiße kleine Punkte, Sekunden später der Wind, der den Dunst vom Meer sanft über die Landschaft zaubert und alles darin zu verschwinden scheint. Man kann kaum mehr als zwei Schritte weit sehen und heimlich wünsche ich mir, mich zu verlaufen, denn dann könnten wir gezwungenermaßen länger bleiben und die atemberaubende Natur noch einen Moment länger erleben. Mir fehlen die Worte, um dieses wundervolle Stück Welt zu beschreiben. Ich bin tief berührt. Ich bin endlos beeindruckt und schau auf das Naturpanorama aus, mit rosa Blümchen bewachsenen Klippen, das darunter wartende türkis-blaue Meer und den hellen weitreichenden Sand. Ich könnte stundenlang da sitzen und staunen. Das ist der Himmel auf Erden. Ich schieße ein paar Fotos und jedesmal wenn ich sie betrachte, kommen sie mir so unwirklich vor. That’s f***ing amazing!

Wir gehen auf eine längere Entdeckungstour über die Weide, umringt von süßen uns zum Gruß anglotzenden Schäfchen, die sich den ganzen Tag ihrer Nahrungsaufnahme widmen. Fröhlich blocken sie abwechselnd im Kreis herum. Wer weiß, vielleicht dient es bei den vierbeinigen Wolltieren untereinander zur Bestätigung der Anwesenheit? Ich würde mir wahrscheinlich sehr schwer tun, um sie alle auseinander zu halten (ich bin ja auch kein Schaf..), doch mit täglicher Übung und der hier ansässigen Gelassenheit, geht so bestimmt kein Schaf mehr verloren. Wer nach so einem ereignisreichen, aufregenden Tag Probleme mit dem Einschlafen hat, hat hier wirklich genug Material zum Zählen.

Am nächsten Morgen.

Ich strotzte vor Energie. Sunny ist noch ko von der gestrigen Wanderung. Ich kann es nicht erwarten, die Schönheit der hiesigen Natur bei Sonnenschein in mich aufzunehmen, doch Sunny ist träge und gönnt sich einen Happen Schafskacke nach dem anderen (alle zwei Schritte wieder einen Mund voll, sie ist sooo widerlich..), das muss ja wirklich irre schmecken. Sie lässt sich wirklich nichts entgehen. Fast hätten wir uns um das nächste Knödelchen gestritten.

Schäfchen springen fröhlich kauend um uns herum. Das Sonnenlicht, dass auf die Hügel strahlt, wirft wunderschöne Schattierungen auf das Gras. It’s lovely! Erstaunlich, wie mich so etwas mitten in mein kleines Herz trifft. Ich bin saumäßig glücklich. Zum Abschluss rennen wir den Berg herunter, nach Hause, um mit Tommy Kaffee auf unserer „Veranda“ zu trinken. Ich fühle mich pudelwohl.

Es gibt Rührei und Nutellabrot zum Frühstück, denn Nutella schließt bekanntlich den Magen, so heißt es doch.. Die kräftige Sonne wird im lauf des Tages vom Nebel verschlungen, während sich unser Hund im Graben hinter Miss Liberty verkriecht. Ab und zu lässt sie ihren Kopf (eher Dickschädel) in die Höhe schnellen. Etwas unbeholfen versucht sie ein kuscheliges Nest für ihren nicht vorhandenen Nachwuchs zu bauen und einzurichten. Hab ich schon erwähnt, dass sie nicht alle Tassen im Graben hat? Es dauert nicht lange bis sie ihren alten Kauknochen hinein trägt, den sie nicht knabbern wollte und schaut uns bedröppelt durch einen Busch kleiner lilaner Blümchen an. Our crazy dog.

Das Meer, fast menschenleer und verlassen, ruft laut nach uns. Die Sonne lässt den Nebel verdunsten. Von weit oben läuft frisches klares Wasser aus den Klippen und tropft an den zarten Wurzeln einiger Pflanzen und an der Felswand nach unten. Sunny trinkt gierig davon, als ich es für sie mit der Hand auffange. Wind weht durch unser Haar (zumindest durch meines..), ich bin glücklich und zufrieden. Sunny hat total viel Spaß Stöckchen im Wasser zu suchen. Hohe Wellen brechen über ihr ein. Leidenschaftlich und startbereit kämpft sie sich wie ein Profischwimmer wieder zu uns durch. Schön, sie so zu sehen. Um fünf Uhr kommt der Fish’n’chips-Wagen vorgefahren, wir haben ein Date, wir müssen los!

Seatown