Ich reise nicht um vor dem Leben davon zu laufen. Ich reise damit mir das Leben nicht davon läuft.

Die Sonne versteckt sich hinter den Wolken, doch wir lassen uns dadurch nicht das ausgedehnte Frühstück vermiesen. Vor uns steht ein Tisch voll mit Leckereien. Gekochte Eier, Marmelade, Nutella, frisches Brot, alles was das Herz begehrt.

Wir radeln mit den Fahrrädern an den gegenüberliegenden Strand. Auf der asphaltierten Straße, die es zu überqueren gilt, reihen sich hunderte “Jahrmarkts“-Buden nebeneinander auf. Wo sind wir denn hier gelandet? Nach Leuchtreklame, Zuckerwatte und Freizeitpark ist uns garnicht zu mute. Noch ein Stückchen den engen Verlauf des staubigen Weges zum Strand berghoch (ich falle beinahe um) und schon sind wir da. Fester sandiger Boden kommt uns unter die Räder. Der erste Eindruck: Mallorca-Feeling. Wir blicken auf einen meilenweiten plattgefahrenen Strand. Sogar Autos dringen bis hier heran. Doch wir werden überrascht. Es ist zwar nicht der schönste Strand, den wir auf unserer Reise gesehen haben und sehen werden, aber zum Radeln wirklich spitze. Mit einer Leichtigkeit brausen wir den Strand entlang. Begegnungen mit der Tier- und Menschenwelt mit eingeschlossen. Auf dem Rückweg sieht es dann ganz anders aus. Der starke Gegenwind bringt unsere Beinmuskeln zum Glühen und verlangt uns so einiges ab. Wir kämpfen uns mit all unserer Kraft durch die durchsichtige “Luftbeton“-Wand. Es ist sehr anstrengend.

Das wohlverdiente Mittagessen bekommen wir bei ‚Beachcomber‘ einem Strandrestaurant, serviert. Bier, Krautsalat, Salat mit Zwiebeln, Gurkenscheiben und Tomaten dekoriert. Hamburger mit Käse, Zwiebelringen und Pommes für Tommy und für mich einen Burger mit Chicken. Leckere heiße curly-fries und verschiedene Soßen zur Auswahl dürfen auch nicht fehlen. Zu guter Letzt gibt es natürlich noch ein Eis. Außer Sonnenschein und einer schönen kühlen Dusche, gibt es an diesem Tag nicht mehr viel.

Der nächste Tag.

Kurz vor Acht Uhr am Morgen macht sich Sunny bemerkbar. Kein Grund zur Sorge. Ich gehe aufs Töpfchen, als Sonny wieder in ihrer Kiste verschwindet. Ich richte ihr Futter in den Napf und gieße ihr frisches Wasser ein. Sie erhebt sich, mustert es kritisch, wendet sich wieder ab und wackelt zurück in ihr Bett. Ein Ruf nach ihr, aber keine Reaktion. Ja, sie hat ja recht, jeden Tag der selbe Fraß.. Weiterhin fehlt jede Spur von Sunny. Sogar während unseres Frühstücks lässt sie sich nicht blicken und das soll was heißen.

Gut gelaunt (und ausgeschlafen) spazieren wir über die Felder, die sich weit hinter dem Campingplatz entlang ziehen, über grüne Wiesen und Getreidefeldern an einem Teich vorbei, der viele elegante weiße Schwäne mit Nachwuchs beherbergt.

Alle zehn Minuten absolviere ich meine täglichen Liegestützen auf der Wiese. Ich fühle das Gras unter den Händen und zwischen meinen Fingern und lege mich  auf den Boden. Eins mit der Natur. Sunny kommt sofort angerannt und schleckt mir übers Gesicht. Wir albern ausgelassen herum. Die Wärme der Sonne tut unbeschreiblich gut. Ich genieße den Moment mit Sunny.

Eine Taube nähert sich auf dem Holzzaun vor unserem Gefährt. Ganz langsam, eine Kralle vor die andere. Sie beobachtet uns. Sunny bemerkt sie auch, verhält sich aber ausgesprochen ruhig. Das Täubchen fliegt auf das Gras, direkt vor Sunnys Schnauze. Der Hund lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und schielt unberührt zu ihr hinüber. Doch als sie die Frechheit besitzt, den Schnabel in ihren Napf zu tauchen und zu nippen, ist auch ihre Geduld ausgeschöpft und sie verscheucht den frechen Eindringling.

Ich bin angekommen. Ich fühle mich leicht, entspannt und befreit. Ruhe und Gelassenheit durchströmt mich. Ich bin bereit für diese Welt, möchte nicht mehr „nach Hause“, denn ich bin es hier schon. Die Welt aus Unruhe und Hektik brauche ich nicht mehr. Ich habe mich davon gelöst, bin entfesselt, habe es geschafft aus diesem Tunnel der Hundert-Sachen-zur-selben-Zeit zu entfliehen. Die Menschen und Situationen die sich direkt vor meinem Auge anbieten, möchte ich beim Schopf packen, spontan darauf eingehen und auskosten. Das Leben des Moments. Leben, fühlen, lachen und genießen. Be here now.

Feierabend! Budweiser, Prost!