You weren’t born to just pay bills and die.

Die Sonne empfängt uns in ihrer vollen Schönheit. Besser kanns fast nicht werden. Wir gehen durch die betörenden Ginsterbüsche in Richtung Leuchtturm, dort wo wir am Tag zuvor die Delfine bewunderten.

Wir kämpfen uns durch anstauenden dichten Verkehr, der sich durch Ortschaften und kleine Dörfer zieht, anstrengend diese Fahrerei. Nur sehr langsam geht es vorwärts. Einige Stunden später wissen wir den Grund dafür: mehrere Transporter mit riesigen Teilen eines Windrades werden hier herum gekarrt.

Egg-Hamburger

Fast haben wir es übersehen! Das Glenfiddich-Schild. Schlagartig wird die Route geändert. Das lassen wir uns wirklich nicht entgehen! Straßen durch die pure Natur, durch die Einsamkeit. Umgeben von Wald und Wiesen. Schon dieses Aussicht macht mich unbeschreiblich glücklich. Hier soll dieses Weltunternehmen sein? Wahnsinn. Landschaftlich total schön. Miss Liberty wird auf einem freien Platz abgestellt. Wir kommen gerade richtig und laufen hinter der wartende Menschenmenge her.

Die Führung durch die Anlage dauert mehr als 1,5 Stunden. Es ist echt spannend, nett und sehr interessant. Wirklich empfehlenswert und zum Abschluss bekommen wir drei Gläschen Whiskey vorgesetzt. 12, 15 und 18 Jahre alt. Mannoman, dass der solange halten kann.. Im Shop decken wir uns noch mit dem bräunlich-klaren Wässerchen ein und gehen gemütlich zum Wohnmobil und zu Sonny zurück.

Miese Laune erfüllt die Luft im Wohnmobil. Sunnys Stressattacke liegt nur ein paar Minuten zurück. Sie hat mal wieder gute Arbeit geleistet. Mehr möchte ich im Moment nicht erzählen, ich muss mich erstmal etwas abreagieren. Es liegt einfach noch zu nah.

Auf nach Newburgh! Hoffentlich kommt die gute Laune bald wieder aus dem Keller zu uns zurück gekrochen.

In Strandnähe an einer Straßenauffahrt finden wir ein Restaurant, ordern ein großes Bier und einen zauberhaften panierten Fisch. Vor mir liegt er in seiner ganzen Pracht. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Ich sehe dieses saftige weiße Fleisch in brauner Kruste, die grünen mashed peas, Zitrone für den letzten Kick und die leider zu dicken chips, die auch nicht weiter zu erwähnen sind. Auf gehts, Essen fassen. Es ist sooo köstlich. Delicious! Ich könnte eine weitere Portion verdrücken.

Ein kleines kuscheliges Plätzchen (wie für uns gemacht) wartet schon darauf, dass wir dort unser Nachtlager aufschlagen. Wir verkriechen uns an den Strand und genießen die letzten Sonnenstrahlen des abends. Mit einer wunderschönen Gassirunde am Sandstrand, die mir noch lange in Gedanken bleibt und beruhigend in den Schlaf taucht, endet unser Tag.

Mit einer angenehmen morgendlichen Wärme spazieren wir entspannt über die Dünen. Der Himmel voller orange-gelber aufgehender Lichter. Ich muss lächeln, da hat der Himmelszuständige mit seinem großen Farbtopf wirklich gute Arbeit geleistet. Freundliche Hundebesitzer queren unseren Weg. Nach einiger Zeit erreichen wir das vorderste Stückchen Strand und sehen das gegenüberliegende Ufer. Die Landzunge ist mit schwarzen Flecken bekleckert. Robben. Unzählige süße Robben. Als wir uns nähern, geht ein Raunen durch die Menge. Einige Robben machen sich schwerfällig zum Absprung bereit und verschwinden im Handumdrehen im Meer. Möwen quatschen laut vor sich hin, als würden sie sich über den neuesten Tratsch austauschen. Einige Robben schlummern faul in der Sonne und grunzen. Echt goldig. Hier haben wir ein wirklich großartiges, fast menschenleeres Plätzchen gefunden. Zurück im Wohnmobil, frühstücken wir gemütlich und ich erzähle von den Seals (Robben). Tommy möchte dann natürlich gleich los. Die Kamera ist auch mit im Gepäck. Ich kann mich an diesen niedlichen Tieren nicht satt sehen. Wir werden beobachtet 🙂 immer wieder taucht eine Robbe ab, versteckt sich und kommt zurück an die Oberfläche. Doch die kühle Luft und der Wind treiben uns von alleine zurück ins kuscheligwarme Zuhause.

Einige Kilometer weiter, so heißt es, würde man näher ans Geschehen kommen. Da wir meistens in den Tag hinein leben und diese tolle Landschaft gerne noch weiter erkunden möchten, machen wir uns gleich auf den Weg. Ein langer Fußmarsch durch einsame Dünen, herrlichen Sonnenschein und feinen hellen paradiesischen Sand. Das Meer ist in Sichtweite. Die Geräusche der schwappenden Wellen gefällt mir so gut, die atemberaubenden Klänge der Natur. Ich lausche dieser Musik und koste sie aus. Wir haben den Strand für uns alleine.

Schottland kommt mir vor, als seien die unterschiedlichsten Länder in einem einzigen vereint worden. Es gibt von allem und für jeden etwas zu sehen. Grandios! Leider oder zum Glück darf man nicht über die andere Hälfte des Strandes. Es ist abgesperrt. Wir empfinden es, trotz der kleinen anfänglichen Ernüchterung, als gut, denn wo soll die einheimische Tierwelt sonst ungestört unter seinesgleichen leben? Dieses Fleckchen Natur soll auch weiterhin nur ihnen gehören.

Es war ein schönes Erlebnis. Diese Wanderung hat uns sehr bereichert und ich bin dankbar dafür. An Missy angekommen, machen wir uns auf nach Aberdeen, kaufen Naturalien ein und stellen uns in Stonehaven, einem schnuckligen Küstenort ab. Schön sieht es hier aus. Vor uns das Meer und über uns die blökenden Schäfchen, die auf den weichen Hügeln saftiges frisches Gras fressen.

Der große Hunger kündigt sich an, schnell wird Abhilfe geleistet. Gemütlich schlendern wir an der Promenade entlang, setzen uns auf ein Bänkchen in die Sonne und bestellen uns wundervolle fish n chips. Als der Schatten etwas näher rückt und der Wind uns mit einer kühlen Brise über die Haut weht, holen wir uns noch schnell einen Bollen Eis mit Süßigkeiten als Topping (für Tommy Pistazie, für mich Schoko) zum Nachtisch und machen uns auf den Rückweg. Das Eis sieht total ansprechend und köstlich aus. Da kann man einfach nicht ’nein‘ sagen. Es ist erstaunlich wie wenig man unterwegs zum Glücklich sein und zum Leben generell braucht. Ich liebe dieses Leben und vermisse überhaupt nichts. Was wir hier haben ist Luxus pur, auch wenn es für den ein oder anderen so garnicht danach aussehen mag. Für mich ist es das Allergrößte auf der Welt.

Ausgekühlt und mit vollen Bäuchen wärmen wir uns jetzt erstmal im Wohnmobil auf. Ich freue mich einfach hier sein zu können. Ich komme an, mir geht es gut. Was für ein Leben, was für ein Gefühl.