Genieße deine Zeit, denn du hast nur jetzt und heute. Morgen kannst du gestern nicht nachholen und später kommt früher als du denkst. (Albert Einstein)

Heute Morgen werden wir von der aufgehenden Sonne geweckt, unausgeschlafen aber glücklich. Sunny ist noch nicht bereit in diesen neuen Tag zu starten. Sie verkriecht sich in ihrer Kiste und seufzt.

Der Sonnenschein lockt mich aus dem Wohnmobil. Ich kann einem Spaziergang nicht mehr widerstehen. Ein angenehmer, erfrischender Wind weht uns durch das Haar. Die Klarheit und Reinheit des anbrechenden Tages ist zu spüren.

Wir gehen über das weiche Gras auf die andere Seite der Klippen. Es ist angenehm warm und wunderschön. Viele Seagulls fliegen über das Meer und halten Ausschau nach etwas Essbarem. Deren lautes Gekreische ist unmöglich zu überhören und begleitet uns noch auf dem ganzen Rückweg. Was für eine grandiose Aussicht. Warmes Licht spiegelt sich auf dem Wasser. Ein Fels ragt heraus. Auf der anderen Seite die leuchtenden Klippen und unmittelbar hinter uns saftiges Grün. Ich verliebe mich schon wieder. Wie, das geht nicht? Doch und zwar in jedem einzelnen kleinen Moment.

Unser Ziel ist eine sandige hübsche Bucht direkt am Meer, sie liegt nur ein paar Kilometer entfernt in Dunnet. Es ist unheimlich schön dort. Wie eine Verrückte renne ich am Strand entlang, diese Schönheit in mir aufsaugend, bis ich nicht mehr kann. Ich fühle das Leben, ich spüre mich, mein wild klopfendes Herz, meinen Atem, meine Freiheit. Und ich stehe total drauf.

Mit unseren Klappstühlen setzen wir uns windgeschützt in die Dünen, gönnen uns Ruhe und genießen die Einsamkeit.

Gegen später laufe ich barfuß und mit dem schönen Gefühl von Sand zwischen den Zehen ans Meer. Ich finde es erst weit entfernt, sehr weit draußen. Kühle Wellen umspülen sanft meine weißen Füße, während ich mich nach Muscheln, die verstreut im nassen Sand liegen, umdrehe und besonders schöne Objekte suche.

Am späteren Nachmittag schmeiße ich nun zum dritten Mal auf dieser Reise einen Becher Kaffee um (ich? ungeschickt? Nein.. Und es soll nicht das letzte Mal gewesen sein..) und wir machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz für die Nacht. Es wird ein ganz Besonderer. Zwischen wilden Tieren, vielen Bäumen und Haufen weiße Gestrüpp. Irgendwo im Nirgendwo. Keiner wird uns finden.

Der nächste Tag

Heute hat meine Mama Geburtstag. Wir möchten heute unbedingt nach Fortrose, denn dort soll es Delfine geben. Die Zeit, die wir auf der Straße verbringen, vergeht wie im Flug. An der Küste entdecken wir so viele wunderschöne Dinge. Die Tierwelt, eine zauberhafte Landschaft, mehr als man sich wünschen und erträumen kann. Duftende, üppige gelbe Ginsterbüsche. Der Geruch? Unbeschreiblich. Ich werde ihn nicht mehr vergessen. Eine so atemberaubende hübsche und liebevolle Natur.

In Fortrose erklärt uns eine nette Frau, die Besitzerin des Campingplatzes, wann und wo wir die grauen Schönheiten am besten zu Gesicht bekommen. Wir parken auf Platz 18. Da uns noch ein bisschen Zeit bleibt bis die Flut kommt, brechen wir ins nahegelegene Dorf auf, um Kuchen oder Gebäck zu kaufen. In einer kleinen Bäckerei werden wir fündig. Vor der Eingangstüre gibt es einen Hundeparkplatz und wir kommen ins Grübeln. Sollten wir Sunny vielleicht doch anbinden und schnell abhauen..? (Stille. Keiner sagt ein Wort.) Wir entscheiden uns dagegen. Sunny hat sich in den letzten Tagen wirklich zu ihrem besten verändert -ihr Glück 🙂

Vor dem Verspeisen der kleinen niedlichen runden Kuchen, wir können es kaum erwarten, holen wir zwei Kerzen aus der Verpackung. Eine in Form einer Sechs, die andere in einer Fünf, stecken diese in den Kuchen und legen die Kamera bereit. Tommy zündet den Docht an und wir schießen ein gemeinsames Foto, dass wir Mama an ihrem Ehrentag zuschicken. Keine Sekunde später stürzen wir uns auf die süßen Leckereien, denn die müssen wir leider selbst essen 🙂

Mit einem warmen Pulli und kurzer Hose treten wir ins Freie. Die Gezeiten ändern sich. Die Flut kommt. Auf einem ruhigen Weg wandern wir durch ein Meer aus Ginster, dessen Geruch sich in meiner Nase zu einer wunderbaren Explosion der Düfte entwickelt, das dunkle Blau immer in Sichtweite. Einige Menschen warten schon auf die Delfine (am Chanonry Point), während wir uns ans Wasser vor arbeiten. Möwen kreisen am Himmel, eine freche entdeckt aus der Luft durch die Wasseroberfläche einen Krebs und schnappt ihn sich mit ihrem Spitzen harten Schnabel. Vor unseren Augen knipst sie ihm die Scheren und Beinchen ab und verspeist ihn genüsslich. Harte Natur oder Überlebensinn?

Und dann, nach einer Stunde, sehen wir wie sich im Wasser etwas regt. Aufgeregt entdecke ich einen graublauen Rücken. Ich bin hin und weg und benehme (und fühle) mich wie ein Kleinkind, dass aufgeregt auf sein großes Schokoladeneis mit Sahne und Schokostreusel wartet. Mehrere Delfine hüpfen in die Höhe, tauchen wieder unter oder hauen sich unmittelbar vor uns den Bauch mit Meerestieren voll. Was für ein unbeschreibliches, großartiges Erlebnis, es ist der Wahnsinn. Sie springen aus dem Wasser und spielen sich gegenseitig hoch. Keine Millisekunde traue ich mich, meine Lider zu schließlich, aus Angst, ich könnte einen Moment verpassen. Berauschend. Einzigartig. Pures Glück überfüllt unser Gemüt. Wer braucht da noch die gut versteckte Schatzkiste, gefüllt mit schweren goldenen Münzen am Meeresgrund?

Mit Vogelgezwitscher und Wellenrauschen schlafen wir am späten Abend mit einer unendlichen Leichtigkeit ein.