Folge den Dingen die dich begeistern, denn sie sind deine Bestimmung.

Auf dem Teller vor mir liegt ein leckeres Brot mit Putenbrust und wartet darauf gegessen zu werden. Das Schneemann-Nutellaglas (gab es im Aldi, Verfallsdatum ist in Ordnung) steht auch schon bereit. Den Abwasch lassen wir ausfallen, da uns über Nacht das Gas, für warmes Spülwasser, ausgegangen ist. Darum fahren wir erstmal nach Loch Ness, um unsere Freundin Nessie zu besuchen. Vielleicht ist sie heute mal mutig und traut sich unter Menschen. Sie soll sehr scheu sein habe ich gehört. Doch keine Spur von Nessie. Wie untergetaucht. Ich kann es verstehen, wir sind heute selbst total daneben und würden am liebsten zurück ins Bett kriechen. Sie hatte wohl eine lange Nacht und schläft gerade ihren Rausch aus. In diesem Zustand möchten wir sie auch nicht besser kennenlernen. So gehen wir mit unserer eigenen fellüberwucherten Nessie Gassi und es dauert nicht lange bis es anfängt zu tröpfeln. Es passt gut zu unserer derzeitigen, müden Stimmung. Mit Sonne ist einfach alles tausendmal schöner und angenehmer. Doch ab und zu blinzelt sie uns durch die dichten Wolken zu.

Auf dem Rückweg beratschlagen und diskutieren wir über die weitere Strecke. Ich möchte noch so vieles sehen. Papageientaucher (Puffins), Adler, Wale, Delfine und Robben. Allerdings ist mir auch klar, dass wahrscheinlich alles nur ein Traum bleibt. Wir beschließen, zuerst unser Glück bei den Puffins zu versuchen.

Gegen Abend fahren wir über eine triste, verlassene, abgelegene Straße. Die kleine einsame Straße endet in einem schmalen Weg und bringt uns durch eine kurvenreiche Gegend an den nördlichsten Punkt der Insel. Gegenverkehr bleibt aus, wir sind erleichtert. Danach wieder eine landschaftliche Reizüberflutung. Ein weiß-goldgelber Leuchtturm mit einem dunklen Hut auf dem Kopf, begrüßt uns aus der Ferne. Zwei frisch gewaschene, große, weiße Unterhosen lachen uns auf der gespannten Wäscheleine des Leuchturmwärters entgegen.

Einige Wohnmobile und Campervans stehen auf dem Parkplatz. Wir stellen uns zu ihnen dazu und kochen erstmal einen Topf Spaghetti, während sich der verhangene Himmel etwas auflockert.

Ein wenig außerhalb des Geschehens kommen wir an einer kleinen Mauer vorbei, laufen über eine große grüne Wiese, leicht feucht vom trüben Nachmittag, der Blick zu den Klippen und darüberhinaus das dunkle blaue wunderschöne Meer. Die Wellen schlagen gegen die Felswände, Möwen (seagulls) kreischen aufgeregt über uns hinweg und die Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Wolken. Im vom Wind und Salz des Meeres ausgehöhlten Sandstein der Klippen nisten die verschiedensten Vögel. Wir beobachten die unterschiedlichsten Arten. Die Luft bleibt mir weg, ich sehe ihn, ich sehe ihn wirklich! Der Papageientaucher! Das ist ja der Hammer! Mir ist nach riesigen Luftsprüngen zu mute. Ich bin ein weiteres Mal überfüllt vor Glück und Freude. Tommy erwischt die kleinen schwarzen Vögel mit ihren weißen Bäuchen und dem orangefarbenen Schnabel mit dem großen Objektiv seiner Kamera. Eine unglaublichen Stille und Zufriedenheit begleitet uns beim Beobachten der schönen eleganten Tiere. Vor und neben uns der Abgrund und das tosende salzige Wasser. Wie klein und unscheinbar wir doch sind. Wir winzigen Menschen auf diesem grandiosen weiten Erdball. Die Sonnenstrahlen und das Ende der Welt, es verschlägt mir den Atem. Wer hätte gedacht, dass wir diese Schönheit, die sich durch die untergehende Sonne über das Meer hinweg spiegelt, die Stille und die Einheit mit der Natur heute und in diesem Ausmaß erfahren dürfen? Ich bin so dankbar.

Mit dem letzten rotleuchtenden Tageslicht verabschieden wir uns vom heutigen Tag.