Du musst nicht immer einen Plan haben. Manchmal musst du nur atmen, vertrauen, loslassen und schauen was passiert.

Nach zwei Tagen Regen (das ist überhaupt nicht unser Wetter, wir könnten permanent schlafen), traut sich an diesem Morgen endlich wieder die Sonne heraus. Putzige knuddelige Häschen springen um unser Wohnmobil auf der im Sonnenlicht glitzernden Wiese. Sie sind so goldig. Kleine Hasenbabys kommen aus ihrem Bau in der Erde gekrochen und machen ihre ersten Erfahrungen auf dieser Welt. Drei ungewöhnlich aussehende Vögel, deren spitzer langer Schnabel weit nach vorne ragt, rennen wie verrückt über die Wiese. Es sieht sehr witzig aus. Ich mache einen Schritt auf sie zu, schon rennen sie blitzschnell davon.

Von den Anfängen Schottlands sind wir ein bisschen enttäuscht, wobei der Regen wahrscheinlich nicht ganz unschuldig daran ist. Anscheinend beginnt die Schönheit des Landes erst in den Highlands. Verständlich, denn beim Menschen ist es doch meist genauso. Der oberste Teil ist oft schöner als der schwabbelige Rest 🙂

Bevor wir loskommen rennt Sunny am Kabel, dass zum Laden meines Handys an der Steckdose hängt vorbei, nimmt es mit und ertränkt mein mobiles Telefon in ihrem aufgefüllten Trinknapf. Frisch getauft lege ich es zum Trocknen auf die Seite. Sie hat ja recht, schließlich sollte man einen Apfel (Apple) waschen, bevor man ihn isst. Also alles kein Problem.

Unsere Reiseroute führt uns nach Glasgow. Für unsere ewige Ungeduld werden wir mehr als belohnt. Die Naturschauspiele, die uns während der Fahrt geboten sind, überwältigen mich. Wiesen und Weiden, mit deren Viehzucht, bis vorne ans Meer. Kurvenreiche Straßen, eingebettet in die schönsten Hügel, bringen uns über eine unendliche Weite gut gelaunt an unser Etappenziel. Wir freuen uns einfach. Harley Davidson steht auf dem Programm. Der Besuch, ein Muss für Tommy, der seine T-Shirt-Sammlung gleich um eines erweitert. Freundlich werden wir von einem Verkäufer begrüßt, als wir den Eingangsbereich betreten.

Wir erkunden den Laden, entdecken im oberen Stock des Gebäudes ein Cafébereich und trinken gemütlich einen netten Cappuccino mit Shortbread und verabschieden uns kurz darauf.

Ein Übernachtungsplatz ist bald gefunden. Wäsche waschen, trocknen, säubern, keine Zeit für Spielereien, Großputz steht auf dem Plan. In der Waschmaschine hat sich einer meiner grünen Socken in Luft aufgelöst. Unauffindbar.

Heiße glühende Kohle, ein Rost und gutes Fleisch. So beginnt ein wunderbarer Abend. Als Tommy vom Müll entsorgen zurück kommt, hat er etwas grünliches hinter seinem Rücken versteckt. Lächelnd drückt er mir etwas in die Hand. Ich entdecke meinen verloren geglaubten Socken, nehme ihn entgegen und finde darin ein Schokoladenei. Ich freue mich sehr über diese liebe Überraschung. Und.. ich bin ein freier Elf! Ich habe gerade ein richtiges Kleidungsstück von meinem Meister geschenkt bekommen.

Das Wetter macht uns zu schaffen. Es ist verregnet und kühl. Dies zu akzeptieren fällt mir sehr schwer. Aber sich darüber zu ärgern, hilft auch nicht weiter.

Wir starten einen Einkaufsbummel im Aldi. Es ist kurz nach halb 9. Unter anderem besorgen wir uns ein frisches Glas Nutella, Grillzeug und Bier für den Abend. Leider wird unsere große Vorfreude auf ein kühles Bier mit einem Schlag zunichte gemacht. Wir sind untröstlich. Hier gilt: kein Alkoholverkauf before 10o’clock. Die Verkäuferin, die uns nun genervt an der Kasse bedient, kramt ein Büchlein aus den Abgründen ihres Arbeitsplatzes, sucht nach einem Stift und führt genauestens Buch über unser wahrlich unverzeihliches Vergehen. In unseren Köpfen spielen sich die verschiedensten Szenarien ab. In diesem ganzen Durcheinander schleicht sich dann auch noch „what shall we do with the drunken sailor“ in meine Gedanken. Wir sehen finster aussehende schwankende Gestalten mit blutunterlaufenen Augen, lallende Menschen, die zu nichts mehr im Stande sind. So, Schluss damit! Hier herrscht die 0,5-Promillegrenze und alles ist in Butter. Unser Sixpack Wasser läuft problemlos über das Kassenband. Mit einem beruhigten Aufatmen packen wir alles in den Einkaufswagen zurück und suchen das Weite.

Geplant ist, das Glenfinnan Viadukt zu besuchen, doch wie so oft, kommt es meist anders als man denkt. Zufällig halten wir für eine Pause im schönen Ben Lora, entdecken ein niedliches Café mit selbst gebackenen Scones und verbringen den Mittag bei großen Cappuccinos und scrambled eggs in a roll. Super lecker! Die Raspberry-Scones sind wirklich zu empfehlen.

Mit Sunny spazieren wir über einen tollen Weg durch die Natur, bis ans Meer. Ein langer Strand mit vielen kleinen Steinchen. Laute rauschende Wellen drängen sich zu uns. Das Wetter scheint sich zu bessern. Wir rennen, wie zwei Verrückte Strand aufwärts und wieder zurück.

Am Spätnachmittag gönnen wir uns einen Lumumba. Der Duft einer original kräftig-schottischen Mischung dringt durch die Öffnung eines großen Bechers an meine Geruchsknospen. Dessen Inneres verspricht ein wunderbares kakaohaltiges Getränk und wartet nur darauf, endlich getrunken zu werden. Ich bin total vernebelt und glücklich.

Strand und Meer in Benderloch